Die Interessen Chinas bei den Olympischen Spielen in Beijing
Jochen Steffens in Investors Daily zum Thema Global Anlegen
vom 18. März 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Die Hexen sind so zahm wie selten. Nichts, keine großen Bewegungen, keine 100-Punkte-Abstürze. Der Dax steht offensichtlich da, wo er stehen soll. Für mich sind die Verfallstage eher immer ziemlich nervig, denn ich muss sämtliche Future-Charts, die Stunden-, Tick- und Tageschart, auf den neuen Kontrakt einstellen. Das dann direkt vier Mal, für den Dax, den Euro Stoxx, den Nasdaq und den S&P.
Der März-Dax-Future-Kontrakt, der gerade abgelaufen ist, steht am Ende seiner Laufzeit sehr nah am Dax-Kurs. Während der neue Juni-Kontrakt zurzeit um ca. 20 Punkte höher notiert als der Dax. Diese verliert er bis zum Verfallstag stetig, bis auch er wieder nahe am Dax notiert.
Das wäre ja alles kein Problem, wenn man nicht alle charttechnischen Analysen auf die neuen Charts übertragen muss. Zwar kann ich bei meinem Programm alle Linien stehen lassen und nur den neuen Kontrakt einfließen lassen, nur stimmen diese Linien dann natürlich nicht mehr. Da der neue Kontrakt, wie gesagt, um 20 Punkte höher notiert als der alte. Viel Arbeit für das Wochenende.
Aber ich weiß, darüber mosere ich jedes Mal.
Thyssen Krupp leidet unter Stahlpreisen
Allerdings ist auch sonst heute wenig los. Thyssen Krupp moniert, dass die Preise für das Eisenerz dramatisch steigen, das wirkt sich auf die Gewinnmargen aus, da die Firma diese Preissteigerung nicht eins zu eins umsetzten kann. Thyssen Krupp befindet sich noch in Verhandlungen, weil es Preiserhöhungen der Produzenten nicht akzeptieren will.
Hintergrund ist die riesige Nachfrage nach Stahl aus China. Bis zu den Olympischen Spielen 2008 in Bejing wird die Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen eher noch zunehmen. Allein schon, weil die Bautätigkeit im Vorfeld dieser Spiele dramatisch zunehmen wird. Ein großer Teil der Infrastruktur muss um- und ausgebaut werden. Aber auch Hotels, Stadien, Wohnbereiche werden aus dem Boden gestampft, das geht bis zu dem Umbau der Bejing-Oper.
Droht ein Zusammenbruch 2008 in Asien?
In einer Ausgaben der Makro-Strategie, die schon einige Ausgaben zurückliegt, bin ich auf diesen Boom eingegangen. Damals schon hatte ich die Befürchtung geäußert, dass der Boom in China nach 2008 zusammenbrechen könnte. Zumindest für eine Zeit. Spätestens dann sollte man seine langfristigen Rohstoffpositionen reduzieren. Das nur mal als Hinweis so nebenbei.
Bis dahin rechne ich für meinen Teil jedoch nicht damit, dass Chinas Wirtschaft eine wie auch immer geartete "Landung" erleben wird. Denn China wird einerseits versuchen, sich als ein weltoffenes, freundliches und aufstrebendes Land darzustellen, andererseits ist China auch daran interessiert, seine neue Position als Ordnungsmacht in Asien zu demonstrieren. Sie können davon ausgehen, dass China vorhat, mit diesen Olympischen Spielen alles in den Schatten zu stellen, was Sie bei den Olympischen Spielen in den USA, Australien und Athen gesehen hat, , um sich somit als neue "Großmacht" zu positionieren.
Aus welchem Grund sollte die Wirtschaft Chinas bis dahin einbrechen?
Es sei denn, ein Krieg würde das Gefüge stören. Darauf hatte Taiwan gehofft. Man kann sich gut vorstellen, dass Taiwan seine Unabhängigkeit kurz vor den Olympischen Spielen erklären wollte. Denn dann wären die Investitionen für die Olympischen Spiele derart weit gediehen, dass China es sich nicht hätte erlauben können, mit Taiwan einen Krieg anzufangen. Die Folge eines Krieges wären fatal, vom Boykott bis zur möglichen Absage der Olympischen Spiele ... Eine wirtschaftliche und politische Katastrophe.
China hat natürlich durch das neue Gesetz, das einen Krieg gegen Taiwan im Falle einer Unabhängigkeitserklärung gesetzlich legitimiert, nicht ungeschickt auf diese "Gefahr" reagiert. Die Drohkulisse wurde erhöht.
Trotzdem bin ich der Auffassung, dass China einen militärischem Einsatz kurz vor den Olympischen Spielen nicht wagen wird. Dazu steht zu viel auf dem Spiel. Sollten sich die Unabhängigkeitsbestrebungen Taiwans manifestieren, können Sie jedoch davon ausgehen, dass nach 2008 die Gefahr militärischer Auseinandersetzungen stark zunimmt. Mit allen zu erwartenden Folgen für Investitionen in diesem Bereich.
Also – spätestens Mitte 2008 sollte man so oder so seine Asieninvestments stark reduzieren. Diese Gedanken habe natürlich nicht nur ich. Mit anderen Worten, höchst wahrscheinlich kommt es 2008 zu starken Kurseinbrüchen im asiatischen Raum. Zuvor ist jedoch eher mit einem Hype zu rechnen.
Vorher, ab Mitte 2007, rechne ich jedoch damit, dass die große Trommel gerührt wird: "Profitieren Sie von der Olympiade in China – setzten Sie auf den neuen Highflyer xxxx." Solche und andere Aussagen werden Sie zu lesen bekommen. Schließlich müssen bestimmte Anleger viele "Schafe" finden, denen Sie ihre Aktienpositionen verkaufen können – also immer Wachsam bleiben!
Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende
Viele Grüße
Ihr
Jochen Steffens