Die letzten Riten – Vorzeichen für das, was kommt
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 30. August 2007 12:00 Uhr
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Es ist offensichtlich, der Sommer hat es so gut wie hinter sich. Die Zeichen dafür sind überall zu sehen. Die Rasenflächen in der Nachbarschaft weisen die sand- und khakifarbene Flecken von ausgedörrten Pflanzen und Vegetation, der übel mitgespielt wurde, auf.
Die Tomatenpflanzen sind struppig und gelb. Der Pool hat nicht mehr die gleiche Anziehungskraft auf die (mittlerweile wasserdurchtränkten) Kinder aus der Nachbarschaft, wie noch vor fünf oder sechs Wochen. In der Innenstadt von Baltimore verweisen auch immer wiederkehrende Aktivitäten auf das Ende der Sommerferien. Die Straßenmeisterei ist unterwegs und repariert Schlaglöcher an allen Straßenkreuzungen – in der Absicht, die Zahl der Hindernisse zu erhöhen, durch die der Verkehr während der Hauptverkehrszeiten muss, wenn in der nächsten Woche der Schulverkehr wieder auf dem Asphalt unterwegs ist.
Die dramatischste Demonstration der saisonalen Veränderungen, erschien jedoch am Freitagvormittag bei uns im Flur, als ich meinen elfjährigen mittleren Sohn mit seinen gewaltigen schwarzen Skateboardschuhen und einer Flasche Febreeze erwischte. „Iiih“, sagt er, „sie riechen.“
Ich stimmte zu, und war erleichtert, dass ich mir keine Sorgen mehr um den Aufenthaltsort unserer ältesten Katze machen musste.
Gesalbt mit dem erfrischenden Duft von Orangenblüten und Weichspüler, wurden die riesigen Schuhe in Richtung der Orientierungsveranstaltungen an seiner neuen Schule in Bewegung gesetzt.
Wenn Sie seit einigen Jahrzehnten in der gleichen Gegend, dann sind die Orientierungsveranstaltungen der Schulen wie eine wirkliche Version der Fernsehsendung: This is Your Life. Bekannte Gesichter überall, die vorsichtig in die eigene Richtung blicken. Man weiß genau, was sie denken, denn man selbst versucht auch gerade verzweifelt herauszufinden, wohin man das Gesicht stecken soll. War es der Schwimmunterricht? Die Grundschule? Eine von hunderten Sportmannschaften? Und wenn ja, mit welchem der Geschwister hatte eines der eigenen Kinder zu tun? Und es geht auch nicht, ohne dass einem auffällt, wie die Zeit vergeht.
Der Professor mittleren Alters und seine junge blonde Frau mit ihren beiden kleinen Jungs sehen heute so aus wie Opa, der von seiner Tochter mittleren Alters zu einem Spaziergang mitgenommen wird, zusammen mit den Enkelkindern. Eine einstige Kollegin, die man in den eigenen Zwanzigern kennenlernte, hat sich auf unerklärliche Weise in ihre eigene Mutter verwandelt. Um einen herum, zeigen die Frisuren der Frauen – hervorgehoben durch die glatzköpfigen Flecken der anderen Männer – die Modehighlights der vergangenen dreißig Jahre… zwischen den mittlerweile grauen und ungekämmten Hippie-Mähnen, bis hin zu den dichten Locken der frühen „Mall Rats“ der Neunziger, hin zu den geschlechtsneutralen Kurzhaarschnitten „reifer“ Frauen, die endgültig die Eitelkeit zu Gunsten der Bequemlichkeit aufgegeben haben. Während die Stunden in den Hörsälen und Klassenzimmern vorbeifliegen, blicken die berufstätigen Eltern auf ihre Uhren und Handys, Großeltern schlurfen vorbei, still die Generationenpflichten erfüllend und übereifrige „Ich arbeite im Haus“-Mütter, verzehren sich aufgrund des Gedankens, dass ihre freiwilligen Tätigkeiten in der Middle School ihnen nicht länger die Möglichkeit geben, über jeden Schritt ihrer Kinder zu wachen, so wie es in der Elementary School noch möglich war. Als ich meine Tochter ansah, die ein Buch mit Gary Larson Cartoons las, während ihr Bruder ein Dutzend Stühle in Dutzenden Klassenräumen probesaß, fiel mir auf, dass ich in drei Jahren schon wieder hier sein würde… mit einigen jungen alleswissenden Vätern in der hintersten Reihe, die sich fragen, wie der altersschwache Amberger wohl die vergangenen drei Jahre zugebracht hat.