Die Medien verkaufen wieder Angst
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Nebenwerte
vom 26. August 2010, 17:00 Uhr
ENL5462
Da habe ich mich am vergangenen Montag mit meiner Prognose einer erfolgreichen Verteidigung der wichtigen Psycho-Marke" von 6.000 Punkten im DAX wohl etwas zu früh und zu weit aus dem Fenster gelehnt. Aber obwohl ich eigentlich in Börsendingen Prognosen für unseriös halte, mich viel stärker auf das Ergebnis des Kampfes zwischen Bullen und Bären verlasse, halte ich es dennoch für unsportlich, sich niemals festlegen zu wollen. Trotz dieser Bauchlandung hier im vergangenen Daily finde ich die jetzigen Argumente der Bären nicht besonders überzeugend. Trotz des medialen Sperrfeuers und der negativen Kommentatoren betrachte ich die aktuelle Lage zwar als kritisch, aber keinesfalls als katastrophal.
Keine neuen Argumente
Die derzeitige Kursschwäche wird natürlich mit den zunehmenden Konjunkturängsten begründet und der Befürchtung, die westlichen Volkswirtschaften seien nur mit staatlicher Stimulierung zu stabilisieren. Diese Befürchtung ist begründet, aber keinesfalls neu oder originell, da sie den heutigen Seitwärtstrend bereits Ende 2009 ausgelöst hat. Es ist sehr auffällig, dass die jetzigen negativen Nachrichten vergangenheitsbezogen sind und daher unter professionellen Anlegern keine hohe Halbwertzeit haben. Ein gutes Beispiel ist die Neuigkeit", dass private US-Anleger zuletzt 30 Mrd. Dollar aus inländischen Fonds abgezogen haben und unter entsprechendem Vertrauensverlust leiden. Dies sind typische Nachrichten, die nur in einem sehr negativen Marktumfeld Verkäufe auslösen. Ähnlich die gestrigen schwachen Daten des US-Immobilienmarktes. Von diesen war ohnehin nicht viel zu erwarten, da kürzlich die Steuersubventionen für Hausverkäufe ausliefen und eine Abschwächung fast unvermeidbar war. Völlig ungehört blieb übrigens die Nachricht, dass sich die Anzahl der Hypothekenanträge leicht verbessert hat und daher keineswegs ein erneuter Absturz des Immobilienmarktes unausweichlich ist. Dies sind Anzeichen dafür, dass die Investoren mal wieder fest in den Klauen der Medien gefangen sind und große Adressen ganz bewusst Unsicherheit und Angst verkaufen" wollen. Daher habe ich das Gefühl, dass sich die aktuelle Abwärtsbewegung sehr bald ihrem Ende nähert und wie ein Buschfeuer von alleine ausgeht. Ich rate Ihnen deshalb, sich bezüglich Ihrer Investitionen niemals zu sehr von den Medien einlullen lassen, vor allem da praktisch alle Meinungsführer ihre Ansichten mit Hintergedanken und nicht aus Nächstenliebe an uns Privatanleger weitergeben. Auch wegen des negativen Sentiment kann ich mir gut vorstellen, dass die Unterstützungen, in deren Nähe viele bedeutende Indizes wie der DAX derzeit handeln, bestätigt werden und die Börsen eine Gegenbewegung starten. Für den DAX z.B. kann ich mir eine Erholung von derzeit knapp 5.900 bis etwa 6.100 Punkte ohne Probleme vorstellen.
Ifo und Konsumklima machen Mut
Auch wenn Umfragen des ifo-Instituts und der Gesellschaft für Konsumforschung natürlich ebenfalls vergangenheitsbezogen sind und außerdem keinesfalls handelbare Börsensignale darstellen, ist es doch interessant zu beobachten, wie deutlich diese dem negativen medialen Sperrfeuer widersprechen. Mit dem dritten Plus in Folge hat sich der ifo-Geschäftsklimaindex auf den höchsten Stand seit drei Jahren geschoben. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im August noch einmal leicht verbessert: der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 106,2 Zählern auf 106,7 Punkte, teilte das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Mittwoch mit. Es war der dritte Anstieg in Folge, der Index erreichte den höchsten Stand seit Juni 2007. Für mich persönlich sehr überraschend ist der konstant positive Ausblick der befragten 7000 Unternehmer in die Zukunft trotz der negativen Pressekommentare.
ähnliche Beiträge:
- Die Angst
- TecDAX-Insider verkaufen – bei ElringKlinger wird zugeschlagen
- Gold – der Fels in der Brandung
- Verkaufen die starken Hände aus Angst vor der Vogelgrippe?
- Der Mythos der passiven Index-Investition
- Die Angst vor Bekanntem
- Zitat der Woche
- Willkommen in der Hölle
- US-Konjunkturdaten: Und auf einmal haben alle wieder Angst
Artikel weiterempfehlen