Die Märkte zum Wochenbeginn
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 15. August 2011, 17:00 Uhr
ENL5454
Quelle: Stockcharts
Im obigen Chart habe ich einige Markierungen für Sie eingezeichnet. Beginnen wir zunächst mit dem Preischart. Sie sehen hier auf der linken Seite zunächst die alte Unterstützung, die vom Kurs unterschritten wurde und nun als Widerstand dient (der aktuelle Kurs ist jedoch hiervon noch rund 10% entfernt).
Ein gutes Stückchen interessanter wird es aus meiner Sicht am rechten Chartrand. Wie von mir vermutet, setzt sich die vorläufige Bodenbildung bzw. Erholungsbewegung etwas fort und es hat sich kurzfristig sogar ein minimaler Aufwärtstrend etabliert (siehe Mini-Trendlinie im obigen Chart).
Für die Bullen sicherlich erfreulicherweise signalisieren nun auch die Indikatoren wieder erste Entspannung. RSI und Williams %R haben die überverkaufte Zone verlassen und sind dabei, sich ein wenig zu normalisieren. Auch der MACD zeigt ein paar leichte Erholungsansätze.
Machen wir also einen kurzen Vergleich mit dem breiten Markt und nutzen als dessen Vertreter den S&P 500 (ebenfalls auf Tagesbasis):
Quelle: Stockcharts
Wie Sie unschwer erkennen können, zeigt sich hier ein doch sehr analoges Bild zu den Befunden aus dem Russell 2000 Tageschart. Dementsprechend sind hier auch die entsprechenden Schlüsse zu ziehen.
Interessant wird es jedoch, wenn Sie einen Blick auf die Entwicklung der relativen Stärke der Nebenwerte gemessen am Gesamtmarkt (jeweils vertreten durch Russell 2000 Index und S&P 500) werfen, denn auch wenn die beiden oben genannten Indizes von der groben Richtung hier analog liefen, gibt es doch wichtige Unterschiede im Detail:
Quelle: Stockcharts
Wie Sie im obigen Chart sehen können, ist die relative Stärke der Nebenwerte seit Beginn Juli 2011 im Rücklauf gegen den Gesamtmarkt und fiel in einem Trendkanal abwärts. Zunächst sah es so aus, als gelänge der relativen Stärke wieder ein Ausbruch über die obigen Begrenzungslinie, doch dies erwies sich als Trugschluss. Stattdessen fiel die relative Stärke inzwischen sogar letztlich unter die untere Trendlinie.
Zwar sieht es aktuell so aus, als ob sich auch hier gerade der überverkaufte technische Zustand gerade abbaut, doch würde ich vorerst gerne noch als erste kleine Bestätigung sehen, dass es dem Kurs wieder geling, in den Trendkanal zurückzukehren. Vorher beobachte ich die Situation zwar, bleibe jedoch noch etwas skeptisch.
Was sagen die Marktinterna?
Sehen wir uns zur Vervollständigung doch noch die Marktinterna an und beginnen mit dem aktuellen Zustand des NYSE BP Index.
Zur Erinnerung: Der NYSE BPI wird berechnet, indem alle an der New Yorker Börse gelisteten Aktien betrachtet werden und ausgewertet wird, welche dieser Aktien sich auf einem Point & Figure Kaufsignal befinden. Diese Anzahl wird durch die Gesamtzahl der an der NYSE gelisteten Aktien dividiert. Um einen anschaulicheren Indexwert zu erhalten, multipliziert man anschließend das Ergebnis nochmals mit 100.
Wenn nun eine größere Anzahl an Aktien von einem Point & Figure Kaufsignal in ein Point & Figure Verkaufsignal wechseln, so lässt sich daraus folgern, dass in einem gewissen Umfang Kapital aus dem Markt gezogen wird.
Damit bleibt natürlich noch die Frage, ab wann ein derartiger Mittelabzug relevant ist, denn man möchte ja als Anleger sich nicht bei jedem kleineren Mittelabzug die Frage stellen, wie ernst dies nun zu nehmen ist (oder auch nicht). Historisch bewährt hat sich hier die Schwelle von 3 Boxen. Wenn also der Index über 3 Boxen fällt, findet ein Wechsel in eine O-Spalte statt.
Eine besondere Bedeutung kommt hierbei einem Wechsel in eine O-Spalte zu, wenn dieser aus einer X-Spalte von über 70 auf unter 70 erfolgt bzw. wenn der Index von oben kommend das 70er-Level unterschreitet, denn spätestens ab hier kann sich der Gesamtmarkt (gemessen an den Leitindizes) dem Abwärtssog in der Regel kaum noch entziehen.
Ist der Index hingegen hemmungslos überverkauft (einstellige Werte) oder unter dem 30er-Wert und wechselt die Säule von O nach X, ist dies ebenfalls ein sehr bullisches Zeichen, dessen Bestätigung dann erfolgt ist, wenn der Index wieder über 30 gestiegen ist.
Wie es also im Moment aus?
Quelle: Stockcharts
Wenig überraschenderweise ist der Index nach wie vor überverkauft (das dürfte sich jedoch sehr schnell ändern, je weiter die momentan noch sehr schwachbrüstige Erholung sich etabliert). Man sieht jedoch schon, dass auf diesem Level "gute Tage" an den Börsen schnell zu einem Anstieg führen können, da einfach sehr vieles an den Aktienmärkten aktuell aus technischer Sicht überverkauft ist.
Auch der VIX scheint den Bullen zumindest nun nicht mehr ganz so bedrohlich und feindselig gesonnen:
Quelle: Stockcharts
Wie Sie im obigen Chart klar erkennen können, gelang es dem VIX nicht, über sein bisheriges letztes lokales Hoch in der 48er Box aufzusteigen, womit der Index in einer festen Spanne bleibt. Darüber hinaus steht der Index sogar kurz vor der Vollendung eines Bodenbruchs, was ein sehr bärisches Zeichen wäre. Für die Bullen sieht das Bild hier also gar nicht so schlecht aus.
Ein kurzes Fazit
Die Märkte haben ihre Talfahrt vorübergehend wohl weiterhin gestoppt und eine leichte Erholungsbewegung hat eingesetzt. Diese kann, wenn sich wieder genug Vertrauen bildet, in weitere Anstiege müden. Sollte die Bewegung nicht nachhaltig sein, muss damit gerechnet werden, dass die Märkte noch ein klein wenig laufen und dann erneut abkippen werden. Dies halte ich aktuell aber für das unwahrscheinlichere der beiden Szenarien.
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