Die klassische Ökonomie
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 21. Juli 2010, 20:00 Uhr
ENL5454
Heute wollen wir mit unserer Wirtschaftstheorien-Reihe weiter verfahren...allerdings nicht ganz so, wie ursprünglich geplant.
Denn ursprünglich hatte ich vorgehabt, heute mit der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik und dem Monetarismus weiter zu machen, insbesondere mit den Umsetzungen dieser Politik, nachdem die Stagflation der nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik der Keynesianer erst einmal den Garaus gemacht hatte.
Doch natürlich geht die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik nicht auf Friedman zurück, sondern auf das neoklassische Denken. Die Neoklassik umschreibt im Grunde eine Familie an Wirtschaftstheorien, von denen wir eine, die Österreichische Schule, oder besser gesagt deren Vertreter bereits kennen gelernt haben. Tatsächlich gehören Menger und Böhm-Bawerk zu den bedeutenden Vertretern der Neoklassik. Gerade Mengers Grenznutzentheorie, die allerdings ebenfalls fast zeitgleich von anderen, wie dem französischen (schweizerischen - "Lausanner Schule") Ökonomen Léon Walras und dem englischen Ökonomen William Stanley Jevons (Cambridger Schule) entwickelt wurde, ist meiner Meinung nach entscheidend für die Entstehung der Neoklassik. Warum? Weil diese Theorie schließlich die klassischen Theorien ablöst.
Wenn wir uns nun also wirklich etwas näher mit der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik befassen wollen, dann müssen wir wohl auch noch einmal einen etwas ausgedehnteren Ausflug zu den Neoklassikern unternehmen. Ein Ausflug, der über die Österreicher hinausgeht! Dies habe ich für morgen aufgehoben.
Heute soll es dafür noch einmal einen Blick ganz weit zurück in die Vergangenheit geben. Denn, so meine Überlegung, wenn wir nun im Grunde also den Großteil der wichtigsten Wirtschaftstheorien aufrollen, dann sollten wir auf keinen Fall vergessen auch noch einen Blick auf die großen Klassiker zu werfen. Ich spreche hier sozusagen von den Begründern der Ökonomie als solche, zumindest im Sinne einer Wissenschaft, beginnend mit Adam Smith. Ich spreche von der klassischen Ökonomie, die Physiokratie und Merkantilisumus ablöste (Hauptwerk "Wohlstand der Nationen", Adam Smith, 1776) und selbst erst 1870 von der Neoklassik abgelöst wurde.
Außerdem muss ich zugeben, dass ich durchaus ein Faible für die Klassiker habe. Denn, abgesehen davon, dass nur weniges spannender ist, als ein Blick in die Vergangenheit, halte ich persönlich die klassischen Werke für äußerst lesenswert an einem ruhigen Sommerabend auf der Terrasse oder alternativ einem ebenso ruhigen Winterabend vor dem Kamin.
Ich hoffe Sie empfinden ähnlich, denn jetzt geht's los...
Produktionskostentheorie nach Adam Smith
Beginnen möchte ich mit der Produktionskostentheorie.
Vertreter dieser Theorie sind die klassischen Ökonomen wie Adam Smith (1723-1790), David Ricardo (1772-1823) und Karl Marx (1818- 1883).
Alle drei sind in diesem Zusammenhang Vertreter der Arbeitswertlehre.
Die Arbeitswertlehre besagt im Grunde nichts anderes, als dass der Wert eines Gutes durch die Produktionskosten im Sinne des dafür notwendigen Arbeitsaufwandes bestimmt wird.
Ich möchte auf diese Theorie nur kurz und in Anlehnung an Smith eingehen, da sowohl Ricardo als auch Marx sich in diesem Zusammenhang auch auf den bzw. die Vorgänger berufen.
Smith schreibt:
Der wirkliche oder reale Preis aller Dinge, also das, was sie einem Menschen, der sie haben möchte, in Wahrheit kosten, sind die Anstrengung und Mühe, die er zu ihrem Erwerb aufwenden muss. Was Dinge wirklich für jemanden wert sind, der sie erworben hat und der über sie verfügen oder sie gegen etwas anderes tauschen möchte, sind die Anstrengung und Mühe, die er sich damit ersparen und die er anderen aufbürden kann. Was jemand gegen Geld kauft oder gegen andere Güter eintauscht, erwirbt er mit ebensoviel Arbeit wie etwas, zu dem er durch eigene Mühe gelangt. In der Tat ersparen uns dieses Geld und diese Güter eine solche Anstrengung. Beide enthalten den Wert einer bestimmten Menge Arbeit, die wir gegen etwas tauschen, von dem wir annehmen, es enthalte zu dieser Zeit dem Wert nach die gleiche Arbeitsmenge. Arbeit war der erste Preis oder ursprünglich das Kaufgeld, womit alles andere bezahlt wurde.
(aus Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen, V. Kapitel Der Real- und Normalpreis der Güter oder ihr Arbeits- und ihr Geldwert)
Inflation nach Adam Smith:
Smith schreibt in seinem Werk "Der Wohlstand der Nationen", dass die Entdeckung der ergiebigen Minen in Südamerika im 17. Jahrhundert zu einem Preisverfall bei Gold und Silber in Europa um etwa zwei Drittel des früheren Wertes geführt habe.
Smith führt dies allerdings nicht explizit auf das steigende Angebot oder die Ausweitung der Geldmenge (also die Ausweitung der Gold- und Silbermenge) zurück, sondern vielmehr auf den Rückgang der Arbeitszeit, der notwendig war um eine entsprechende Menge Gold oder Silber abzubauen.
Smith sieht also im besten Falle - ich interpretiere es einmal verkürzt auf diese Weise - eine Inflationierung der Arbeit: "Da es nun weniger Arbeit als bislang kostete, die Metalle von den Gruben auf den Markt zu bringen, konnte man dort mit ihnen weniger Arbeit kaufen oder über sie verfügen." (Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen, V. Kapitel)
Doch Smith erkennt auch bereits die Möglichkeit der Inflationierung durch die Wertminderung der als Tauschmittel nutzbaren Münzen:
...Weiterhin ist dieser Verlust noch größer, wenn darüber hinaus der Metallgehalt der Münzen von gleichem Nennwert, zusammen mit dem Wert des Silbers, abnimmt. In Schottland, wo der Nennwert der Münzen wesentlich stärkeren Änderungen unterworfen war als jemals in England, und in Frankreich, wo er noch mehr geschwankt hat als in Schottland, sind solch alte Renten, ursprünglich von beträchtlichem Wert, auf diese Art beinahe wertlos geworden."
(Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen, V. Kapitel)
Fazit
Die Erhöhung der Geldmenge (explizit damals Erhöhung der Edelmetallmenge) ist also nur ein Symptom und nicht Auslöser der Wertminderung des Geldes (explizit der Gold- oder Silbermünze). Auslöser ist dagegen die Erhöhung der Arbeitsproduktivität bei der Gewinnung der Edelmetalle.
Doch lassen wir an dieser Stelle Smith einmal Smith sein - der in vorindustrieller Zeit deutlich durch eine Agrarwirtschaft geprägt, somit auch realen Gütern wie Getreide ein stabileres Wertmaß zuweist: "Säkular betrachtet ist Getreide ein besseres Maß als Silber, da man von Jahrhundert zu Jahrhundert mit gleichen Mengen Getreide eher die gleiche Menge Arbeit kaufen kann als mit gleicher Menge Silber." - und wenden uns im zweiten Teil dem Wirtschaftstheoretiker Marx zu, der in Zeiten der Industrialisierung ebenfalls Thesen aufstellt, die wir auch heute noch kennen sollten.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Erhard Langegger (22.07. 2010 07:20 Uhr):
Sehr geehrte Frau Miriam Kraus ! Was ist eigentlich mit dem Gold los? Sie sind doch eine Anhängerin von Gold. Sehr lange schon vermisse ich Ihre Komentare dazu. Mit freundlichen Grüßen Erhard Langegger aus Österreich
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