Die Lage am US-Hypothekenmarkt
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 07. Juli 2003 18:00 Uhr
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Eine Schlagzeile bei Bloomberg News teilte mit: "Die US-Aktien sind gefallen, weil die Arbeitsmarktdaten Sorgen wegen der wirtschaftlichen Entwicklung aufkommen lassen." Aber kurioserweise hat eine Bloomberg-Schlagzeile den Rückgang der Kurse am US-Anleihenmarkt so erklärt: "Die US-Anleihenkurse fallen, nachdem eine Umfrage gezeigt hat, dass sich die US-Dienstleistungswirtschaft im Juni verbessert hat."
Mit anderen Worten: Die Aktienkurse sind gefallen, weil sich die Wirtschaftslage schwächer als erwartet gezeigt hat, und die Anleihenkurse sind gefallen, weil sich die Wirtschaft stärker als erwartet gezeigt hat. Deshalb hat der Amerikanische Unabhängigkeitstag (der letzten Freitag, 4. Juli stattfand) dieses Jahr sowohl den Aktienmarkt als auch den Anleihenmarkt "unabhängig" von den zugrunde liegenden wirtschaftlichen Realitäten gefunden.
Der Aktienmarkt hat den Amerikanischen Unabhängigkeitstag bereits Monate vorher gefeiert – die Kurse sind nach oben geschossen, vollkommen unabhängig vom schwachen wirtschaftlichen Umfeld. Der Dow Jones hat fast so schnell Punkte gewonnen – wie die Wirtschaft Arbeitsplätze abgebaut hat.
Letzte Woche gab es neue, schockierende Zahlen zum US-Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote ist von 6,1 % im Mai auf 6,4 % im Juni gestiegen – das ist der höchste Wert seit mehr als 9 Jahren. Auch die Zahl der wöchentlichen Erstanträge für Arbeitslosenhilfe ist gestiegen – um 21.000 auf heftige 430.000. Im produzierenden Gewerbe wurden letzten Monat 56.000 Jobs abgebaut, das ist der 35. Rückgang in Folge. Seit Juli 2000 ist die Zahl der Beschäftigten im produzierenden Sektor um 2,6 Millionen auf 14,7 Millionen zurückgegangen.
Aber die schlechten Arbeitsmarktdaten reichten nicht aus, um weitere Kursgewinne am Aktienmarkt zu verhindern. Letzte Woche ist der S&P 500 Index per saldo um 1 % gestiegen (damit waren 5 der letzten 6 Wochen Gewinnwochen), der Nasdaq-Composite um 2,4 % (der größte Zuwachs seit 5 Wochen). Die Kurse der US-Staatsanleihen hingegen sind die dritte Woche in Folge gefallen, das ist der längste Kursrückgang seit November. Die Rendite der 10jährigen Anleihen ist auf 3,65 % gestiegen. Plötzlich steigen die Zinssätze fast so stark, wie sie im Mai gefallen waren. Am 16. Juni stand die Rendite der 10jährigen Anleihen noch bei 3,07 %. Hm ... riecht der Anleihenmarkt etwas ... vielleicht eine Inflation?
Was passiert, wenn die Zinssätze weiter steigen? Wer wird darunter besonders leiden? Werden die mit Hypotheken überlasteten amerikanischen Konsumenten zusammenbrechen, wenn sie für ihre Schulden höhere Zinsen zahlen müssen? Ich persönlich habe gestern die Finanzierung meines Hauses geregelt (ich habe den Zinssatz von 5,75 % auf 15 Jahre festgeschrieben). Während ich die Unterlagen unterschrieb, begann ich mit den anwesenden Bankern eine Diskussion über den heißgelaufenen amerikanischen Hypothekenmarkt.
"Also was für Trends sehen Sie?" fragte ich diese Banker. "Gibt es bei Ihnen Hypotheken ohne Tilgung oder jede Menge Erhöhungen bereits bestehender Hypotheken oder sonstige Hypotheken-Kuriositäten?" Die Antwort: "Ich sehe derzeit jede Menge Leute, die bestehende Hypotheken erhöhen, besonders Leute, die weniger als 100.000 Dollar pro Jahr verdienen ... von diesen Leuten nutzt fast jeder die frischen Mittel, um Kreditkartenschulden zurückzahlen zu können. Keiner steckt das Geld in sein Haus. Ich hatte ein Ehepaar, die zusammen 80.000 Dollar im Jahr verdienten und Kreditkartenschulden von 40.000 Dollar hatten. Also haben sie ihre Hypothek erhöht, nur um die Kreditkartenschulden bezahlen zu können."
"Wow!" antwortete ich und heuchelte Überraschung über die komplett unüberraschenden Verschuldungstendenzen der amerikanischen Verbraucher.
"Oh ja", so der Banker weiter, "die meisten Leute nehmen auch nur Hypotheken, bei denen die Zinssätze für maximal 5 Jahre festgeschrieben sind. Das ist auch der Grund, warum diese Leute großen Ärger haben werden, wenn die Zinsen steigen."
Dann schaltete sich ein anderer Banker ein, einer, der hauptsächlich die besser verdienende Kundschaft bedient. "Meine Kunden sind das genaue Gegenteil. Sie erhöhen ihre Hypotheken nicht, und sie schreiben die niedrigen Zinssätze für 30 Jahre fest."
Hmmm ... vielleicht ist das ein Grund, warum die Leute mit viel Geld immer noch Geld zum Ausgeben haben.
Basierend auf dieser kleinen, unrepräsentativen Umfrage werden die Leute, die sich steigende Zinssätze am wenigsten leisten können, am meisten unter steigenden Zinssätzen leiden. Das klingt nicht nach einer guten Situation ... nicht für den Immobilienmarkt, nicht für die US-Hypothekenbanken wie Freddie Mac und nicht für die US-Wirtschaft.