Die Japan AG
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 19. Januar 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Wie bereits oben angekündigt, jetzt mehr zum Thema Japan. Mehr grundsätzliche Überlegungen, die notwendig sind, wenn Sie den Hintergrund der Investmentstory "Japan" wirklich verstehen wollen.
Die Japaner denken anders, so wird gesagt. Die "trockene" Logik, die im Westen zur kritischen Analyse führt, soll in Japan "feucht" sein – was zu größerem sozialen Zusammenhalt führt. Und der persönlichen Sinn für richtig und falsch, Schuld und Scham, der durch die jüdisch-christlichen Religionen des Westens ermuntert wird, hat in Japan eine komplett andere Ausdrucksform. Die Leute dort schämen sich, wenn sie die Gruppe im Stich lassen, oder wenn sie ihre Verantwortung gegenüber der Gruppe nicht wahrnehmen können. Aber wenn die Gruppe vom rechten Weg abkommt, dann tut das auch das Individuum.
Das japanische wirtschaftliche Verhalten der 1990er schien Japan von dem der USA sehr unterschiedlich aussehen lassen. Während die US-Wirtschaft boomte, waren die japanischen Geschäftsstraßen so ruhig wie eine tote Batterie. Während die USA ein furchterregendes Leistungsbilanzdefizit hatten, das größte, das jemals gemessen wurde, hatten die Japaner einen hartnäckigen Überschuss von beeindruckender Größe, was ihre Leistungsbilanz anging. Dieser Überschuss entsprach fast 10 % des japanischen BIP. Während aber sonst alles für Amerika gut zu laufen schien, schien für Japan alles schlecht zu gehen.
Im Jahr 2001 war der japanische Markt schon mehr als ein Jahrzehnt niedergeschlagen gewesen, mit zurückgehendem, schwachen, und oft negativem Wirtschaftswachstum. Der ehemalige US-Finanzminister O'Neill war von der japanischen Notlage so bewegt, dass er an das Thema Japan eher aus humanitärer Sicht als aus der Sicht eines Zentralbankers heranging: Die Frage, sagte er, sei, "wie wir dem japanischen Volk helfen können, einen höheren Lebensstandard zu erreichen?" Das Problem mist solchen großzügigen Stimmungen war, dass sie die Realität der Situation ignorierten. "Japan ist der größte Netto-Gläubiger der Welt", so der Chefvolkswirt von Mitsubishi Research in der International Herald Tribune, "und ist deshalb das reichste Land der Welt".
Wie konnte das sein? Wie konnten die Leute ein gesamtes Jahrzehnt unter Stagnation leiden, während der Aktienmarkt 65 % seines Wertes verlor, und dennoch an der Spitze stehen? Wie war das möglich? Mehr dazu demnächst im Investor's Daily!