Die Märkte zum Wochenbeginn / Analyse: Goldpreis
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Goldpreisentwicklung
vom 7. September 2009, 16:00 Uhr
ENL5462
letzte Woche setzten die US-Märkte ihren Konsolidierungskurs auf sehr hohem Niveau weiter fort.
Der NYSE Bullish Percent Index gab wenige Punkte ab (aktueller Stand: 77) und ist jetzt nicht mehr allzu weit von einem Reversal in eine O-Spalte entfernt. Nichtdestotrotz interpretiere ich die Punktverluste im NYSE BPI bisher noch als eine Art „Rauschen". Erst wenn der BP-Index auf diesem extrem überkauften Niveau in eine O-Spalte dreht (bei 74 Punkte wäre es soweit), bekommen wir ein eindeutiges Warnzeichen für ein erhöhtes Risiko im Markt geliefert.
Abb.: Aktueller P&F Chart des NYSE BPI
Der VIX gab letzten Mittwoch das erste Kaufsignal aus Point & Figure-Sicht seit Juli 2009. Wie Sie im Chart allerdings erkennen können, wurde die bärische Widerstandslinie (eng. "bearish resistance line", kurz: BRL – rote Linie) noch nicht gebrochen. Durch das Kaufsignal haben wir ein Vertical-Count-Preisziel von 40 Punkten erhalten. Würde es tatsächlich zu einer Abwärtsbewegung der Märkte in den nächsten Wochen kommen, wäre dies ein realistisches Zwischenziel für den Index.
Abb.: Aktueller P&F Chart des VIX
Um auf ein solches „bärisches“ Szenario zu wetten empfiehlt es sich aber, auf ein Reversal im NYSE BPI und einen Trendbruch im VIX zu warten. Sobald diese Indikatoren (und weitere Indikatoren denen ich folge) umschlagen, erfahren Sie es als Erste.
Sonderanalyse in Zukunft bei IW
Um die Qualität von Investoren Wissen weiter zu verbessern, erhalten Sie ab sofort, in unregelmäßigen Abständen und zusätzlich zu meinen gewohnten Marktüberblick, diverse Sonderanalysen. Und zwar immer dann, wenn sich in einem bestimmten Markt /Asset-Klasse, bei einem Rohstoff, einer Währung oder einem US-Sektor nachhaltige, markttechnische „Änderungen“ andeuten. Dies können Ausbrüche über/unter große Widerstände/Unterstützungen, eine Änderungen der relativen Stärke gegenüber dem Vergleichsindex oder aber Reversals in den Marktinternas (also in den jeweiligen BP-Indizes) sein.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich nicht alle Ausbrüche, Reversals und RS-Änderungen hier bei Investoren Wissen ansprechen kann. Dies würde den Rahmen diese Newsletters sprengen.
Sonderanalyse: Gold vor dem Ausbruch über $1,000?
Der Goldpreis hat sich letzte Woche weiter in Richtung $1,000 bewegt und am Freitag auf dem Niveau von $ 994 geschlossen. Betrachten wir dazu den P&F Chart des Gold-ETF GLD, welcher den Goldpreis nahezu im Verhältnis 1:10 nachbildet:
Abb.: Aktueller P&F Chart des Goldpreis Tracker ETFs
Sie sehen innerhalb des grün umrandeten Rechtecks eine Serie von höheren Hoch- und höheren Tiefpunkten. Dies ist eine sehr bullische Formation und lässt darauf schließen, dass die Nachfrage (die Käufer) stärker wird, während das Angebot (die Verkäufer) immer weiter ausdünnt.
Der Wochenchart von GLD lässt insgesamt 4 gescheiterte Versuche erkennen, den Widerstand von $100 (ca. $1015 pro Unze bei Gold) nachhaltig zu überwinden. Der MACD hat auf Wochensicht noch kein eindeutiges Kaufsignal gegeben. Der „Relative Stärke Index“ (RSI), an dessen wir den Überkauftheitsgrad messen können, befindet sich mit 63 Punkten im leicht überkauften Bereich.
Aus Tagessicht ist der RSI auf das 70er Level gestiegen. Dies sollte man im Hinterkopf behalten, denn wenn Gold zum fünften Mal die Marke von $1000 nicht überwinden kann, ist ein recht hohes Rückschlagpotential bis in den Bereich $920-930 gegeben. Der MACD hat auf Tagesbasis gerade ein neues Kaufsignal generiert. In der Vergangenheit hatten diese Signale eine recht hohe Trefferquote. Beachten Sie auch die erhöhten Umsätze bei GLD, vom Mittwoch, Donnerstag und Freitag letzter Woche (grünes Rechteck). In diese ETFs floss viel Geld, so dass man diesen erneuten Ausbruchsversuch über die „magische Grenze“ von $1000 bei Gold aus technischer Sicht vielleicht gar nicht einmal unterschätzen sollte.
Werfen wir einen letzten Blick auf die Zyklik von Gold. Der „Gold Seasonal“ Chart umfasst die Datensätze der Goldpreisentwicklung der letzten 37 Jahre. Sie sehen, dass sich Goldpreis vor allem von Anfang September bis Mitte November sehr stark verhielt. Bis in den Dezember hinein konsolidierte anschließend der Preis, um dann zum Jahreswechsel hin wieder anzuziehen.
$1000 – mehr als magisch
Ein nachhaltiger Anstieg über die magische Preisgrenze von $1000, begleitet von hohen Umsätzen (nicht nur im Papier Gold sondern auch bei physischem Gold) dürfte den Goldpreis regelrecht explodieren lassen. Preisaufschläge von 10% bis 20% innerhalb eines Monats sind hier ein mögliches Szenario. Das liegt daran, dass viele Käufer erst bei Überschreiten dieser Marke Long gehen, während viele Short Seller ihre Future Positionen, um größere Verluste zu vermeiden, glatt stellen müssen.
Sollte Gold zum fünften Mal die $1000 nicht knacken, erwarte ich einen starken Rückschlag welcher sich spätestens im Bereich von $930 verlangsamen sollte. Hier verlaufen wiederum starke Unterstützungen wie z.B. die Bullish Support Line (vgl. P&F Chart) oder mehrmonatige Trendlinien (vgl. Wochen- & Tageschart).
Die großen Unbekannten in diesem Spiel sind wieder einmal die Notenbanken und die darin angeschlossenen Primary Dealer. Diese sind mit einer hohen Anzahl an Future-Positionen Short auf den Goldpreis und haben mit Sicherheit kein Interesse an einem starken Anstieg. Diese Gegenspieler darf man m.E. nicht unterschätzen. Ein zu schneller Anstieg des Goldpreises würde nachhaltig das gesamte Papiergeldsystem gefährden. Das werden Ben Bernanke und Konsorten mit allen ihnen zu Verfügung stehenden Mitteln versuchen zu vermeiden. Spannende (Goldpreis)Entwicklungen in den nächsten Tagen / Wochen sind also vorprogrammiert.
Neben der technischen Ausgangslage ergeben sich auf der fundamentalen Seite zwei neue, zusätzlich goldpreistreibende Neuigkeiten aus dem Reich der Mitte. Zum einen hat die chinesische Regierung ihrer Bevölkerung nahegelegt, in die Edelmetalle Gold und Silber zu investieren. Sollte nur ein Bruchteil der 1,3Mrd Chinesen diesen Rat befolgen wird dies den physischen Goldmarkt komplett leerfegen und das den Goldpreis in neue Höhe schießen lassen. Zum Anderen ist der ehemalige Nettokäufer von US-Staatsanleihen, die Volksrepublik China, zum Nettoverkäufer im Juni 09 mutiert, wie sie dem entsprechenden Bericht des US-Treasury Department entnehmen können. Nach diesem, verringerte die Volksrepublik im Juni 2009 ihren Anleihenbestand um 25Mrd $. Noch niemals zuvor verkaufte China für einen so hohen Betrag Staatsanleihen, innerhalb nur eines Monats.
Im Vergleich dazu: Im Jahre 2006 kauften die Chinesen noch über 50% der Treasuries der USA. 2008 waren es immerhin noch 22%. Und heute? Der Bericht spricht eine klare Sprache. China ist nicht länger bereit die Staatsschulden der Vereinigten Staaten zu finanzieren.
Die „Quantitative Easing“-Politik der US-Notenbank bekommt dadurch einen immer größeren Stellenwert in der US-Notenbankpolitik.. Einen Großteil der zukünftigen Staatsausgaben werden die USA nur durch die „Monetarisierung“ der Staatanleihen finanzieren können. Und im diesem Meer aus wertlosen Dollars wird Gold die Arche Noah des vorausblickenden Investors ein.
Beste Grüße
Alexander Hahn






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