Die Konjunkturdaten von gestern: Heiß erwartet, kalt registriert
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 29. August 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Ja, da zeigt sich, dass besondere Ereignisse sogar imstande sind, mit Spannung erwartete Konjunkturdaten langweilig erscheinen zu lassen. Für die Börsen zählte mehr die Herabstufung einiger Großbanken wegen nun gestiegener Risiken (Sie erinnern sich, vor zwei Wochen haben andere Banken ihre Genossen erst noch heraufgestuft) denn die gestrigen, eigentlich sonst wichtigen Daten:
Ifo-Konjunkturklimaindex leichter, aber besser als vermutet
Im Vorfeld ging man davon aus, dass die jüngsten Probleme an den Kapitalmärkten auch am deutschen ifo-Index nicht spurlos vorüber gehen würden. Das traf auch so ein, aber die Scharte war weniger tief als befürchtet.
Der Gesamtwert für August lag mit 105,8 zwar niedriger als der Vormonat (106,4), aber leicht über der Prognose, die bei 105,4 gelegen hatte. Die Unterkomponenten:
Aktuelle Lage 111,5 (Prognose 110,7, Vormonat 111,3), Zukunftserwartung 100,4 (Prognose 100,3, Vormonat 101,8).
Aber: Trotz alledem war dies ein 10 Monats-Tief und der dritte Rücksetzer in Folge. Gemeinhin steht die Regel, dass drei aufeinander folgende Rückgänge einen nennenswerten Rückgang in der Konjunktur nach sich ziehen. Wie immer fanden sich sofort genug Analysten die erklärten, dass diesmal aber alles ganz anders sei ... ha! Wir werden es ja sehen.
Der ifo-Index ist in sofern wichtig, als hier die Unternehmen selbst befragt werden, die Einschätzungen also direkt von der Quelle kommen, während der in der Regel eine Woche vorher veröffentlichte ZEW-Index (der auch nach unten wies) das Ergebnis von Umfragen unter Finanzanalysten ist, die, so sagt man, auch gerne mal daneben liegen.
US-Verbrauchervertrauen für August ohne Überraschungen
Wie ich ja gestern anführte, ist der Aktienmarkt eine wichtige Größe für die Daten zum US-Verbrauchervertrauen. Es war also klar, dass der August-Wert die jüngsten Probleme reflektieren und somit fallen würde.
Doch mit 105,0 lag der Wert wenigstens leicht über der Prognose von 104,0 – 104,5. Der Vormonatswert wurde etwas von 112,4 auf 111,9 nach unten korrigiert. Aber dieses leichte Überbieten der Prognosen war zu gering, um wirklich etwas an den Aktien- und Anleihemärkten zu bewegen – und so konzentrierte man sich lieber dort darauf, genauso auf die Herabstufung einiger Bankaktien zu reagieren wie man vor zwei Wochen auf die Heraufstufung reagierte: folgsam.
Fed-Minutes von den Ereignissen überholt
Es ist schon beeindruckend, wie schnell manche Akteure an den Börsen lesen können. Da kamen um Schlag 20 Uhr unserer Zeit sieben eng bedruckte Seiten Protokoll der letzten Notenbanksitzung auf den Tisch ... und um 20 Uhr und zwei Sekunden ging das Gedaddel bei den Futures schon los. Respekt. Ich habe für die Lektüre deutlich länger gebraucht. Das ist eines von vielen Indizien dafür, was die meisten Kursbewegungen intraday momentan bei auf einmal sehr geringen Umsätzen wert sind ... nämlich nichts.
Nun war es durchaus so, dass der Inhalt dieses Protokolls normalerweise für Bewegung an den Börsen hätte sorgen können. Aber da wenige Tage später die Statements zur Diskontsatzsenkung einen neueren Kenntnisstand wiedergaben, gab es diesmal auch keinen Grund, jedes Komma zweimal umzudrehen.
Es fanden sich die zu erwartenden Formulierungen mit Blick auf die Kapitalmarktturbulenzen und die Aussage, dass ggf. Maßnahmen ergriffen werden müssten, um die Risiken auf die Wirtschaft zu mindern. Nun, die hatten wir dann ja auch gesehen. Erfreut wurde zur Kenntnis genommen, dass offenbar unter den Ratsmitgliedern in dieser Hinsicht Einigkeit herrschte ... was aber den Börsen nichts half ... die aktuellen Charts hatten Sie ja im obersten Abschnitt gesehen.