Die Mythen über Rohstoffe ausmisten
Jim Rogers in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 23. Juli 2009, 12:00 Uhr
ENL5462
Wann immer ich in der Öffentlichkeit über Rohstoffe spreche, kommt irgendeiner an und sagt, dass wir heute in einer hoch technisierte Welt leben, in der die Preise für Rohstoffe nie mehr so hoch sein werden, wie sie es zu Zeiten der Fabrikschlote waren.
Wenn sie aber die Geschichte zurückverfolgen, dann werden sie feststellen, dass der technische Fortschritt so alt ist, wie die Geschichte selbst. Die Einführung des schneidigen und schönen Klippers betörte die Menschen zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Er machte selbst befrachtet noch 20 Knoten in der Stunde und durchschnittlich mehr als 400 Meilen in 24 Stunden und war in der Lage von den amerikanischen Häfen über Kap Horn in nur 80 Tagen nach Hong Kong zu reisen.
Aber es dauerte nur ein Jahrzehnt und die Klipper wurden durch die Dampfer abgelöst. Die waren zwar nicht unbedingt schneller, aber sie waren nicht so abhängig vom Wind. Dann dauerte es wieder nicht lange, und das nächste große Ding übernahm im Transportwesen. Die Eisenbahn. Und während dieser ganzen Zeit sind die Rohstoffpreise stetig gestiegen.
Im 20. Jahrhundert kamen das Telefon, das Radio und Fernsehen, das Auto, Flugzeug und der Halbleiter - und immer wieder kam es während all dieser technischen Revolutionen zu zeitweiligen, manchmal langjährigen Bullenmärkten auf dem Rohstoffsektor.
Selbst ein bahnbrechender Durchbruch in einem Bereich, der mit einem bestimmten Rohstoff in Verbindung steht, senkt nicht notwendig die Preise. Jahrzehntelang war das Bohren unter 1500 m oder vor Küste praktisch unmöglich. In den 1960er Jahren wurde der Hughes Diamantbohrer erfunden und eine Explosion der technischen Vorzüge und Erforschungen ausgelöst. Das Bohren wurde so effizient und es gab Zugang zu Ölvorräten, von denen man sich vorher nicht hätte träumen lassen.
Bald gab es überall auf der Welt Ölquellen mit mehr als 7.500 m Tiefe und Bohrinseln vor der Küste. Dennoch sind die Ölpreise in der Phase zwischen 1965 und 1980 um 1000 Prozent gestiegen. Wenn Angebot und Nachfrage von Rohmaterial ernsthaft aus dem Leim gehen, dann wird auch das Erscheinen einer neuen Technologie nicht notwendigerweise das Gleichgewicht so bald wieder herstellen.
Sicher, Änderungen in der Technik machen eine Wirtschaft weniger abhängig vom Öl. Aber immer noch verbrauchen wir sehr viel davon, und sobald nicht mehr genug davon da ist, werden die Preise steigen. So einfach ist das.
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