Die Kunst der Risikoumverteilung
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 18. Januar 2008 07:30 Uhr
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Endlich ist sie da, die Schlagzeile, auf die ich gewartet habe.
“Die Amerikaner fahren die Ausgaben stark zurück”, schreibt die New York Times.
Die Nachricht ist noch nicht offiziell. Vielleicht legt die New York Times damit sogar einen Frühstart hin. Aber die Beweislast, die von einer Reihe von Ladenketten, Kreditkartenunternehmen und aus Untersuchungen zum Vertrauen der Verbraucher stammt, weist insgesamt in die gleiche Richtung… nach unten.
„In jeder Schicht der amerikanischen Gesellschaft“, schreibt die New York Times, „von der Arbeiterklasse bis hin zu den Reichen, geben die Leute weniger Geld aus.“
Der Monat Dezember war für die Einzelhändler ein “Blutbad”, fährt die Zeitung fort, denn die Verbraucher machen sich wegen der drohenden Rezession Sorgen. Sie haben Angst, das Portemonnaie zu öffnen, denn sie befürchten, dass die wenigen Dollar, die ihnen noch bleiben, nur schwer zu ersetzen sind.
Bislang zeigen Berichte, dass sich die Erträge noch halten, aber die Stellen gehen verloren. Sogar an der Wall Street – oder vielleicht auch insbesondere an der Wall Street – liegen die Tage in denen Arbeitsplätze noch leicht zu bekommen und das Geld noch locker war, hinter uns. Citigroup sagt beispielsweise, dass man sich von 24.000 Angestellten in diesem Jahr trennen will… als Versuch, sich von den Verlusten (Abschreibungen) im Wert von ungefähr 24 Milliarden Dollar zu erholen.
Natürlich schien mir der Rückgang der Verbraucherausgaben unvermeidlich. Als die Hauspreise ihren Gipfel hinter sich gelassen hatten, fragte ich mich, wie lange die Verbraucher auch weiterhin würden Geld ausgeben können, das sie nicht hatten. Insbesondere für Produkte, die sie nicht brauchen. Die Antwort lautet: Länger als ich dachte. Doch jetzt scheint das unvermeidliche zu passieren: Die New York Times sagt es. Und wenn der Rückgang andauert – und auch das scheint unvermeidlich – dann wird die Folge ein Konjunkturrückgang sein.
Wie schlimm? Wie lange? Diejenigen, die die Antworten auf diese Fragen kennen, schreiben keine Finanzkommentare. Ich bezweifle, dass sie atmen.
Was ich heute weiß, ist genau das, was ich immer schon gewusst habe. Am Ende einer Kreditexpansion – und insbesondere einer Expansion, die so übertrieben ist wie die, die wir gerade durchlebt haben – gibt es höllisch viel zu zahlen. Die Leute zahlen dem Teufel nicht gerne ihre Schulden zurück. Vielmehr versuchen sie, sich zu ducken und Haken zu schlagen… oder sie reichen die Kosten an einen anderen weiter.
Die Zentralbanker und die Politiker, die in den vergangenen vier Jahrzehnten gewissenhaft gearbeitet haben, haben es nicht wirklich geschafft, Herr über den Geschäftszyklus zu werden… und es ist ihnen auch nicht gelungen, den Topf mit Gold zu finden, von dem es heißt, er befände sich am Ende des Regenbogens.
Stattdessen ist es ihnen gelungen, die Kunst, Risiken unter das Volk zu bringen, zu verfeinern.
Das heißt, sie haben immer neue und sozialverträgliche Möglichkeiten gefunden, denjenigen die Verluste abzunehmen, die sie verdient haben, und sie an die Allgemeinheit weiterzureichen. Man kennt den Prozess im Allgemeinen unter dem Namen „Inflation.“
Das ist ein Wort, mit dem man beschreibt, wie die Verbraucherpreise nach oben getrieben werden, ohne dass die Verbraucher verstehen, warum. Die Lebenshaltungskosten der Verbraucher steigen… doch die Spekulanten, die Schuldner, die Investoren und die verschuldeten Hausbesitzer sind in der Lage, ihre Schulden abzumildern. Eine Zeitlang wirken die Verantwortlichen wie Zauberer. Die Politiker werden wiedergewählt. Die Zentralbanker werden gelobt, weil sie dazu beitragen, dass die Wirtschaft weiter wächst.
Heute haben wir aktivistische Zentralbanken und Regierungen in Amerika und England. (Die Zentralbank in Europa ist sich immer noch nicht sicher, sie wird sich entschließen, wenn Spanien und Irland anfangen zu jammern – so meine Prognose).
Sie sind bereit, alles zu tun, was notwendig ist, um einen Konjunkturrückgang zu verhindern. In Amerika senken sie die Zinssätze und spritzen Liquidität ins System. In Großbritannien sind sie sogar bereit, eine große Bank zu verstaatlichen. Das Konzept dahinter ist allerorten das gleiche – die Verluste zu verschleiern, indem man sie in die Öffentlichkeit trägt.
“Inflation ist unmoralisch”, sagte der Kongressabgeordnete Ron Paul, als ich mich vor einigen Monaten mit ihm zusammengesetzt habe.
“Sie ist unmoralisch in dem Sinne, dass sie stiehlt, sie stiehlt Wert. Wenn man die Geldmenge verdoppelt und die Preise um das doppelte steigen, dann ist das eine versteckte, unsichtbare Steuer. Aber die wahre Unmoral ist hier, dass einige Leute höhere Preise zahlen als andere.
Wenn man zur Mittelschicht gehört oder ganz besonders zur unteren Mitte der Einkommensskala, dann ist es möglich, dass man es mit Preisen zu tun hat, die im Jahr um 15% steigen…
Arbeitet man aber an der Wall Street, dann hat man es mit fremdfinanzierten Übernahmen zu tun und verdient Milliarden von Dollar und man muss sich auch keine Sorgen machen, wegen der steigenden Lebenshaltungskosten.“
„Das ist meiner Ansicht nach eine unmoralische Handlung, die von der Verfassung verboten wird und die Folge davon ist fast immer tragisch.“
Ron Paul wurde für den Dokumentarfilm I.O.U.S.A. interviewt, der, nach fast zwei Jahren Arbeit, nun endlich verwirklicht wird. Wie manche der geschätzten Leser vielleicht wissen, wird dieser Film auf dem Sundance Film Festival am kommenden Samstag seine Premiere feiern.