Die Inflation kommt
Tom Firley in Investors Daily
vom 5. Juli 2010, 18:00 Uhr
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gerade lese ich das Buch „Die Inflation kommt" von Stefan Riße. Ich muss sagen: Nach der höchst interessanten, wenn auch leicht akademisch angehauchten Lektüre von „Dieses Mal ist alles anders" (ich berichtete) kommt das Buch von Herrn Riße recht „erfrischend" rüber.
Mit klaren Worten beschreibt der Autor zunächst die wichtigsten Finanz- und Wirtschaftskrisen, bevor er das Finanzsystem von morgen skizziert und die Inflation als Chance beschreibt.
Mit freundlicher Genehmigung des FinanzBuch Verlags kann ich Ihnen in einer Mini-Serie exklusiv drei Kurzbeiträge (also heute, morgen und Mittwoch) aus diesem Buch präsentieren.
Viel Spaß beim Lesen
Tom Firley
Das Platzen der Kreditblase, Teil 1
von Stefan Riße
Viele Bücher sind schon geschrieben worden über die großen Börsencrashs der Geschichte, ob über den legendären von 1929 oder die Tulpenmanie in Holland im 17. Jahrhundert, als für Tulpenzwiebeln ein Vermögen ausgegeben wurde, bis es auch hier zum Crash kam. Am Ende lässt sich feststellen, dass der Mechanismus immer der gleiche ist: Zunächst kommt es zu maßlosen Übertreibungen, die für die betroffenen Vermögensgüter, egal ob Aktie, Rohstoff, Immobilie oder Tulpe, zu Bewertungen fern des gesunden Menschenverstands führen. Dann folgt irgendwann der brutale Absturz.
Gier frisst Verstand
Warum kommt es nun immer wieder zu diesen Übertreibungen, wenn wir Menschen doch den Ausgang der Geschichte aus unendlich vielen Beispielen kennen? Ganz einfach: Die Gier frisst den Verstand. Zunächst wehren wir uns auch gegen die immer weiter steigenden Preise. Aber irgendwann erliegen wir selbst ihrer Anziehungskraft, weil die erwartete Korrektur eben nicht kommen will. Und der Boom kommt immer in einem anderen Gewand daher.
„Homo ludens" - der spielende Mensch
Einmal sind es die Aktien und danach die Immobilien, Rohstoffe, Anleihen oder irgendetwas anderes. Und der »Homo ludens«, der spielende Mensch, gibt sich im Traum vom schnellen Geld dem Glauben hin, auf diesem Markt würden eben ganz andere Gesetze gelten als früher. Bis er wieder eines Besseren belehrt wird. So auch in der US-Immobilienkrise, die sich mittlerweile zur weltweiten Finanzkrise ausgewachsen und in den Volkswirtschaften rund um den Globus zu nachhaltigen Konjunktureinbrüchen geführt hat. Doch hier platzen im Grunde nicht nur die aufgeblasenen Immobilienpreise in den USA und im Übrigen auch in anderen Ländern wie England oder Spanien, hier platzt eine neue Form der Finanzierung, nämlich die Verbriefung von Krediten.
Der amerikanische Traum
Ihren Ursprung nahm die Entwicklung aus der Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September, in der die Notenbank und die von George W. Bush geführte US-Regierung eine - wie sich mittlerweile herausstellte unheilige - Allianz eingingen mit der klaren Absicht, den privaten Hausbesitz anzukurbeln, um mehr Amerikanern den Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen. Und die Rechnung schien zunächst aufzugehen.
Die Nachfrage stieg, die Baukonjunktur boomte und schaffte eine enorme Zahl neuer Arbeitsplätze. Jeder Amerikaner, der eine Immobilie besaß, profitierte durch den so entstehenden Vermögenszuwachs. Es entwickelte sich eine wundersame Aufwärtsspirale. Je stärker die Immobilienpreise stiegen, desto weniger mussten die amerikanischen Bürger auf die hohe Kante legen, denn die Ersparnisse vermehrten sich durch den Wertzuwachs der eigenen Immobilie quasi von selbst.
Die Sparrate rutschte 2007 sogar erstmals in der US-Geschichte in den negativen Bereich. Und viele Hausbesitzer gingen sogar noch weiter. Weil die Zinsen so günstig waren, nutzten sie den höheren Wert ihrer Häuser, indem sie sie noch stärker beliehen und das so gewonnene Geld in den Konsum steckten. Das schaffte weitere Arbeitsplätze und damit neue potenzielle Immobilienkäufer, die dafür sorgten, dass die Preise weiter stiegen.
Der Anfang vom Ende
2003 bis Anfang 2007 war von Krise denn auch nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil. Auch am Börsenhimmel lachte wieder die Sonne. Das billige Geld hatte einen unglaublichen Boom ausgelöst. Die Geschäfte liefen prächtig, die Kurse waren seit Mitte 2003 kräftig gestiegen. Die Wirtschaft verdiente gutes Geld und die Banken sogar noch besseres. Allen voran die Investmentbanken, die unaufhaltsam einen Weg beschritten, der ihnen enorme Gewinne sicherte, der aber direkt in diese jüngste existenzielle Finanz- und Wirtschaftskrise führte. Erst im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Gier und Unersättlichkeit vor allem der Banker die Welt an den Abgrund geführt hatten...
Auszug aus "Die Inflation kommt!" - Die besten Strategien sich davor zu schützen.
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