Die Märkte zum Wochenbeginn
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 19. Oktober 2009, 16:00 Uhr
ENL5462
es geht wieder einmal "lustig" daher. Diesmal zur Abwechslung nicht nur bei uns, sondern auch jenseits des Atlantiks in den USA.
Die amerikanische Personalvermittlungsstelle für Regierungspersonal in Schüsselpositionen im Finanzbereich (Goldman Sachs) schlägt wieder zu:
Als ob man nicht schon genug "ehemaliges" Personal in entscheidenden Schlüsselpositionen untergebracht hätte und man jetzt schon vielerorts gar nicht mehr erkennen kann, was eigentlich Regierung und was Wall Street ist, erfolgt nun der nächste Streich dieses grotesken Inzests. Goldman Sachs wird ab jetzt einen hohen Beamten zur Durchsetzung von Gesetzen bei der SEC (amerikanische Börsenaufsicht) stellen. Sie lesen richtig. Offiziell ist die SEC an Adam Storch, seines Zeichens leitender Goldman-Angestellter, herangetreten.
Die Position, die Storch einnehmen soll, wurde sogar neu für ihn geschaffen und existierte bisher noch nicht. Dies sei Teil einer Umstrukturierung bei der SEC, damit man zukünftig die ganz ganz bösen Betrüger wie Bernard Madoff effektiver entdecken und überführen könne.
Wer allerdings die Hintergrundgeschichte zum Madoff-Fall kennt, der weiß, dass es durchaus mehr als genug Warnungen gab (schon vor vielen Jahren), die seitens unabhängiger Experten ausgesprochen und dargelegt wurden. Hierbei wurde sogar direkt auf bestimmte Punkte verwiesen, doch bei der SEC sah man lieber weg. Es war also weniger ein Funktionalitätsproblem der Behörde, sondern man hatte viel mehr wohl einfach keine Lust, in gewissen Kreisen zu ermitteln.
Und dieses "Problem" soll nun ein Goldman Sachs Banker, der übrigens gerade einmal zarte 29 Jährchen alt ist, natürlich schwungvoll und selbstverständlich völlig frei von weiteren Interessen "beheben". Die besten Grotesken (siehe auch fragwürdige "Proleten-Impfung" vs. "Eliten-Impfung" bei der Schweinegrippe in der BRD) schreibt wohl immernoch das Leben.
Aber damit nicht genug. Die Finanzfreundlichkeit der US-Politik geht noch viel weiter. Aber, der Reihe nach...
Erinnern Sie sich noch, wie von der Obama-Regierung vollmundig die Schaffung eine Behörde zum Schutz der Konsumenten vor diversen Finanzprodukten angekündigt wurde, welche ein großes Bankenspektrum überwachen sollte? Gar ein "Kernstück der amerikanischen Finanzreform" unter Obama solle diese wunderbare Behörde sein, wie man in den Medien lesen konnte. Klingt das nicht nach einem guten Wurf?
Nun, hier schienen blöderweise ein paar edle Spender diverser Wahlkämpfe etwas dagegen gehabt zu haben und es wurden schnell ein paar nette Änderungen vorgenommen, die komplette 98% (!) aller amerikanischen Banken von der Aufsicht durch diese Behörde freistellen! Wenn das nicht effektive Überwachung und Konsumentenschutz ist, was dann? Aber was will man als einfacher und armer Politiker nur tun, wenn der tatsächliche Chef aus der Finanzbranche, welcher einen sponsort, verärgert anruft und Anweisungen gibt bzw. ein Machwort spricht? Bloß nicht die eigene Pension auf Steuerzahlerkosten oder das eigene Amt gefährden.
Kein Wunder, dass der Hass auf verschiedene Politiker in zahlreichen Bevölkerungsgruppen in den USA langsam aber beständig ansteigt und man oftmals in zahlreichen Kommentaren statt von Barack Obama von "Barack O'Banka" bzw. anderen, nicht zitierfähigen Abwandlungen des Namens liest...
Beste Grüße
Alexander Hahn
Wer nicht fähig ist, selber eine Meinung zu bilden und eine Entscheidung zu treffen, darf nicht zur Börse.
André Kostolany (1906-1999)
nachdem die Marktbetrachtung letzte Woche eher kurz ausfiel, werde ich heute wieder einen ausführlicheren Blick auf die Märkte werfen. Ich beginne, wie jeden Montag, mit der Analyse der üblichen Marktinterna:
Der NYSE BPI befindet sich in der "Stockcharts-Version" noch immer in einer O-Spalte. Bei anderen Chartanbietern notiert der Index noch immer „in X". Daher will ich die O-Spalte hier aktuell nicht überwerten, zumal der Nasdaq BPI ebenfalls in einer X-Spalte notiert.
Abb.: Aktueller P&F Chart des NYSE BP Index
Abb.: Aktueller P&F Chart des Nasdaq BP Index
Der externe Markt, heute repräsentiert durch den NYSE Index, konnte seine Minikorrektur beenden und hat letzte Woche sogar ein neues Jahreshoch erreicht. Doch so richtig überzeugen konnte dieser Ausbruch nach oben nicht. Sehr schwache Umsätze, bärische Divergenzen im MACD und ein RSI-Wert von 70 mahnen m.E. zur Vorsicht.
Eine weitere Divergenz ergibt sich, wenn wir den Chart des NYSE-Index mit dem NYSE BPI vergleichen:
Abb.: Aktueller Daily-Chart des NYSE Index
Abb.: Aktueller Linien-Chart des NYSE BP Index
Zweimal bildete der NYSE-Index ein neues Hoch aus, welches durch den internen Markt (NYSE BP Index) jeweils bestätigt wurde (im Chart grün als „1" und „2" gekennzeichnet). Der Ausbruch von letzter Woche wurde bisher nicht bestätigt. Was bedeutet das konkret?
(Fortsetzung im nächsten Artikel unten)
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