Die Kritik wird lauter
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily
vom 30. Januar 2012, 17:00 Uhr
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kaum liegt das Wochenende mit dem prestigeträchtigen Weltwirtschaftsforum in Davos hinter uns, lauert mit dem heutigen EU-Gipfel auch schon das nächste Großereignis. Obwohl wieder einmal Griechenland und die Rettung des Euro nicht offiziell auf der Tagesordnung stehen, wird es vor allem darum gehen. Ebenfalls natürlich um die potentielle Stärkung des zukünftigen Rettungsschirmes, wegen der sich Kanzlerin Merkel und IWF-Chefin Lagarde einen medialen Schlagabtausch lieferten.
Persönlich kann ich der Argumentation der Kanzlerin und ihres Finanzministers Schäuble gut folgen, dass es den Reformen einiger Länder nicht gerade förderlich ist, wenn monatlich und auf jedem der gefühlt zahllosen EU-Gipfel die Mittel für Rettungsmaßnahmen erhöht werden.
Viel schwerer verdaulich sind da schon die Vorschläge, das griechische Parlament um seine vornehmste Aufgabe zu beschneiden, nämlich die Haushaltskontrolle. Aber wer weiß, vielleicht dürfen die nationalen Geberländer wie Bayern und Baden Württemberg schon bald einen Kontrolleur nach Bremen, Düsseldorf oder Berlin entsenden?
Kritik am Davoser Weltwirtschaftsforum nimmt zu
Bestimmt ist es nicht verwunderlich, wenn In Zeiten von zunehmenden sozialen Protesten wie der Occupy"-Bewegung auch das Weltwirtwirtschaftsforum in die Kritik gerät. Jedenfalls wird das Klima und der Umgangston zwischen der öffentlichen Meinung und den Lautsprechern der Finanzmärkte immer differenzierter. Die wahrscheinlich profundeste und originellste Kritik stammt wohl von dem renommierten schweizer Soziologen Professor Jean Ziegler. Der bezeichnete das Treffen als Lobbyisten-Forum, bei dem es nicht um Dialoge, sondern um Machtbeziehungen gehe. Vielmehr sei Davos zu einer korrektiven Psychotherapie" für die Mächtigen verkommen, denen es aktuell nicht mehr gut gehe. Etwas konkreter wird der streitbare Professor mit seinem Vorwurf, dass in Davos jährlich Ziele aufgestellt werden, auf die man dann später nicht mehr eingehen würde. Als Beispiel nennt er die Nahrungsmittelspekulation, deren Kontrolle eines der Ziele des Jahres 2011 gewesen sei, und die er für einen wichtigen Grund für den Hunger nennt.
Auch meiner Meinung nach ist in diesem mir ebenfalls wichtigem Bereich nichts geschehen. Ganz im Gegenteil wächst die Spekulation mit Nahrungsmitteln und die Anzahl der diesbezüglichen Derivate und Zertifikate schwillt weiter an.