Die Märkte zum Wochenbeginn
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 14. September 2009, 16:00 Uhr
ENL5462
die meiste Berichterstattung in den Medien über die aktuelle Marktlage ist nach wie vor positiv. Doch sollte Sie dies keinesfalls dazu verleiten, sich zu sehr in Sicherheit zu wähnen. Auch wenn wir bisher in wichtigen Indikatoren wie dem NYSE BPI noch keinen Ausbruch sehen können, bleibt die Marktlage klar und deutlich überkauft.
Ähnlich scheinen dies übrigens auch die Insider zu sehen. Das Verhältnis aus Insiderverkäufen vs. Insiderkäufen lag im August im Monatsschnitt bei ca. 31 und in der letzten Woche des Augusts sogar bei stolzen 61,8!
In anderen Worten: 6.8 Milliarden US-$ Aktienverkäufen standen im August nur 218 Millionen US-$ an Aktienkäufen der Insider gegenüber.
Grund zur Panik gibt es natürlich keinen, aber eine gewisse Vorsicht schadet angesichts der überkauften Lage an den Märkten sicher nicht.
Bevor ich aber zur heutigen Marktanalyse komme, habe ich noch ein paar wirklich interessante Informationen zum Thema Goldpreisdrückung für Sie.
Wenn Sie Investoren Wissen schon etwas länger lesen, dürften Sie meine zahlreichen Verweise auf das sog. "Gold Anti Trust Action Committee" (kurz: GATA), eine bekannte amerikanische "non-profit"-Organisation, die sich u.a. für deutlich erhöhte Transparenz auf den Edelmetallmärkten und gegen die Preismanipulationen durch (vor allem westliche) Zentralbanken einsetzt, kennen. Auch habe ich Ihnen bereits mitgeteilt, dass es leider immernoch - trotz der Vielzahl an deutlichen Indizien und offiziellen Quellen - genug offensichtlich realitätsresistente Kommentatoren und "Experten" gibt, die das Thema "Manipulation der Edelmetallpreise" mangels eigenen Wissens als "Verschwörungstheorie" abstempeln. Einen weiteren Hinweis, dass es sich hier um weit mehr als eine "Verschwörungstheorie" (welch ein dümmlich überstrapaziertes Unwort...) handelt, lieferte kürzlich Rob Kirby, ein Berater GATAs, als er in einem Interview (ab 6:40) klar und deutlich darauf hinwies, dass die chinesische Regierung sich bereits seit 2008 mit GATA zum Thema "amerikanische Finanzmarktmanipulationen" berät und bereits mehrere Konferenzen mit GATA führte!
In anderen Worten: Gehen wir davon aus, dass Kirby hier die Wahrheit sagt (eine Lüge erscheint mir hier motivlos und daher sehr unwahrscheinlich), dann haben wir die folgende Situation: Die Chinesen durchschauen das Manipulationsspiel der Edelmetallpreise und begreifen, dass der Preis künstlich niedriggehalten und somit durch die entsprechenden westlichen Zentralbanken subventioniert wird. Gleichzeitig wissen die Chinesen, dass sie langsam aber sicher ihre eigenen Reserven umschichten müssen. Würden Sie es schnell tun, wäre der eigene Schaden zu groß, da es einen Crash gäbe. Um aber nicht Opfer der Preisdrückung zu werden, werden Edelmetallkäufe nur bei Preisrückgängen gemacht (siehe o.g. Interview-Link). Dieser Prozess läuft langsam, aber stetig ab (siehe hierzu z.B. auch die kürzlich veröffentlichte Aufforderung an die eigenen Bürger, Edelmetalle zu kaufen...).
Als Konsequenz würde dies bedeuten, dass im Edelmetallbereich hauptsächlich zwei sehr starke Kräfte gegeneinander kämpfen, nämlich der "Peking-Put" gegen das westliche Drücker-Kartell. Es dürfte daher sehr spannend sein zu sehen, ob es gelingt, die $1,000 Marke weiterhin zu halten. Langfristig tippe ich darauf, dass das Drücker-Kartell unterliegen wird. Aber dies kann noch etwas dauern.
Das mag vielleicht für manch einen von Ihnen sehr konspirativ klingen, aber sehen Sie sich um: Ich habe Ihnen in meinen Artikeln bisher immer alle entsprechenden Quellen genannt. Sie können sich das heutige Video ansehen, sich auf der GATA-Homepage umsehen (dort gibt es zahlreiche weitere Verweise) oder nutzen Sie die Suchmaschine Ihrer Wahl. Die Indizien und Informationen sind frei zugänglich und ich spinne mir diese Dinge sicherlich nicht einfach zurecht.
Wie immer werde ich Sie auch hier weiterhin auf dem Laufenden halten. Unabhängig davon bleibe ich auch weiterhin dabei: Physische und "greifbare" Edelmetalle gehören m.E. als Basisabsicherung in jedes Vermögenskonzept. Die Symptome mögen sich durch entsprechende Behandlung (massive Geldausgebe-Orgien der Staaten) etwas gebessert haben, doch der Virus ist bei weitem nicht besiegt...
Alexander Hahn
Ich bedanke mich für die Zusendung des folgenden Zitats:
Toleranz ist gut. Aber nicht gegenüber Intoleranten.
Wilhelm Busch (1832-1908)
Marktanalyse / Ein Blick auf den EUR/USD-Kurs
Liebe Leser,
eine recht ruhige Handelswoche liegt hinter uns. Die Aktienmärkte konnten die entstandenen Verluste von vorletzer Woche wieder weitgehend gutmachen und stiegen sogar über die alten Hochs hinaus.
Viel Bewegung gibt es an der Edelmetallfront und vor allem bei den Währungen. Deshalb werde ich meine heutige Analyse auf das Währungspaar EUR/USD, sowie auf den US-Dollar-Index ausrichten.
Doch zuvor betrachten wir, wie gewohnt, den NYSE BPI, den Volatilitätsindex VIX und heute auch einmal einen Chart des „wichtigsten" externen Index der Welt, dem S&P 500.
Der interne Markt, dargestellt durch den NYSE BPI, zeigt bisher kein Anzeichen von Schwäche. Mit 80 Punkten, d.h. 80% aller Aktien der an der NYSE gelisteten Aktien stehen aus P&F Sicht auf einem Kaufsignal, hat der Index den höchsten Stand seit 2003 erreicht. Dies zeigt uns wieder einmal wie extrem die Aktienmärkte zur Zeit überkauft sind:
Abb.: Aktueller P&F Chart des NYSE BPI
Der VIX setzte letzte Woche seinen Abwärtstrend weiter fort und bildete ein neues Verkaufssignal. Die bärische Widerstandslinie konnte somit erneut nicht überwunden werden.
Abb.: Aktueller P&F Chart des VIX
Der S&P 500 zeigt im Tageschart eine klassische bärische Divergenz. Während der Index kurzweilig eines neues Jahreshoch erklomm (und damit seit Mitte August zwei höhere Tops und zwei höhere Tiefs ausbildete), fiel der MACD in diesem Zeitraum und bestätigte damit keineswegs diesen Anstieg. Dies sollte als ein Warnzeichen interpretiert werden - nicht mehr und nicht weniger.
Abb.: Tageschart des S&P 500 vom Freitag
Auch der RSI hat sich wieder in Richtung 70 hochgearbeitet. Somit ist der Index deutlich überkauft. Der RSI hat aber noch etwas Platz nach oben bis die „Rote Zone" von 70 erreicht wird.
Bitte beachten Sie, dass der Index am Freitag letzte Woche ein Doji ausbildete. Dies bedeutet, dass der Eröffnungs- und der Schlusskurs auf nahezu dem gleichen Niveau liegen. Interpretieren lässt sich diese Formation als eine Art „Unentschlossenheit des Marktes". Weder die Käufer noch die Verkäufer konnten sich durchsetzen. Oftmals zeigen Dojis eine kurzfristige Trendwende im gehandelten Wert an (hier ist allerdings stets die Bestätigung abzuwarten; ein Doji ist nicht automatisch eine Trendumkehr-Formation). Im Chart habe ich für Sie vergangene Dojis, welche in den letzten Monaten immer kurz vor Trendwechseln auftraten, rot und grün markiert.. Ob es in den nächsten Tagen und Wochen genauso kommt? Wir werden sehen...
Zusammenfassung:
Die US-Märkte befinden sich auf stark überkauften Niveau und es gibt die ersten Warnzeichen für eine nachlassende Dynamik dieser Haussebewegung. Aktienpositionen sollte mit einem Stop-Loss (besser: Trailing-Stop) unbedingt abgesichert und neue Long-Positionen nur nach einem Rücksetzer eingegangen werden. Sobald der NYSE BPI in eine O-Spalte dreht und der VIX gleichzeitig seine bärische Trendlinie verletzt, wird es für die Bullen sehr gefährlich. Doch noch ist es nicht so weit. Gönnen wir ihnen daher ihren Spaß - sie haben 2008 genug gelitten.
Sonderanalyse: Der Euro-Dollar Wechselkurs
Nachdem ich Ihnen letzte Woche meine technische Einschätzung zur weiteren Goldpreisentwicklung gab, lohnt es sich, an dieser Stelle auch einen Blick auf den Euro-Dollar-Wechselkurs zu werfen.
Warum macht es Sinn, die Entwicklungen dieses Wechselkurspaares intensiv zu verfolgen? Unter anderem, weil Rohstoffe wie Gold, Silber oder auch Öl in der Greenback-Währung gehandelt werden. Gleichzeitig weiß ich aus zahlreichen Ihrer Zuschriften, dass viele von Ihnen auch mit amerikanischen Aktien und teilweise sogar mit Optionen handeln. Es ist wirklich ärgerlich, wenn Kursgewinne durch Währungsverluste aufgefressen oder dezimiert werden. So konnte beispielweise der Goldpreis (in € gerechnet) die letzten beiden Wochen kaum zulegen, während der Anstieg in US-$ knapp 8% betrug. Ob es Sinn macht, sich auf „diesem hohen Niveau" gegen eine weitere Dollarschwäche zu hedgen (=abzusichern) erfahren Sie in der folgenden Kurzanalyse.
Ein Blick auf EUR/USD
Betrachten wir den US-ETF FXE (dieser bildet das Verhältnis EUR/USD mit dem Faktor 100 nach) auf Wochenbasis. Nach dem starken Einbruch des Euros während der großen Panik im Herbst 2008 und dem erneuten Test der Tiefs im März 2009, konnte sich die europäische Währung langsam (aber stetig) immer besser gegen den US-Dollar behaupten. Letzte Woche gelang dem Euro der Ausbruch über den starken Widerstand bei $1,45 und es begann ein rascher Anstieg bis in den Bereich von $1,46. Wie Sie im Chart sehen können, befindet sich zwischen den Kursbereichen von $1,48 und $1,50 eine starke horizontaler Widerstandsmarke. Gelänge es dem Euro, diese zu überwinden, wäre der Weg in Richtung der alten Hochs ($1,60) bis zur Marke von $1,525 erst einmal frei.
Abb.: Aktueller Chart des US-Währungs-ETFs "FXE" (EUR/USD)
Der nachfolgende Point & Figure Chart lässt eine bullische Formation aus steigenden Hochs und steigenden Tiefs seit Juni 2009 erkennen. Die bullische Unterstützungslinie verläuft aktuell bei $1,36 und gibt dem jüngsten Aufwärtstrend zusätzliche Sicherheit.
Abb.: Aktueller P&F Chart des Währungs-ETFs FEX (EUR/USD)
Ein Blick auf den Saisonalchart des Euro/Dollar-Wechselkurses (Quelle: www.seasonalcharts.de) zeigt, dass der Euro in der Vergangenheit typischerweise in der Mitte des September und Anfang Dezember sehr stark gegen den US-Dollar gehandelt wurde (als Berechnungsgrundlage für die Zeit vor der Einführung des Euros im Jahr 2000, verwendet der Chart Daten des DM/USD-Wechselkurses). Somit wird der bullische Chartverlauf von der Zyklik also unterstützt.
Abb.: Saisonalchart EUR/USD
(mit freundlicher Genehmigung von seasonalcharts.com)
Quo vadis, US-Dollar?
Doch ist es nur der Euro, der sich so stark gegen den US-Dollar entwickelt? Ein Blick auf den US-Dollar Index, welcher die Entwicklung des Greenbacks gegen sechs verschiedene Währungen misst, zeigt, dass der US-Dollar auch gegenüber anderen Währungen (Yen, Franken, Pfund u.a.) schwach abschneidet.
Abb.: Aktueller P&F Chart des US-Dollar-Index
Die bärische Widerstandlinie des USD-Index konnte seit 2002 nicht mehr überwunden werden. Bis zu einem neuen Tief bei 71 Punkten ist es für den Index nicht mehr allzu weit. Sollte diese entscheide Marke brechen, kann eine regelrechte Flucht aus dem US-Dollar m.E. nicht ausgeschlossen werden - trotz vermutlich einsetzender Interventionsversuche der weltweiter Notenbanken. Gehen Sie davon, dass der Goldpreis bei diesem Szenario kräftig anziehen wird.
Hedgen Sie Ihre Dollarbestände!
Ich empfehle Ihnen, dringend und ernsthaft darüber nachzudenken, Ihre US-Dollar-Positionen (seien es jetzt Goldmünzen, Aktien oder entsprechende USD-Bargeldbestände) abzusichern. Wie lange kann sich der US-Dollar noch als Weltreservewährung halten? Wer die Nachrichtenlage der letzten Wochen aufmerksam verfolgt hat, weiß, dass die Volksrepublik China sukzessiv ihre Dollarbestände nach und nach in Realwerte wie Gold, zahlreiche andere Rohstoffe oder wichtige Unternehmen eintauscht und an Plänen für eine neue globale Reservewährung arbeitet. Wie lange es letztendlich dauern wird, bis der Dollar aufgrund einer großen Inflation, einer Währungsreform oder eines Crashs der US-Staatsanleihen seinen Wert endgültig verliert, kann natürlich niemand mit 100%iger Trefferquote vorhersagen. Aber dass dieser Zeitpunkt von Tag zu Tag mit großen Schritten immer näher rückt, lässt sich langfristig wohl kaum noch ernsthaft leugnen.
Die Börse bietet Ihnen zahlreiche „Werkzeuge", um sich vor Dollar-Währungsverlusten zu schützen. Ob Sie nun ETFs, Zertifikate, Optionsscheine, Optionen oder Futures zum Hedgen nutzen, bleibt natürlich Ihnen überlassen. Wichtig ist nur, dass Sie Ihre Dollarbestände und -positionen genau prüfen. Überlegen Sie sich: Macht es Sinn, hier Schutzmaßnahmen zu ergreifen?
In meinem zukünftigen Dienst „Point & Figure Trading Signale" werde ich selbstverständlich auch das Währungsrisiko weitestgehend absichern und sogar versuchen von den weltweiten Wechselkursschwankungen zu profitieren. Dass dies gar nicht schwierig oder kompliziert sein muss, werden Sie ab 01.10.2009 sehen!
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Start in die Börsenwoche.
Beste Grüße,
Alexander Hahn
Ideen, wie Sie die heutigen Informationen gewinnbringend für sich einsetzen könnten:
- Prüfen Sie, ob Sie physisches Gold/Silber als Absicherung kaufen möchten. Aus meiner Sicht gehört dies heutzutage anteilig in jedes Finanzkonzept als Versicherung.
- Überprüfen Sie, in wie weit Sie von einem weiteren Verfall des US-Dollars betroffen sein werden.
- Reduzieren Sie Ihr US-Dollar-Risiko (sofern nötig). Dies kann auf zahlreiche Weisen erfolgen (z.B. Hedging über Optionsscheine o.ä.)
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Juergen Kolb (15.09. 2009 02:41 Uhr):
Hallo Herr Hahn, ich bin fast seit Anfang Ihrer Briefe dabei und muss sagen, dass Sie der einzige deutsche newsletter sind, den ich taeglich lese und garantiert nicht uebersehe! Ansonsten habe ich viele US newsletter und Abos, die meiner Ansicht nach allgemein ein erheblich besseres Preis-Leistungsverhaeltnis haben. Ihre Analyse zum USD bestaetigt mich voll in meiner Ansicht, vielen Dank fuer die hervorragende technische Begruendung mitsamt allen Graphen dazu. Ich denke auch dass Gold noch weiter gen Norden gehen wird bis Ende des Jahres, aber man sollte eben wie die Chinesen die Dips kaufen. Zu Ihrem Dienst bitte ich mich auf die Liste der Teilnehmer zu setzen. Vielen Dank! Mit freundlichen Gruessen, Juergen Kolb
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