Die Kosten des Kriegs und der Goldpreis
John Myers in Investors Daily zum Thema Goldpreisentwicklung
vom 23. Dezember 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Wie teuer wäre ein Irak-Krieg? Ich frage keine bestimmte Person. Niemand weiß das schließlich, aber es gibt Grund zu der Annahme, dass die Kosten deutlich höher sein werden, als die Politiker uns glauben machenwollen.
Zwei unterschiedliche Berichte des US-Kongresses schätzen die Kosten für einen kurzen und erfolgreichen Krieg auf rund 50 Milliarden Dollar ein – verglichen mit rund 80 Milliarden Dollar (in heutigen Dollar gemessen) des Golfkriegs 1991. Aber laut William Nordhaus, Volkswirt an der Yale University, sind diese Kosten wahrscheinlich zu niedrig gegriffen. Warum? Eine Möglichkeit ist, dass die Kosten untertrieben werden, um leichter einen politischen Konsens zu ermöglichen. "Es ist viel einfacher, höhere Kosten anzukündigen, wenn die Truppen schon im Feld stehen und die Kugeln fliegen", so seine Bemerkung. Ein längerer Krieg, der Häuserkämpfe in den irakischen Städten beinhalten würde und die Weigerung der Nachbarstaaten, US-Truppen in ihren Ländern zuzulassen, könnte die Kosten laut Nordhaus auf 140 Milliarden Dollar steigen lassen. Keins von beiden Szenarien berücksichtigt übrigens die Kosten der Besetzung, der Friedenssicherung und so weiter, und beide gehen davon aus, dass keine Massenvernichtungswaffen genutzt werden und dass es keine terroristischen Angriffe geben wird. Auch makroökonomische Effekte wie ein steigender Ölpreis werden ausgeklammert. Ein Land in Stücke zu bomben ist nicht annähernd so teuer, wie es danach wieder zusammenzuflicken. Die Budgetabteilung des US-Kongresses schätzt die jährlichen Kosten für "Besatzungstruppen" auf 17 bis 45 Milliarden Dollar pro Jahr. Alleine dieser Kostenblock könnte sich in der nächsten Dekade deshalb für die USA fast auf 500 Milliarden Dollar belaufen. Hinzu kommt die notwendige Wiederaufbauhilfe, die mit weiteren 25 bis 100 Milliarden Dollar zu Buche schlägt. Zweifellos werden die USA den Löwenanteil dieser Kosten zu tragen haben. Zwar liegt die irakische Ölproduktion bei 3 Millionen Barrel pro Tag – damit lassen sich bei derzeitigen Preisen rund 25 Milliarden Dollar im Jahr erlösen, aber Nordhaus betont, dass dieses Geld für andere Zwecke benötigt wird. Er nennt die Notwendigkeit für Importe von Gütern des täglichen Bedarfs, und die Kosten für die Bedienung der Auslandsschulden.
Eine Studie von George L. Perry von der Brookings Institution befasst sich mit den Auswirkungen eines Irak-Krieges auf den Ölmarkt. Diese Studie schildert die möglichen schlechten Szenarien, darunter auch das "worst-case"-Szenario. Zum Beispiel könnte der Irak seine eigenen Ölquellen zerstören, oder es könnte zu einem Opec-Boykott gegen die USA kommen. Ich bezweifle, dass die pessimistischsten Szenarien wahr werden. Wenn sie es allerdings würden, dann prognostiziert Perry, dass die USA ihre strategischen Ölreserven anzapfen würden, was in den ersten Jahren danach zu einem Ölpreisanstieg auf 32 bis 75 Dollar pro Barrel führen würde (in den folgenden Jahren würde es dann wieder zu einem graduellen Rückgang kommen). Ein "glücklicher" Ausgang für die Ölmärkte wäre ein schneller Sieg der USA, Stabilität in der Region und eine Erhöhung des irakischen Ölangebots um1 Million Barrel pro Tag, für die 5 Jahre nach dem Krieg. Aber selbst dann würden die Ölpreise laut dem Modell von Nordhaus in der nächsten Dekade nicht fallen, sondern stabil bleiben bis leicht steigen.
Das ist wirklich eine ernüchternde Analyse. Aber ich glaube, dass selbst die Analyse von Nordhaus die langfristigen Folgekosten eines Krieges (und besonders eines "Präventivkrieges") unterschätzt – selbst wenn er die langfristigen Besetzungskosten berücksichtigt hat. In den USA wird wieder die Rolle des "Weltpolizisten" betont. Das führt zu mehr Bürokratie in den USA – zum Beispiel durch das neugeschaffene "Department of Homeland Security", das angeblich Budget-neutral sein soll. Meine These lautet: Jede Menge neuer Verwaltungsausgaben verleiten die Regierung zu einer beliebten "Zahlungs"-Methode – Inflation. Wobei wir beim Thema Gold wären.
Bis Anfang des Monats hätte man sich fragen können: Hat Gold nicht mehr die Funktion eines "sicheren Hafens" in schlechten Zeiten? John Hathaway, Manager des Tocqueville Goldfonds, räumt ein, dass der "schlimmste Bärenmarkt seit 25 Jahren und Bilanzskandale und geopolitische Risiken nur einen moderaten Anstieg beim Goldpreis verursacht haben." Aber, so Hathaway weiter, "diese Skepsis bestärkt uns nur in unserer Erwartung, dass wir noch signifikant höhere Goldpreise sehen werden."
Inflation ist immer noch ein größeres Problem als Deflation. Nobelpreisträger Milton Friedman sieht das etwas anders. Er meint, dass "eine Kur gegen Deflation sehr einfach ist. Man muss einfach nur Geld drucken." Die Rede von Ben Bernanke hat gezeigt, dass er und Milton Friedman übereinstimmen. Bernanke meinte: "In einem Papiergeld-System kann eine Regierung bzw. Zentralbank immer höhere Ausgaben und damit positive Inflation generieren." Oder, um mit Stephen Cecchetti, Professor in Ohio und ehemaliger Mitarbeiter bei der Fed, zu sprechen: "Ignorieren Sie das Geheule über eine amerikanische Deflation."
Ken Rogoff vom IWF sagt, dass der Yen deutlich abwerten sollte, als Ergebnis einer aggressiven Politik des leichten Geldes der Bank of Japan. Dann würde es notwendig sein, die internationale Geldpolitik abzustimmen. Mit anderen Worten: Lasst uns zusammen Inflation schaffen! Hurra! Beim Dollar/Yen-Wechselkurs spiegelt sich das nicht wieder, aber gegenüber anderen Währungen – dem Euro, dem britischen Pfund – hat auch der Yen schon begonnen, an Boden zu verlieren.
In einer Inflation fährt man mit Gold richtig, weil das Papiergeld seinen Wert verliert. Bis Anfang des Monats pendelte der Goldpreis zwar seit Wochen nur um die Marke von 320 Dollar, aber der Aufwärtstrend war noch sehr gesund. Eine Umfrage unter den Herausgebern von Börsenbriefen zeigt, dass diese den Goldmarkt zunehmend interessiert beobachten. Es wird nach Alternativen für den Dollar gesucht, und Gold scheint diese Alternative zu sein. Bill Bonner sieht dies schon lange so: "Ich bezahle in Frankreich mit dem Euro, mit dem Yen in Tokio und mit dem Schweizer Franken bei Ausflügen an den Genfer See. Aber zur Wertaufbewahrung nutze ich keine von diesen Währungen. Meiner Meinung nach sollte man seine Dollar mit Gold absichern – bzw. mit Aktien von Unternehmen, die Goldreserven besitzen und Gold produzieren." "Ich glaube, dass sich Gold und Goldminenaktien in der Anfangsphase eines Bullenmarktes befinden", so Richard Russell auf einer Investmentkonferenz in New Orleans letzten November. Und weiter: "Ich empfehle meinen Kunden, Gold und Goldminenaktien zu akkumulieren. Nutzen Sie die derzeitige offensichtliche Goldmanipulation, um Gold auf einem verdammt niedrigen Niveau zu kaufen."
"Bei den Edelmetallen kann sich noch ein richtiger Bullenmarkt entwickeln", fügte der Analyst Greg Weldon hinzu. Er ist gegenüber anderen Edelmetallen wie Platin zwar vorsichtig gestimmt, nicht jedoch gegenüber Gold und Silber. Diese werden seiner Ansicht nach davon profitieren, wenn der Dollar wieder schwächer notiert, "in einer generellen, breitgefassten Abwertung des Papiergelds relativ zu Gold und Silber."
Weldon räumt ein, dass "die Zentralbanken in Europa und vielleicht auch in Südamerika ... Netto-Verkäufer von Gold bleiben werden. Aber sie werden nicht mehr so leicht dazu bereit sein, ihre Goldbestände zu verleihen, wie in der Vergangenheit."
"Eine Investment-Allokation hin zu Gold und Goldminenaktien macht nur dann Sinn, wenn man nicht an eine sofortige Rückkehr der Investment-Welt der 1990er glaubt", so John Hathaway. Dies impliziert natürlich, dass er nicht davon ausgeht, dass wir diese Boomjahre am Aktienmarkt so schnell wiedersehen werden.