Die Macht der Teufelskreise
Martin Weiss in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 29. Dezember 2008, 07:30 Uhr
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Das Horror-Börsenjahr 2008 neigt sich dem Ende entgegen. Und viele werden froh sein, dass es endlich vorbei ist.
In den USA war es das schlechteste Jahr seit sage und schreibe 77 Jahren. Der marktbreite S&P500 brach um mehr als 40 Prozent ein.
Und die laufende Wirtschaftskrise, deren Beginn ja nunmehr offiziell zum Dezember 2007 zugegeben wird, wird dafür sorgen, dass der Horror 2009 anhalten wird.
Intakte Teufelskreise
Fakt ist nun leider mal, dass diverse Teufelskreise noch immer erst am ANFANG sind. Seien es nun fallende Immobilienpreise, welche wiederum Notverkäufe und Zwangsversteigerungen mit fallenden Preisen als Folge auslösen werden. Hier sei nur kurz daran erinnert, dass noch immer fast 20 Prozent der US-Immobilenbesitzer auf einer Hypothek sitzen, die höher als der Marktwert des Hauses ist. Es verwundert kaum, dass sogar optimistische Auguren eine Stabilisierung erst im Jahr 2010 erwarten.
Verschärfung der Krise bei Gewerbeimmobilien
Mit zunehmender Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit wird im Jahr 2009 sich auch die Problematik bei den Geschäftsimmobilien verschärfen. Die Risikoaufschläge auf Gewerbeimmobilien sind ja bereits explodiert. So wird u. a. der Einzelhandel gezwungen werden, die Ladenflächen zu verkleinern. Einhergehend mit einer drastischen Zunahme von Unternehmensinsolvenzen wird es einen scharfen Anstieg stillgelegter Lager-, Produktions- bzw. Büroflächen geben. Vor allem regionale Banken werden hier betroffen" sein (Gewerbe-Hypotheken-Volumen bei diesen bzw. kommunalen Banken ca. 2 Billionen Dollar).
Krisenschaukel
Im übrigen nährt auch in der gegenwärtigen Situation die Krise die Krise. So steigt die Arbeitslosigkeit, dies führt zu weniger Konsum, die Unternehmensgewinne und die Aktienkurse sinken. Weitere Arbeitsplätze werden abgebaut. Eine perfekte Abwärtsspirale. Hinzu kommt, dass neue Kredite und Anschlussfinanzierungen sehr zurückhaltend vergeben werden; dadurch kommt es zu Firmenpleiten, steigender Arbeitslosigkeit und noch größerer Vorsicht bei der Kreditvergabe.
Staatseingriffe zur kurzfristigen Schmerzlinderung
Natürlich werden die Verantwortlichen in Notenbank und Politik alles daran setzen, mit historisch einmaligen Eingriffen den Niedergang etwas zu verschieben bzw. zu verlangsamen. Natürlich kann die Regierung Aktien oder auch Anleihen kaufen, aber sie kann kein Vertrauen kaufen. Sie kann Geld drucken, so viel sie will. Aber sie kann keinen Wohlstand schaffen. Aber es gibt kein Gesetz, Konsumenten und Kreditgeber dazu zu bringen, gegen die eigenen Interessen zu handeln.
Und diese Hauptinteressen sind schlicht und einfach, weniger zu konsumieren, mehr zu sparen, weniger Schulden zu machen und das Risiko zu reduzieren.
Noch ist das ganze Ausmaß der zweiten Großen Depression nicht voll absehbar. Wie schlimm es wirklich werden wird, wie lang die Teufelskreise anhalten werden und welche jetzt noch gar nicht erkennbaren Probleme und Entwicklungen hinzukommen, muß Woche für Woche, Monat für Monat neu beurteilt werden. Die Lage ist sehr, sehr ernst. Gerade die massiven Staatseingriffe machen die Lage noch unübersichtlicher und verworrener.
Einzige Hoffnung bleibt, dass die gegenwärtige Depression schneller als die erste Depression vorüber sein kann. Nach wie vor gilt es, die extrem konservative und vorsichtige Strategie der Vermögensanlage beizubehalten.