Die Kristallkugel
Christopher Corbett in Traders Daily
vom 15. Januar 2007 12:00 Uhr
ENL5454
Es wäre nicht wirklich ein neues Jahr, wenn es nicht all die Vorhersagen und Prognosen gäbe. Und wer wäre noch erstaunlicher unter den Sehern und Schamanen als Pat Robertson, der persönliche Freund des Allmächtigen.
Ich war froh, als ich ganz zu Beginn des Jahres in der Zeitung las, dass der religiöse Rundfunksprecher von Virginia Beach sagte, er habe wieder mit Gott gesprochen. Und Gott hat ihm gesagt, dass Terroranschläge auf die USA Ende 2007 zu einem „Massensterben“ führen würden. Der gerissene alte Pat ließ sich nicht darauf festnageln, welche Art von Donnergrollen uns erwartet, aber er schwankte, ob es sich um einen nuklearen Angriff handeln könne. Robertsons Visionen wurden über seine Nachrichten und Talksendung The 700 Club beim Christian Broadcasting Network an die Öffentlichkeit gebracht.
Laut einer Geschichte, die ich in der Zeitung las, erhält dieser Nostradamus der Caravansiedlung seine Informationen direkt vom Allmächtigen, wenn er sich zum Gebet zurückzieht. Gott übt sich bei Pat nicht in Zurückhaltung. Ganz und gar nicht. Pat sagt, Gott habe ihm erzählt, dass die großen Städte und womöglich Millionen von Menschen von den Angriffen betroffen wären, die sich irgendwann nach September ereignen würden. Ich vermute das heißt, dass man nach dem Labor Day besser in der Nähe des eigenen Hauses bleibt.
Als ich noch ein junger Mann war, da warteten die Leute auf die Vorhersagen von Jeane Dixon in deren Nachrichtenkolumne. Aber sie befasste sich überwiegend mit Hollywood. Soweit ich mich erinnere arbeitete sie allein, ohne göttliche Hilfe. Sie hätte eher vorhergesehen, dass Elizabeth Taylor sich würde scheiden lassen, was nie eine sehr riskante Vorhersage war. Oder dass Frank Sinatra in einem Nachtclub einen Fotografen verdreschen würde. Um solche Dinge vorherzusehen, braucht man keinen göttlichen Beistand.
Madam Dixon leistete ihre beste Arbeit über die Seiten des National Enquirer, soweit ich mich erinnere. Ihr kommt Ehre zu, weil sie vorhersah, dass Präsident Kennedy im Amt sterben würde und weil sie Jahre ehe es soweit war vorhersagte, dass Ronald Reagan Präsident werden würde. Aber sie hat auch eine ganze Menge Zeug vorhergesagt, dass sich nie ereignete – z.B. den Dritten Weltkrieg.
Ich dachte an Schwester Dixon, als ich in dieser Woche über Bruder Robertsons Tête-à-tête mit dem Herren nachsann, weil in diesen Monat der 10. Jahrestag ihres Todes fällt. Man kann wirklich nicht sagen, dass irgendwer ihren Platz Mitten im amerikanischen Leben eingenommen hätte.
Ich denke Robertsons Glaubwürdigkeit (Gott braucht keine Glaubwürdigkeit) würde in mancher Weise unterstützt, wenn er ein bisschen mehr die Themen der Populärkultur für die ungewaschenen Massen abdecken würde. Dieser heilige Herr ist mittlerweile, laut einem veröffentlichten Bericht – Milliardär, es gibt also keine Frage, dass er sein Ding ganz gut drauf hat. Aber Pat taugt nicht für das ‚People’ Magazin. Das sind für Gott vielleicht kleine Themen, aber für das normale Volk... der neugierige Geist will so etwas schließlich gerne erfahren. Bedenkt man sein enges Verhältnis zum Allmächtigen, dann müsste Robertson dem Herrngott doch nur sagen, er soll einige von den Prophezeiungen a la Jeane Dixon in die Mischung einwerfen. „Vizepräsident Dick Cheney wird versehentlich einen 78-jährigen Mann erschießen, weil er ihn für eine Wachtel hält.“
Können wir nicht auch Informationen darüber kriegen, wer den Super Bowl gewinnt? Die World Series? Den Oscar? Die großen Pferderennen? All das, was einem helfen könnte einige wenige Wetten zu gewinnen? („Und der Herr sprach, ‚Ich schätze die Colts nach zwei Touchdowns’“) So was in der Art. Grobe, apokalyptische Wettervorhersagen sind in Ordnung, (wenn man auf grobe, apokalyptische Wettervorhersagen steht), aber ich brauche etwas, was ein bisschen greifbarer ist. Nachrichten, mit denen man wirklich etwas anfangen kann.
Vergangenes Jahr legte Robertson nahe, dass Gott den damaligen israelischen Premierminister Ariel Sharon mit einem Schlaganfall gestraft habe, weil er israelisch kontrolliertes Gebiet an die Palästinenser abgetreten hat. Die Associated Press schreibt, Bush habe im Januar 2004 vorhergesagt, dass Bush die Wiederwahl leicht gewinnen würde. Robertson teilte AP mit, dass er davon ausginge, dass er mit seinen Vorhersagen immer relativ gut läge. „Manchmal liege ich daneben“, sagte er.
Normalerweise macht Robertson seine Wettervorhersagen über den himmlischen Thron. Er mag Zeug von der Art „das Ende ist nah“. Im Mai sagte Robertson, Gott habe ihm gesagt, dass im Jahr 2006 Stürme und Tsunamis auf die amerikanische Küste treffen würden. Und auch wenn die USA nicht von einem Tsunami getroffen wurden, sagte Robertson, dass die heftigen Regenfälle und die Überflutungen in Neuengland einer Erfüllung der Vorhersagen gleichkämen. Klar.
Ich bin verwirrt. Warum sollte Gott sich nicht bei allem ganz sicher sein? Ich kann verstehen, wenn die „geschulten Meteorologen“ in ihren lauten Sportmänteln und ihren billigen Haarteilen bei meinem lokalen Fernsehsender schon mal falsch liegen. Das ist normalerweise so. Aber hier geht es um göttliche Wettervorhersagen, Herrgott noch mal (das sollte kein Wortspiel werden). Das ist doch mehr wert als der Nationale Wetterdienst und sollte zu 100% zutreffen.
Wenn Robertsons Visionen zum Untergang unzureichend sind, dann schlage ich vor, Sie halten sich einfach an diesen anderen großen Fluss des Unsinns, das Internet. Eine gelegentliche Untersuchung wird ergeben, dass wirklich außerordentliche Ereignisse bevorstehen oder passieren könnten oder vielleicht nächstes Jahr passieren. Es gibt eine gewaltige Anzahl an Websites, die wilde Behauptungen aller Art aufstellen. Kometen werden auf die Erde treffen, eine neue Eiszeit droht, neue Welten werden aus dem Meer auftauchen. Mel Gibson wird versehentlich Michael Richards erschießen, weil er ihn für eine Wachtel hält. Es wird ein interessantes Jahr werden.