Die Märkte zum Wochenbeginn
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 10. Mai 2010, 16:00 Uhr
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Abb.: P&F-Chart des NYSE BP Index
Letzte Woche herrschte unter den Anlegern eine regelrechte Panik. Der Volatilitätsindex des S&P 500 verdoppelte sich innerhalb weniger Tage und steht vor US-Handelseröffnung bei 41 Punkten.
Abb.: P&F-Chart des Volatilitätsindex VIX
Der S&P 500 verlor auch am Freitag weiter an Boden. Man merkte förmlich, dass der Crash vom Donnerstag den Anlegern noch in den Knochen steckte.
Abb.: Tageschart des S&P 500
Wie Sie sicherlich schon den Medien entnehmen konnten, hat die Europäische Union in einem Krisengipfel am Wochenende zur verzweifelten Offensive geblasen. Mit einem 750-Milliarden schweren „Schutzschirm“ sichern die EU-Länder und der IWF die schwachen Südeuropäischen Staaten gegen den Staatsbankrott ab.
Damit tritt genau das ein, was ich Ihnen vor einigen Tagen schrieb: Die EU schafft sich ihre bürokratischen Institutionen, um jetzt auch fröhlich Geld am Fließband zu drucken. Denn auch die europäische Notenbank hat sich endgültig vom Ziel der Geldwertstabilität verabschiedet. Erstmals in der Geschichte der EZB sollen Staatsanleihen am Sekundärmarkt (Anleihen, welche bereits am Markt platziert sind) aufgekauft werden. Mit dieser „Quantitative Easing“-Politik stellt sich die EZB nun auf gleiche Höhe wie die amerikanische, britische und die japanische Notenbank. All diese Staaten schaffe Geld aus dem Nichts, um damit die unter normalen Umständen nicht zu finanzierenden Defizite der Staaten auszugleichen. Die Frage ist jetzt nur noch, in welcher Geschwindigkeit die bedruckten Toilettenpapiere gegeneinander abwerten. Ich persönlich tippe darauf, dass es den Euro und das britische Pfund als erstes „erwischen wird“, dicht gefolgt vom japanischen Druckpapier. Der US-Dollar, immerhin Weltreserverwährung und Währung des Landes, in welchem die mächtigen Ratingagenturen beheimatet sind, wird sich am längsten halten, ehe er auch von einer neuen Währung ersetzt werden wird.
Die Entwicklung der Aktienmärkte wird in erstes Linie davon abhängen, ob die großen Marktteilnehmer sich durch die Gemeinschaftsaktion von EU, IWF und EZB beeindrucken lassen. Und wenn ja, wie lange. Selbstverständlich wird kein einziges Problem durch die „Rettungsaktion“ gelöst, sondern diese werden nur weiter in die Zukunft verschoben, wie es systematisch seit und schon vor Beginn der Krise durch die Politik betrieben wird.
Im asiatischen Handel konnte der Euro ca. 1,8% gegenüber dem US-Dollar und 1% gegenüber dem Schweizer Franken zulegen. Von einer Trendwende kann man natürlich noch nicht sprechen. Hier findet lediglich ein „Short Squeeze“ statt, bei dem große Adressen ihre Euro-Shortposition eindecken um sie (eventuell) zu einem höheren Niveau wieder neu zu eröffnen.
Abb.: Stundenchart EUR/USD (freestockcharts.com)
Ich habe außerdem den Verdacht, dass es bei diesem Rettungsversuch nicht wirklich um den Euro an sich geht. Dieser befindet sich zwar im Sinkflug, jedoch ist eine abwertende Währung nicht derart gefährlich fürs System, wie es manche Medien Ihnen gerne erzählen möchten. Vielmehr rührte die Gefahr womöglich daher, dass der europäische Interbankenmarkt vergangene Woche, wie schon 2008, erhebliche Probleme hatte, wie z.B. dieser Bloomberg Artikel zeigt.
Damit stand womöglich unser gesamtes Geldsystem wieder einmal auf der Kippe und nach dem als "Griechenland-Rettung" getarnten Bankengeschenk, hätte man sofort ein neues Bankengeschenk auf den Weg bringen müssen. Ob man hier daher den Eurosinkflug lediglich als "Etikett" ausnutzte um dem Bürgern Europas Sand in die Augen zu streuen?
Es macht in den nächsten Tagen m.E. auf jeden Fall Sinn, neben dem EUR/USD und EUR/CHF-Wechselkurs auch auf die Risikoprämien (CDS) der großen europäischen Banken und der PIIGS-Staaten zu schauen. Die sprichwörtliche Kuh ist womöglich noch nicht von Eis und es könnte trotz "Schutzschirm" eine spannende Woche werden.
Abb.: Tageschart GBP/USD
Und das nicht nur für uns, sondern auch für die Briten. Nach dem Wahl-Debakel der Labour-Partei und der zunächst ungewissen Zukunft um die politische Führung des Landes kam das Pfund gegenüber dem US-Dollar sofort unter Druck und eine wichtige Unterstützungsmarke bei 1,51 wurde durchstoßen. Gut möglich, dass die „bösen Spekulanten“ dem Euro eine kleine Verschnaufpause gönnen, um sich als nächstes das cable (GBP) etwas vorzunehmen.
Beste Grüße




