Die Märkte sind Teil der Natur ...
unserem Korrespondenten Tom Dyson in London in Investors Daily
vom 26. Juli 2004 18:00 Uhr
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Wir hier beim Investor's Daily mögen es, die Märkte aus verschiedenen Blickrichtungen zu betrachten. Bill Bonner nennt sich ja manchmal einen "literarischen Ökonom". Wir glauben mehr an Worte, Ideen, Metaphern – und an das, was wir mit unseren eigenen Augen sehen –, als an die Zahlen selbst.
Deshalb ist es kein Wunder, dass Mutter Natur in diesem analytischen Prozess oft eine wichtige Rolle spielt. Egal, ob es um so einfachen Phrasen wie "die Sonne schien für die Investoren" geht, oder um Fibonacci-Zahlen zur Prognose von Aktienkursen. (Die Fibonacci-Folge ist in der Natur sehr verbreitet. Blumen und selbst der menschliche Körper ist unter Berücksichtung der Fibonacci-Folge konstruiert. Aber in der Finanzwelt helfen die Fibonacci-Berechnungen scheinbar nur mit, Geld zu verlieren.) Und der Dauer-Bär Stephen Roach hat eine Analyse mit dem Title "Der perfekte Sturm" geschrieben.
Und letzte Woche wehte zum Handelsschluss ein kalter Wind an der Wall Street. Der Dow Jones verlor rund 0,9 %, der Nasdaq-Composite sogar über 2 %.
"Mehr von diesem dummen Zinsgerede", erklärte dazu Chuck Butler, Herausgeber des "Daily Pfennig". Und weiter. "Und der Dollar wird gekauft ... was machen diese Leute eigentlich? Realisieren sie nicht, dass die höheren Zinsen in den USA nur zu einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums führen werden? Realisieren sie nicht, dass die höheren Zinsen angewendet werden, um die Inflation zu bekämpfen? Realisieren Sie nicht, dass dadurch all die US-Staatsanleihen, die die ausländischen Zentralbanken besitzen, an Wert verlieren?"
Die Natur liefert viel bessere Analogien für die Geschäftswelt, als sich viele vorstellen könnten. Wenn man hinter die blinkenden Neonticker und die Börsensäle mit Bildschirmen schaut, hinter die schönen Haarschnitte und Anzüge, dann merkt man, dass auch die Märkte – und sogar die gesamte Volkswirtschaft – Naturphänomene sind. Und deshalb gelten hier auch dieselben Gesetze, die für die Natur gelten. Die wichtige Dynamik, die beiden gemeinsam ist, ist natürlich der Zufall. Und die Art, wie der Zufall große Zahlen von unabhängig voneinander funktionierenden Variablen beeinflusst.
Von allen natürlichen Manifestationen des Zufalls haben Wellen eine besonders enge Verbindung mit den Märkten.
Es gibt Überlieferungen von Wellen, die so gewaltig waren, dass sie Supertanker und Containerschiffe versenkt haben.
Gleichzeitig haben Meeres-Wissenschaftler an ihren statistischen Modellen festgehalten, die zeigen, dass solche Wellen im Durchschnitt nur einmal alle 1000 Jahre auftreten.
Aber sie haben Unrecht gehabt. Die "European Space Agency" (ESA) hat sich dazu entschieden, ihre Satelliten einmal vage sinnvoll einzusetzen ... und sie hat 3 Wochen lang die Oberfläche der Ozeane der Welt überwacht.
Was sie herausfand, das überraschte selbst den erfahrensten Seebären. In 3 Wochen haben sie 10 verschiedene Riesenwellen – jeweils mindestens 25 Meter hoch – entdeckt.
Wolfgang Rosenthal, Wissenschaftler beim GKSS Forschungslabor im deutschen Geesthacht, meinte, dass diese Riesenwellen "in größerer Zahl als von irgendjemandem erwartet" existieren. "Der nächste Schritt ist es, zu analysieren, ob sie prognostiziert werden können."
Ich halte den Atem an, Wolfgang. Du wirst wahrscheinlich genauso viel Erfolg haben wie der durchschnittliche Analyst der Wall Street. Mein Rat: Mach Dir nicht die Mühe, das zu versuchen.
Stephen Roach verweist auf den Fehler, den dieser Forscher wahrscheinlich und die meisten Wall Street Analysten mit hoher Wahrscheinlichkeit machen: "Das Risiko ist, das wir uns auf diese Entwicklungen fokussieren, indem wir sie isolieren. Es ist allerdings das Zusammenwirken mit anderen Faktoren, das am wichtigsten ist."
Die Botschaft muss diese sein: Nehmen Sie nicht einfach blind an, dass die ruhigen Gewässer, in denen sich die USA bewegen, immer so ruhig bleiben werden. Es gibt viele Riesenwellen da draußen, viel mehr, als man bisher angenommen hat. Balancieren Sie Ihr Depot entsprechend ...