Die Liquiditätsfalle
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 2. September 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
Heute wollen wir uns - wie versprochen - mit einem Phänomen beschäftigen, namens Liquiditätsfalle. Ja, ganz richtig, die Liquiditätsfalle ist bis heute ein, sagen wir mal, theoretischer Zustand, der unter Wirtschaftswissenschaftlern höchst umstritten ist. Einige sagen, so etwas wie eine Liquiditätsfalle gibt es eigentlich nicht (Meiner Meinung nach liegt das an der Interpretation der Voraussetzungen, denn - ich sage das mal so - man muss bei der Liquiditätsfalle schon davon ausgehen, dass eine Notenbank mit ihrer Zinspolitik grundsätzlich so einiges bewirken kann oder eben nicht mehr. Na ja, mag jeder für sich selbst beantworten, mir gefällt eigentlich nur ein bestimmtes Resultat, nicht aber zwangsläufig bestimmte Schlussfolgerungen.). Ökonom Paul Krugman dagegen geht so weit zu behaupten, dass im Grunde niemand die Liquiditätsfalle wirklich verstünde. (schreibt er zumindest am 14.Juli in seinem Blog bei der New York Times). Was natürlich schließlich wieder andere dazu bewegt ihrerseits zu behaupten, Krugman verstünde seinerseits die Liquiditätsfalle möglicherweise nicht vollumfänglich.
Wie dem auch sei...mir persönlich liegt nicht allzu viel daran, mich in diese Diskussion einzuklinken, dennoch sollte man sich mit so vielen Überlegungen wie möglich einmal beschäftigen, insbesondere wenn es deutliche Überschneidungen zur Realität gibt, auch wenn man nicht unbedingt jede Schlussfolgerung teilen möchte.
Keynes und die Liquiditätsfalle
Doch zum Thema...arbeiten wir uns mal von der historischen Schiene her an das Thema heran. Die Liquiditätsfalle ist eine Theorie, die man wieder einmal John Maynard Keynes zuschreibt. (Sie erinnern sich, ich hatte schon sehr oft über Keynes geschrieben...). Wie mittlerweile so viele theoretische Kostrukte in der modernen Ökonomie oder wenn sie als Begründung für Handlungen in der Praxis heran gezogen werden sollen. Lustiger Weise hatte sich Keynes mit der Liquiditätsfalle nur ganz am Rande ein wenig beschäftigt (während er sich mit der Liquiditätspräferenz auseinander setzte) und das Wort Liquiditätsfalle im Übrigen nicht einmal erwähnt. Erinnert ein bisschen an das Dogma vom deficit spending, welches man auch immer Keynes in die Schuhe schiebt, obgleich der Mann das deficit spending in seinem Hauptwerk nur am Rande man erwähnt hat und in einem späteren Werk sogar davor warnt, den Krieg auf Schulden zu finanzieren. Na ja, wie dem auch sei...lassen wir angeblichen Erfinder an dieser Stelle selbst zu wort kommen: (Ich zitiere aus Keynes' Hauptwerk General Theory)
Der für mich prägnanteste Satz ist dieser:"...sogar eine starke Vergrößerung der Geldmenge nur eine vergleichsweise geringe Auswirkung auf den Zinssatz hat.."
Spricht für sich selbst, oder?!
Die Begründung liefert er auch gleich nach:
"Weil eine große Ausweitung der Geldmenge eine dermaßen hohe Unsicherheit zur Folge haben kann, dass die Liquiditätspräferenz, die aus dem Motiv der Sicherheit resultiert, verstärkt wird. Während gleichzeitig die Meinung über den Verlauf der Zinssätze so einhellig ist, dass es zu einer Massenflucht in die Geldhortung kommt."
Alles klar?! Es geht also um eine Situation, in der auch eine Erhöhung des Geldangebots keine Auswirkung mehr (in dem Fall keine senkende Wirkung) auf den Zinssatz hat. Stattdessen kommt es zu einer "Massenflucht in die (Bar-)Geldhortung".
Dies ist so sozusagen mal ganz grob umrissen der Grundsatz des klassischen Konzepts. Wie die Keynesianer das dann weiter auslegen und begründen, wollen wir uns nächste Woche ansehen und ebenso, wieso das Konzept so eigentlich nur für die alten Zeiten gilt, warum aber auch neuere Beispiele für ein modernes Liquiditätsfallen-Konzept Bestand haben und mit welcher Aussage, aber nicht unbedingt mit jeder Schlussfolgerung, man sich - meiner Meinung nach - unbedingt anfreunden kann.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Heinz Cramer (03.09. 2010 10:59 Uhr):
Interessanter Beitrag. Leider Thema verfehlt. Ist dieser Beitrag evtl. versehentlich in den Rohstoff-Daily gelangt ?
Antworten - Kommentar von Stefan Wehmeier (15.09. 2010 12:14 Uhr):
Liquiditätsfallen gibt es schon seit dem "Auszug der Israeliten aus Ägypten", der Weiterentwicklung der menschlichen Kultur von der zentralistischen Planwirtschaft ohne liquides Geld (Ursozialismus bzw. Staatskapitalismus) zur freien Marktwirtschaft (Paradies) mit Geldkreislauf (Baum des Lebens). Weil aber das Wissen noch nicht zur Verfügung stand, wie das aus der Geldbenutzung entstandene Negativprinzip des Privatkapitalismus (Erbsünde) zu beseitigen ist, musste die "Mutter aller Zivilisationsprobleme" durch eine gezielte Programmierung des kollektiv Unbewussten aus dem Bewusstsein des arbeitenden Volkes ausgeblendet werden, damit das, was wir heute "moderne Zivilisation" nennen, überhaupt entstehen konnte. Das - und nichts anderes - war (und ist noch) der eigentliche Zweck der Religion, die vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode (Cargo-Kult um die originale Heilige Schrift) mutierte. Damit sind wir heute an genau dem Punkt angekommen, den die israelitische Priesterschaft, die das Verständnis für die Basis allen menschlichen Zusammenlebens (Makroökonomie) und für die elementarste zwischenmenschliche Beziehung (Geld) aus dem Bewusstsein der halbwegs zivilisierten Menschheit ausblendeten, schon vor 2600 Jahren vorhergesehen hatte:
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