Die Märkte zum Wochenbeginn

Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien
vom


 

ich hoffe, Sie hatten ein angenehmes Wochenende.

Es gibt Marktphasen, in denen interessiert mich die technische Seite der Märkte weitaus weniger als die fundamentale. Dann gibt es aber auch wiederum Momente, in denen ich der Technik deutlich mehr Beachtung schenke als manch einer fundamentalen Kennzahl.


Wovon hängt dies ab?

Kostolany sagte einmal sinngemäß, dass die Börse und die Realwirtschaft wie ein Hund und sein Herrchen seien. Sehr oft sehen Sie an den Märkten, dass die Entwicklungen denen der realen Wirtschaft vorauseilen; manchmal hinken sie ihnen aber auch hinterher. Je extremer der Abstand zwischen den beiden ist, desto mehr "Druck" kann sich im sprichwörtlichen Kessel aufbauen, der dann entweicht, wenn sich die Börse wieder an die Realwirtschaft anpasst und die Volatilität an den Märkten hierbei steigt. Dies ist einer der Hauptgründe, warum ich nicht nur sehr stark auf die fundamentale Seite bei meinen Einschätzungen schaue, sondern auch möglichst weit die Technik im Blick habe, denn hier sieht man manch ein Warnsignal deutlich früher.

Widmen wir uns also dem Nebenwerte-Universum und dem Gesamtmarkt und sehen uns den ein oder anderen Chart hierzu an:

Quelle: Stockcharts

Sah es bis vor ein paar Tagen noch so aus, als wolle der Russel 2000 Index nach unten, scheint nun die kleine Korrektur überwunden zu sein und ein neuer Aufwärtstrend im Aufbau (siehe braune Linie im obigen Chart). Unabhängig davon hielt seit Jahresbeginn ja die ebenfalls eingezeichnete Unterstützung.

Geht man von den Indikatoren aus, so war der Index kurzfristig einfach etwas überkauft und der Rücksetzer, den wir daraufhin sahen, ist aus technischer Sicht somit durchaus gesund.

Als Unterstützung hat sich im Russell 2000 Index somit die 50-Tage-Linie hervorgetan und der Index dürfte weiter nach oben laufen. Der nächste Widerstand wäre beim alten Hoch von 860 Punkten.

Sehen wir uns zum Vergleich einmal den S&P 500 an:

Quelle: Stockcharts

Nun, dies sieht bei weitem noch nicht so überzeugend aus wie der Russell 2000. Zwar sind auch beim S&P 500 aus Sicht der Bullen gesunde Ansätze im Preischart zu erkennen, doch muss die Widerstandslinie nach oben erst noch gebrochen werden. Der Russell 2000 eilt also dem Gesamtmarkt wieder einmal voraus, was bedeutet, dass die Nebenwerte den breiten Markt outperformen und dies wiederum ist bekanntlich ein bullisches Zeichen. Doch wie stellt sich diese Outperformance im Moment dar und kann davon ausgegangen werden, dass sie anhalten wird?

 

Ein genauerer Blick auf die relative Stärke

Der folgende Chart, den Sie, wenn Sie diesen Daily schon länger lesen, sicher auch schon kennen, zeigt die relative Stärke der Nebenwerte im Vergleich zum Gesamtmarkt:

Quelle: Stockcharts

Zuletzt gelang der relativen Stärke ein schöner Ausbruch über das WIderstandslevel bei 0.63 Punkte. Anschließend erfolgte dann einer Korrektur zurück zur 50-Tage-Linie und nun setzt sich der Aufwärtstrend höchstwahrscheinlich fort, denn der exponentielle 20er-Gleitschnitt wurde bereits zurückerobert. Ich gehe daher vorerst von einer weiteren Outperformance der Nebenwerte aus, die sogar noch anziehen dürfte, wenn es auch dem S&P 500 gelingt, seine Widerstandslinie nach oben zu durchbrechen (was in meinen Augen eher eine Frage der Zeit als eine Frage des ob ist).

 

Was sagt der interne Markt?

Wie Sie wissen, ist eine Marktbewegung nur dann wirklich vollständig gesund, wenn interner und externer Markt sich nicht widersprechen.

Werfen wir also abschließend noch einen kurzen Blick auf die Marktinterna und sehen uns den NYSE BP Index an:

Quelle: Stockcharts

Zur Erinnerung: Der NYSE BPI wird berechnet, indem alle an der New Yorker Börse gelisteten Aktien betrachtet werden und ausgewertet wird, welche dieser Aktien sich auf einem Point & Figure Kaufsignal befinden. Diese Anzahl wird durch die Gesamtzahl der an der NYSE gelisteten Aktien dividiert. Um einen anschaulicheren Indexwert zu erhalten, multipliziert man anschließend das Ergebnis nochmals mit 100.

Wenn nun eine größere Anzahl an Aktien von einem Point & Figure Kaufsignal in ein Point & Figure Verkaufsignal wechseln, so lässt sich daraus folgern, dass in einem gewissen Umfang Kapital aus dem Markt gezogen wird.

Damit bleibt natürlich noch die Frage, ab wann ein derartiger Mittelabzug relevant ist, denn man möchte ja als Anleger sich nicht bei jedem kleineren Mittelabzug die Frage stellen, wie ernst dies nun zu nehmen ist (oder auch nicht). Historisch bewährt hat sich hier die Schwelle von 3 Boxen. Wenn also der Index über 3 Boxen fällt, findet ein Wechsel in eine O-Spalte statt.

Eine besondere Bedeutung kommt hierbei einem Wechsel in eine O-Spalte zu, wenn dieser aus einer X-Spalte von über 70 auf unter 70 erfolgt bzw. wenn der Index von oben kommend das 70er-Level unterschreitet, denn spätestens ab hier kann sich der Gesamtmarkt (gemessen an den Leitindizes) dem Abwärtssog in der Regel kaum noch entziehen.

Momentsan sieht die Lage jedoch auch hier gut aus, weshalb ich davon ausgehe, dass die Märkte sich weiter halten werden.

Negative Überraschungen könnten hier höchstens durch unerwartete Neuigkeiten aus dem Bereich der laufenden Unternehmensberichte in den USA auftreten. Insgesamt bleibe ich allerdings weiterhin optimistisch, dass die Rallye sich fortsetzen wird.

 

 


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