Die Neigung, es vor die Wand zu fahren
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 8. März 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Die arme Ms. Cosgrove. Die Frau aus Florida hat ihr Auto in 1976 zu Schrott gefahren. Während sie unter der Brooklyn Bridge herfuhr, ist eine mit Regenwasser gefüllte Plane auf sie herabgefallen. Und anschließend hat sie auch noch den Versicherungscheck über 17.500 Dollar verloren.
Ihr Glück hat sich vergangene Woche gewendet - nach 33 Jahren. Sie hat den Scheck in einer Schreibtischschublade wiedergefunden. Doch jetzt stellt sie zwei unangenehme Dinge gleichzeitig fest. Zum einen, dass ihr Versicherungsunternehmen nicht mehr existiert... und dass der Scheck auch kaum noch 5.000 Dollar wert wäre - wenn sie in der Lage wäre, ihn einzulösen.
Was folgte ist eine kurze Träumerei darüber, wie Kredite faul werden. Es gibt Unfälle. Und es gibt Fehler. Und es gibt göttliche Taten und Taten der Regierung. Um den Lesern eine Vorschau zu geben, erwarte ich, dass die Sparer und Anleger der Welt auf dem Weg sind, Ms. Cosgrove zu folgen - und dass sie ihr Geld entweder aufgrund von Pech, wegen schlechter Urteilsfähigkeit, aufgrund von schlechtem Management oder wegen schlechten politischen Entscheidungen verlieren. Ich überlasse es Gott, sein eigenes Handeln zu erklären, wenn er das möchte. Meine Aufmerksamkeit gilt Ms. Cosgraves Verrechnungsscheck.
Preisbewegungen sind weder gut noch schlecht; es hängt davon ab, wodurch sie verursacht wurden. In einer gut funktonierenden Wirtschaft steigen und fallen die Preise. Steigende Preise führen zu einer Verknappung, und sie signalisieren den Verbrauchern, dass sie auf die Ersatzmaterialien umsteigen sollten. Und sie sagen den Produzenten, dass sie ins Spiel einsteigen sollten und ihre Vorräte aufstocken sollten. Fallende Preise schicken eine entgegengesetzte Botschaft... sie reduzieren die Gewinnspannen und sie sagen den Verbrauchern, sie sollten sich einschränken.
Wenn ich in einen Weinladen gehe und dort niedrigere Preise vorfinde, dann bin ich hoch erfreut. Ich kaufe Vorräte ein. Aber damit bin ich nicht im gleichen Takt wie die anderen Wirtschaftswissenschaftler. Die meisten Wirtschaftswissenschaftler wollen die höheren Preise im Weinladen finden. Und sie gehen davon aus, dass man die Wirtschaft verbessern kann, indem man die Preise nach oben zwingt.
Ihr Nörgeln über die fallenden Preise geht zurück auf das, was Keynes als Neigung zum Sparen" beschreibt. Die Verbraucher sehen die fallenden Preise, so seine Theorie, und sie schieben die Ausgaben weiter in die Zukunft, in der Hoffnung, dass sie es dann mit besseren Preisen zu tun haben werden. Die Nachfrage geht zurück, die Einnahmen brechen ein. Und man hat es mit einer Krise zu tun.
Dummerweise sind die meisten Historiker und Wirtschaftswissenschaftler so dressiert, dass sie glauben, dass stetig und deutlich fallende Preise zu einer Krise führen müssen..." schreibt Murray Rothbard in seiner History of Money and Banking in the United States". Mr. Rothbard stellte fest, dass die fallenden Preise eine Krise weder auslösen noch Einfluss darauf haben. Es ist vielmehr ein natürliches Merkmal des Erfolges. Im Jahrzehnt zwischen 1879 und 1889 sind die Löhne in Amerika beispielsweise effektiv um 23% gestiegen. Kein Jahrzehnt hatte zu vor einen derartig andauernden Anstieg bei den Reallöhnen hervorgebracht", kommentiert Rothbard. Auch wenn es um die Verbesserung des materiellen Wohlstandes geht, schloss der Ökonom R.W. Goldsmith dass kein Jahrzehnt dem der 1880er Jahre entsprach... bei jährlichen Zuwächsen von 3,8%.
Aber es war auch ein Jahrzehnt, in dem die Preise eingebrochen sind. Die Preise auf Großmarktebene sind um 10% eingebrochen. Die Preise im Einzelhandel um 44,2%. Wie kommt es, dass die fallenden Preise nicht zu einer Krise führten? Im Jahr 1884 haben verschiedene große Banken an der Wall Street, darunter Grant and Ward, die Marine Bank of New York und die Penn Bank of Pittsburgh...zusammen mit 10.000 Unternehmen Konkurs angemeldet. Aber auch das hat nicht zu einer Krise geführt. Die Regierung hat nichts getan. Es ist vermutlich ihrer Unfähigkeit zu verdanken, dass die Wirtschaft binnen Wochen wieder auf den Beinen war und das Jahrzehnt des Wohlstandes fortgesetzt werden konnte.
So läuft die Welt, wenn man der Welt erlaubt, ihren Weg zu gehen. In einer normalen Wirtschaft sind die Preise ehrlich. Sie sagen den Kapitalisten wo und wie sie ihr Geld investieren sollten. Die Unternehmen steigern die Kapazitäten. Sie werden bei dem, was sie tun, besser. Die Kosten pro Einheit fallen. Eine gesteigerte Produktivität bringt höhere Löhne und geringere Preise - Wohlstand, mit anderen Worten.
Wenn das alles wäre, was dahinter steckt, dann wäre die Welt wohlhabender, aber weniger unterhaltsam. Es gäbe ehrliche Preisbewegungen. Und es gäbe die andere Art, die von den Veränderungen der Geldmenge abhängt. Natürliche Preisbewegungen liefern nützliche Informationen: Die Inflations- (oder Deflations-)getriebene Signale sind eine Form wirtschaftlicher Spionageabwehr - trügerische Signale, die darauf abzielen, in die Irre zu führen.
Monetäre Inflation treibt die Preise nach oben; aber nur, weil das Geld im Überfluss vorhanden ist und nicht weil die Güter knapper werden, Die Unternehmen, die Anleger und die Verbraucher bekommen eine falsche Vorstellung. Normalerweise geben die Verbraucher zu viel Geld aus und die Unternehmen investieren zu viel Geld. Der Geschäftsmann sieht eine steigende Nachfrage, der Verbraucher glaubt, er habe es mit einem größer werdenden Mangel zu tun. Beide liegen falsch. Beide verlieren Geld. Sogar die Regierung lässt sich von ihren eigenen Täuschungen in die Irre führen, sie sieht steigende Steuereinnahmen und weitet ihre Dienste aus.
Der Planet hat noch nie zuvor eine derartige monetäre Inflation erlebt. In nur sieben Jahren haben sich weltweit die monetären Reservebestände verdreifacht - von weniger als 2,5 Billionen Dollar auf mehr als 7,5 Billionen. Und doch fallen die Verbraucherpreise auch weiterhin... genauso wie in den vergangenen 27 Jahren. Im Januar berichtet das Wall Street Journal trotz des Ziels der amerikanischen Zentralbank, dass die Verbraucherpreise in den Vereinigten Staaten tatsächlich um 0,1% eingebrochen seien.
In der vergangenen Woche fragten sich führen Wirtschaftswissenschaftler beim Internationalen Währungsfonds und der amerikanischen Zentralbank laut, ob sie die Öffentlichkeit weiter täuschen sollten, indem man höhere Inflationsziele formuliert. Aktuell zielen die Zentralbanken auf 2% ab. Man spricht davon, dieses Ziel auf 4% zu erhöhen.
Vielleicht wissen sie ja, was sie tun. Vielleicht auch nicht. Mein Rat an die Leser: Wenn sie einen großen Scheck erhalten, dann warten Sie nicht 33 Jahre, ehe sie ihn einlösen.
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