Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Dax 30
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Der Dax klettert nach wie vor wie auf Schienen innerhalb intakter kurz- und mittelfristiger Trendkanäle immer weiter aufwärts. Alleine im Zuge des kurzfristigen September-Aufwärtstrendkanals hat der Index nun schon 700 Punkte oder gut 12% in 10 Wochen aufgesattelt. Angetrieben zunächst von fallenden Ölpreisen ... und jetzt einem steigenden Euro und schwachen US-Konjunkturdaten zum Trotz.
Niemand würde ernsthaft annehmen wollen, dass sich dieses Szenario nun einfach ungehindert weiter fortsetzt. Doch wann die Korrektur beginnt und vor allem wie weit sie reichen wird, lässt sich im Vorfeld höchstens vermuten. Ich hatte Ende September / Anfang Oktober ein Kursniveau von ca. 6.200 angenommen, an dem dem Dax die Luft ausgehen würde – nun stehen wir schon 4,5% darüber.
Eines muss dabei klar sein: Es ist nicht einmal ungewöhnlich, dass die Aktienmärkte – hierzulande ebenso wie in den USA - wochenlang jedwede negative Nachrichten unberührt wegstecken. Denn diese externen Einflüsse sind nicht die alleinigen Motivationen, um zu kaufen oder zu verkaufen. Performancedruck, kurzfristige Tradings, Anlagenotstand können alles Gründe sein, weshalb auch institutionelle Investoren wider eines unguten Gefühls im Magen immer weiter in den Markt einsteigen – wollen oder müssen.
Wenn erst einmal ein solcher Zustand scheinbarer Unverwundbarkeit erreicht ist, kommen andere Aspekte zum Tragen – und das ist vornehmlich die Charttechnik und dann, später, das Performance-Problem. Die voraussichtliche Startphase der Korrektur dürfte so ablaufen:
Der typische Start einer Abwärts-Spirale
Ob mit oder ohne einen negativen Impuls von außen beginnen schlichte Glattstellungen und Gewinnmitnahmen, was mit Blick auf die hohen Kursgewinne der vergangenen Wochen zunächst nicht mehr als normal scheint. Wenn Sie sich die Vergrößerung des Dax-Verlaufs seit September ansehen, würden normale Gewinnmitnahmen an die untere Begrenzung des kurzfristigen Trendkanals bzw. intraday auch an den 20 Tage-Durchschnitt führen, ohne dass dabei irgend etwas anbrennen würde. Dieses Niveau liegt, Sie sehen es, bei 6.360 bis 6.400 Punkten.
Sollten auf diesem Niveau – das ja letztlich sogar noch über dem Tagestief vom Montag dieser Woche liegt – jedoch noch weitere Gewinnmitnahmen erfolgen und nicht auf der Gegenseite hinreichend Kaufbereitschaft aufkommen, geht es weiter abwärts. Dies wäre mit Blick auf den zuletzt immer träger werdenden Handel durchaus möglich – denn ein solcher Mini-Rücksetzer mag vielen keineswegs als groß genug erscheinen, um darin eine Kaufgelegenheit zu sehen – vor allem, wenn man den vorherigen, gesamten Anstieg dazu in Relation setzt.
Wird der 20 Tage-Durchschnitt auf Schlusskursbasis unterboten, dürften auch die meisten markttechnischen Indikatoren Verkaufssignale generieren und damit eine Fortsetzung der Verkäufe unterstützen. Wie weit es dann unmittelbar gehen kann, ist im Vorfeld nicht abzuschätzen.
Das hängt zum einen davon ab, in wie weit auch andere Börsen abwärts tendieren und zum anderen, wie hoch der Anteil an spekulativen, ganz kurzfristigen Positionen ist. Hinzu kommt, dass sich dann mehrere, markante Auffanglinien als Kursziele anbieten – hier kommen 6.280, 6.250 oder 6.160 (Mai-Hoch) in Frage.
Erst in Phase zwei starten die Bären durch
Erst in dieser Zone, also zwischen 6.360 und 6.160, werden nennenswerte Baisse-Positionen eine Korrektur unterstützen. So lange September-Trendkanal und 20 Tage-Durchschnitt halten, werden sich die Bären tunlichst mit Shortpositionen zurückhalten. Aber wenn die Baissiers eingreifen, wird es zum einen hektisch, zum anderen unberechenbar, denn:
Nachdem es sich als überaus uneinbringlich und teuer erwiesen hat, innerhalb der intakten Aufwärtstrends short zu gehen, haben die meisten Baissiers ihre Aktivitäten eingestellt oder sich gar auf die Seite der Bullen geschlagen. Das ist mit ein Grund für die aktuelle Schlafwagen-Atmosphäre: Es fehlen Short-Eindeckungen, um die Aufwärtsdynamik zu verstärken.
Anders jedoch, wenn es nun abwärts ginge: Hier treffen dann Glattstellungen von Longpositionen und neue Shortpositionen aufeinander und verdoppeln damit die Dynamik – nur eben einheitlich nach unten. Genau dieses Phänomen führte auch im Mai dazu, dass es nach ruhigem Anstieg so blitzartig abwärts ging.
Phase drei: Das Performance-Problem
Hinzu kommt – und das verstärkt sich immer mehr, je weiter es abwärts geht – dass die Fondsmanager ihre bislang erzielte Performance retten wollen und müssen. Doch wie ließe sich das bewerkstelligen, wenn man fast voll investiert ist, damit also nur wenig Kapitalreserven zum Stützen der Kurse hat? Nur, indem man den Bargeldbestand erhöht und so weniger Kapital dem Kursrückgang aussetzt. Sprich - nur durch verkaufen. Auch dies ist ein Faktor, der aus einer kleinen eine mittlere Korrektur machen kann und – im Vorfeld nie absehbar – auch eine größere. Immerhin:
Sollte der Dax unter die Mai-Hochs um 6.160 fallen, liegen die nächsten charttechnischen Unterstützungen erst im Bereich 5.730 bis 5.860!
Der eigentliche Auslöser- wenn es denn einen gab – ist schnell vergessen und interessiert dann auch niemanden mehr. Die aktuellen Rahmenbedingungen geben dann genug Argumente her, um die Abwärtsbewegung zu begründen. Übrigens genau die, denen der Dax bislang eisern getrotzt hat.
Sie sehen: Man kann sich nie sicher sein, dass es so schön ruhig und konstant weiter nach oben geht. Und gerade weil weder ich noch sonst jemand im Vorfeld sagen kann, von welchem Niveau aus und ab wann die Korrektur startet und wie weit sie reichen wird, bleibe ich auf dem aktuell hohen Niveau dabei: Nicht mehr kaufen und an festen Tagen sukzessive Positionen abbauen.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende – bis Montag!
Ronald Gehrt

