Die mütterliche Seite meiner Familie
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 29. August 2006 07:30 Uhr
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Ich wende mich wieder der Vergangenheit zu.
Die mütterliche Seite der Familie war anders. Auf ihrer Seite stammten wir von den Rittern Wilhelms des Eroberers ab, erzählte mir einst eine Lieblingstante, als sie das gewaltige Anwesen eines Cousins in England beschrieb – mit den großen Ballsälen, den vergoldeten Kutschen und einem Garten, der von Isaac Newton entworfen wurde.
Später stellte ich fest, dass das alles wahr war, aber im Alter von 8 Jahren, als ich in einem Haus ohne fließend Wasser schwitzend die Sommer durchlebte, umgeben von den Tabakfeldern des südlichen Maryland, fand ich es schwer, mir so etwas vorzustellen.
Keine Schwierigkeiten bereitete es hingegen mir vorzustellen, dass Reichtum und Wohlstand besser waren, als um sechs Uhr morgens den Tabak zu schneiden und ihn dann um zehn in der Nacht in die Schuppen zu hängen. Meiner Tante, die oft von solchen Dingen sprach, gelang es, mir ein einziges Ziel einzuimpfen: Das Vermögen der Familie wieder aufzubauen. Ich machte mich an diese Aufgabe, sobald ich das College verlassen hatte, ohne dass ich eine genaue Vorstellung gehabt hätte, wie ich es schaffen wollte. Aber ich verstand instinktiv, dass es nicht zu erreichen sein würde, wenn ich eine normale Karriere anfinge. Ich hatte z.B. gehört, dass Ärzte gutes Geld verdienen, aber ich ging davon aus, dass sie nicht genug verdienten, um sich eine vergoldete Kutsche und Schlösser in Europa leisten zu können.
Auch dachte ich nicht, dass es mir gelingen könnte, mich durch die verschiedenen organisatorischen Stufen hindurchzukämpfen und an der Spitze anzukommen. Zu viele Leute wollten in diese Positionen. Und die, die es schafften, waren meistens auf besseren Universitäten gewesen als ich. Sie sprachen besser ... wussten mehr ... und waren offener. Irgendein Instinkt hat mir von Anfang an gesagt, dass ich ein Außenseiter sein würde, ein Widerspruchsgeist, ein Unangepasster. Wenn ich das Vermögen der Familie wieder aufbauen wollte, dann musste es auf eine Art sein, die etwas ungewöhnlich sein würde ... originell ... und sogar gewagt.
Ich entschloss mich also, mich selbst in die Geschäfte zu stürzen... in welche Geschäfte? Es drängte mich natürlich zum geschriebenen Wort... und zum geschlagenen Nagel. Ich habe immer gerne Dinge gebaut... und immer gerne geschrieben.
Zuerst versuchte ich es im Bausektor. Ich will Ihnen die Details ersparen und nur so viel sagen, dass bald klar war, das Bauen würde ein Hobby bleiben. Die Häuser, die ich bauen wollte, waren nicht die Häuser, die irgendwer kaufen wollte. Und wenn ich ein angenehmes Stück Land fand, dann hatte ich zu viel Mitleid damit, als dass ich darauf ein Haus hätte bauen können, das die Leute haben wollten. Also hörte ich bald wieder auf, beruflich Häuser zu bauen. Aber es blieb mein Leben lang ein Hobby.
In der Welt der Verlage fand ich jedoch einen Weg nach vorn. In den 1970ern war der Sektor der Rundbriefe und Newsletter noch jung und offen gegenüber Innovationen. Mein Weg in diesen Bereich war seltsam und unbeholfen. Aber glücklicherweise war es damals noch ein Bereich, der einem vieles verziehen hat. Man konnte dort viele Fehler machen und dennoch am Ball bleiben.
Und ich stellte fest, dass es ein Bereich war, in dem sich die Fehler auszahlten. Da ich zu einer ganzen Reihe von Fehlern fähig war, fand ich ein warmes und begrüßendes Umfeld für mein Talent, ein bisschen so wie eine Sumpfratte in den Everglades in Florida. Das Geheimnis bestand darin, die Fehler schnell und günstig zu machen. Da man nie von vorneherein wissen konnte, was die Kunden wollen würden, experimentierte man, um es herauszufinden. Diese Methode kostet Zeit und Geld, aber man musste einfach nur dabei bleiben – hoffend, dass man auf etwas stoßen würde, für das die Leser bezahlen würden, ehe einem die Kredite bei den örtlichen Druckereien ausgingen (die Post hat die Kredite nie erhöht).
Experimentieren, Lernen, Üben, das Finden guter Partner und der Aufbau dauerten Jahre. Ich war schon deutlich über vierzig, ehe ich überhaupt Geld hatte. Das war die Zeit, als ich zum ersten Mal in meinem Leben in einem Haus mit einer Klimaanlage wohnte. Aber bis dahin hatte sich der Wind gedreht und ich hatte von nun an Rückenwind. Als ich 50 war, blühte das Unternehmen und ich begann eine völlig neue Phase meines Lebens. Ich bin nach Paris gezogen und die Kinder besuchten Privatschulen. Ich kaufte ein Ferienhaus. Die Dinge fingen an, wirklich rosig auszusehen.
Ich erkenne meinen neuen Lebensstil als das, was er ist: einfach nur eine andere Art zu leben. Nicht notwendigerweise besser oder schlechter als andere. In den fast sechs Jahrzehnten meines Lebens habe ich schließlich nur eins auf diese Weise verbracht und ich kann nicht sagen, dass ich in diesem fetten Sechstel glücklicher war, als in einem der fünf magereren Sechstel.
Ich bin nicht wirklich reich, aber ich kann mir sicher einen reichen Lebensstil leisten. Ist es auch ein glücklicher Lebensstil? Ja, aber nicht außergewöhnlich. Denn, wie mein Freund Felix Dennis in seinem neuen Buch schreibt: „Die Reichen sind nicht glücklich. Ich warte immer noch darauf, dass ich einen einzigen wirklich glücklichen reichen Menschen treffe – und ich habe schon viele reiche Leute getroffen. Bin ich glücklich? Nein. Oder zumindest, nur gelegentlich.“
Nur wenn man Geld hat, fängt man an, die Dinge wirklich zu genießen, die man hatte, als man noch arm war. Und nur, wenn man wirklich fürchterlich arm war, kann man es wirklich schätzen, die schmutzigen Füße auf einen teuren Sessel im Stile Ludwigs XIV. zu legen.
Doch das letzte Jahrzehnt ist das einzige, an das sich die Kinder wirklich erinnern können. Davor waren sie noch zu jung. Jules besuchte, als er noch sehr klein war, die staatlichen Schulen. Doch seine Jahre in der weiterführenden Schule verbrachte er entweder in den Privatschulen in Frankreich oder auf der amerikanischen Schule in Paris, wo viele der reichen Schüler aus der ganzen Welt stammen. Seine Freunde sind nicht die Toms, Harrys und Dicks der amerikanischen Mittelschicht... nicht die Typen, mit denen ich aufgewachsen bin. Sie sind die Söhne und Töchter der europäischen Elite, die oft Ferienhäuser im Ausland besitzen. Manche dieser Kinder haben fast uneingeschränktes Taschengeld. Für diese jungen Dandys sehen die Dinge wirklich sehr gut aus. Aber das gibt ihnen eine nur eingeschränkte Sicht auf die wahre Welt.
„Kennst du Brynley“, fragte meine Frau Elizabeth zuletzt, „er wollte, dass sein Sohn, er ist 26 Jahre alt, seine Handyrechnung bezahlt. Er hat das abgelehnt. Brynley sagte zu ihm, er solle in die wirkliche Welt zurückkehren. Wir mussten beide sehr darüber lachen. Diese Kinder sind so privilegiert, sie haben keine Ahnung mehr, was die wahre Welt ist.“
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