Die Neoklassiker: William Stanley Jevons
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 26. August 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
Fahren wir heute mit unserer Wirtschaftstheorien-Reihe fort...Am letzten Freitag haben wir mit den Neoklassikern begonnen und noch einmal einen kurzen Ausflug zu Carl Menger, dem Begründer der österreichischen Grenznutzenschule unternommen.
Mengers Hauptwerk, "Die Grundsätze der Volkswirtschaftslehre" erschien 1871, doch im gleichen Jahr tat sich ein weiterer Wirtschaftswissenschaftler mit seiner eigenen Theorie vom Grenznutzen hervor: der Engländer William Stanley Jevons.
Offensichtlich (so las ich zumindest) war sich Jevons nicht bewusst, dass auch Menger soeben ein Buch veröffentlicht hatte, in dem seine Theorie vom Grenznutzen darlegte. Auch vom eigentlich Vordenker Gossen, soll Jevons wohl erst später erfahren haben.
William Stanley Jevons und "Theory of political economy" (1871)
Jevons veröffentlichte also ebenfalls 1871 sein Hauptwerk. Hierbei kennzeichnete er die Prinzipien eines abnehmenden Grenznutzens und zeigte auf, wie die Entscheidungen eines Individuums vom Marginalprinzip gelenkt werden. Das läuft im Grunde ganz ähnlich ab, wie bei Gossen. (Sie erinnern sich sicher an die Beispiel-Tabellen zum Grenznutzen in Abhängigkeit vom Preis, die ich Ihnen im Laufe der Reihe zum Gossenschen Gesetz vorgestellt hatte. Wenn nicht, hier können Sie das Ganze noch einmal nachlesen!)
So entdeckte also auch Jevons, ebenso wie Menger und Walras (mit dem wir uns noch beschäftigen werden) einige Jahre nach Gossen eine Lösung des Wertparadoxons, die sich im Grunde nicht wesentlich von der Gossens unterschied.
Dennoch läuteten erst diese 3 Wissenschaftler (Menger, Jevons und Walras) die marginalistische Revolution ein und machten das Grenznutzenprinzip zum Grundprinzip der modernen Ökonomie. Jevons gilt demnach als Begründer der anglo-amerikanischen (neben der österreichischen und Lausanner) Grenznutzenschule.
Doch, das Grenznutzenprinzip war natürlich nicht die einzige Entdeckung oder bahnbrechende Theorie, die Jevons veröffentlichte.
Besonders bedeutsam sind das Jevons' Paradoxon und Jevons Gesetz von der Unterschiedslosigkeit der Preise (law of indifference), mit denen ich mich nächste Woche noch gesondert beschäftigen möchte.
Weit weniger bekannt ist allerdings, dass Jevons auch auf dem Gebiet der Logik, so einige bahnbrechende Veröffentlichungen vorzuweisen hat.
Jevons und das logische Piano
1863 veröffentlichte Jevons seine "Pure Logic", wo er die Pionierarbeit auf dem Gebiet der Logik von George Boole (der mir noch gut aus meinem ersten Jahr Informatik in der Schule im Gedächtnis geblieben ist: Boolesche Variablen sind Aussagen wie wahr/falsch oder Binärzahlen 1/0) weiter entwickelte.
1869 stelle Jevons dann als Ergebnis seiner Arbeiten die erste logische Maschine, das (nach seinem Aussehen) so genannte logische Piano vor. Hierbei handelte es sich um die erste Maschine die logische Aufgaben behandeln und lösen konnte.
Das funktioniert nach dem Prinzip: "Alle Menschen atmen!", "Sokrates ist ein Mensch", daraus folgt "Sokrates atmet!"
oder "Gras ist grün!", wenn für den Begriff Gras A steht und für den Begriff grün B, dann folgt A gleich B. Für die Verneinung des Begriffs nutzt Jevons Kleinbuchstaben. Also Nichtgras wäre dann a, und nichtgrün b. Das logische Piano würde in diesem Fall auch automatisch die Kombination Ab also Gras ist nichtgrün" ausschließen.
Im Grunde haben wir es hier also schon mit einer (ich sage es einmal so) antiken Form eines Computers zu tun. Ich finde das will schon was heißen und muss einmal gewürdigt werden, auch wenn das logische Piano nicht viel mit unserer Wirtschaftstheorien-Reihe zu tun hat.
Diese werden wir aber in der kommenden Woche mit Jevons bekannteren Theorien, dem Law of indifference und dem Jevons Paradoxon weiterführen, um dann schließlich auch noch auf Leon Walras zu sprechen zu kommen.
So long liebe Leser...ich möchte mich damit für heute von Ihnen verabschieden...morgen gibt's an dieser Stelle dann wieder wie gewohnt den Wochenrück- und Ausblick...im 2.Teil finden Sie noch einen Gastbeitrag meines Kollegen Andreas Lambrou zum Silber...Viel Spaß beim Lesen!....liebe Grüße und bis morgen...
Ihre Miriam Kraus
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