Die möglichen Auswirkungen einer Pandemie auf einzelne Branchen
Markus Miller in Kapital & Steuern Global zum Thema Kapitalschutz
vom 19. Juni 2008, 16:00 Uhr
Julius Bär hat in einer sehr interessanten Studie, vor einiger Zeit einmal den Ablauf einer möglichen Pandemie in Phasen unterteilt und versucht abzuschätzen, welche Sektoren jeweils am stärksten davon betroffen wären.
Phase I
Vor-pandemische Phase: Starke Nachfrage nach antiviralen Wirkstoffen, Grippeimpfstoffen. Entwicklung neuer Impfstoffe.
Gewinner: Pharmaindustrie und Biotechgesellschaften
Phase II
Ausbruch der Krankheit: Einschränkung des freien Personenverkehrs. Unterbrechung der Nahrungsversorgung.
Verlierer: Fluglinien und Flughäfen, Transportindustrie, Tourismus und Hotellerie, Konsumgüterindustrie, Nahrungsmittelhersteller
Phase III
Rasche Ausbreitung der Krankheit: Grosse Anzahl von Spitaleinweisungen und erhöhte Auslastung. Starke Nachfrage nach Medikamenten und Impfstoffen. Erwartete Versicherungsleistungen. Steigende medizinische Kosten.
Gewinner: Spitalssektor, Pharmaindustrie
Verlierer: Versicherungssektor, Krankenversicherer
Phase IV
Weltwirtschaft ist betroffen: Einbruch von Volkswirtschaften und sinkende Rohstoffpreise. Sinkender Ölpreis. Anhaltend starke Nachfrage nach Gesundheitsdiensten
Verlierer: Zyklische Sektoren, Ölgesellschaften und Versorgungsunternehmen
Gewinner: Spitalssektor
Phase V
Allgemeine Panik: Steigender Goldpreis, Aufwertung von Währungen die als sicherer Hafen gelten, Rückführung von Kapital in die betroffenen Länder, Kurzfristige Zinssätze fallen als Reaktion auf Intervention der Zentralbanken, Langfristige Zinssätze steigen, Hohe Zinssätze sind eine Gefahr für den Immobilienmarkt und den Verbraucherzyklus, Crash der Finanzmärkte, Intervention der Zentralbanken führt zur Stabilisierung der Wirtschaft.
Verlierer: Vor allem der Finanzsektor, Immobilien und Verbrauchsgütersektor
Gewinner: Goldindustrie
Eine gewöhnliche Grippe ist schon schlimm genug, nur ist Ihnen dies auch bewusst?
Sie haben auch jedes Jahr eine Sommergrippe und denken sich nun, was soll diese Schwarzmalerei? Allein die gewöhnliche Grippe befällt jährlich etwa 120 Millionen Menschen in den Industriestaaten und fordert weltweit 250.000 bis 500.000 Todesopfer! Was passiert dann erst, wenn einmal einer dieser Viren mutieren sollte?
Grippe ist ein verbreitetes und weltweites Gesundheitsproblem. Die Krankheit befällt alljährlich etwa 120 Millionen Menschen in den USA, Europa und Japan. Das US Center for Disease Control hat seine Prognose, wonach eine typische Grippeepidemie in den USA für den Tod von 20.000 bis 36.000 Menschen verantwortlich ist mittlerweile erhöht.
Schätzungsweise 17 bis 50 Millionen Menschen allein in den USA oder 10% bis 20% der Weltbevölkerung infizieren sich alljährlich mit dem Grippevirus während der saisonalen Epidemien, die meistens im Zeitraum Dezember bis März ihren Höhepunkt erreichen. Daraus ergeben sich 250.000 bis 500.000 Todesfälle pro Jahr (WHO). Die Grippe ist eine wiederkehrende epidemische Infektionskrankheit, die das Leben von Kindern und Erwachsenen erheblich beeinträchtigen und bedrohen kann. Tatsächlich verursacht in den USA die Grippe USD 3 Milliarden bis USD 15 Milliarden an direkten und indirekten Kosten, darunter rund 70 Millionen Tage an Arbeitsausfall und rund 38 Millionen versäumter Schultage.
Welche Unternehmen könnten von einer Pandemie stark profitieren?
Bei Unternehmen, die einen grossen Teil ihrer Ressourcen für die Entwicklung und Herstellung von Impfstoffen aufwenden und bei denen die Grippeimpfstoffe einen hohen Umsatzanteil ausmachen, sollte die steigende Nachfrage nach Grippeimpfstoffen die Gesamtperformance des Unternehmens am positiv beeinflussen. Zu diesen Unternehmen gehören beispielsweise Chiron, Berna Biotech oder ID Biomedical.
Weitere Firmen in diesem Bereich, welche von einer derartigen Gefahr profitieren könnten sind beispielsweise: Sanofi-Aventis, GlaxoSmithKline, Acambis, Solvay oder MedImmune.
Beispielsweise die Studie von Julius Bär mit dem Titel "Was Sie schon immer über die Vogelgrippe wissen wollten" ist derzeit sicherlich nicht so gefragt, wie die hohen Ölpreise oder Inflationsgefahren. Sie hat aber aus meiner Sicht nichts an Ihrer Aussagekraft verloren und der Tag wird kommen, an dem an Weltbörsen genau diese Auswirkungen wieder verstärkt in den Blickpunkt rücken werden.
Was Sie schon immer über die Vogelgrippe wissen wollten
Sie finden die komplette Studie von Julius Bär übrigens unter folgendem Link:
Was Sie schon immer über die Vogelgrippe wissen wollten
Vergessen Sie also nicht, sich ab und zu auch mit den Themen zu beschäftigen, über welche Sie nicht täglich etwas in Newslettern oder Börsenfachzeitschriften lesen!
Als Meteorologe würde ich mit dem Spruch "Es kommt die Zeit in der das Wasser wieder steigt" wohl nie falsch liegen. Als Börsianer bin ich mir wie gesagt sicher es kommt die Zeit, in der irgendwo ein alter oder neuer Virus eines Tages mit dramatischen Auswirkungen ausbricht! Ich meine damit übrigens keinen Computervirus, wenn auch in diesem Bereich latente Gefahren für unsere Wirtschaftssysteme lauern.
Ihr
Markus Miller