Die Iden des März oder die Demontage eines US-Präsidenten
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 17. Februar 2011, 16:00 Uhr
ENL5454
Für die Iden des März, also für den 15. März 44 vor Christus, war die Senatssitzung angesagt, in der sich die Verschwörer des allmächtigen Diktator G. Julius Caesar entledigen wollten. Später berichtete man von allerlei Vorzeichen, die dieses Unheil ankündigten: Feuer am Himmel, Donner, den man weithin durch die Nacht hören konnte, eine alte eherne Tafel, die in einem alten Grab gefunden wurde und die die baldige Ermordung eines Nachkommen des Iulus, eines Ahnherrn der Römer, mit einer anschließenden Katastrophe in Italien ankündigte.*
Nun, wir befinden uns zwar in der Faschings- oder in manchen Regionen auch in der Karnevalszeit, aber trotzdem fiel mir anlässlich des jüngsten Statements von Timothy Geithner, ...die USA werden in die Insolvenz gehen, wenn nicht im März die staatliche Schuldenhöchstgrenze von 14,3 Billionen US-Dollar aufgehoben wird", das Gemetzel von Brutus und seinem Gefolge an Julius Caesar ein. Aber lassen Sie mich etwas weiter ausholen, um zu erklären, was ich meine.
Seit ewigen Zeiten kommt das Drama der US-Verschuldung" regelmäßig in die Medien und immer ist es gut ausgegangen. Das von vielen Fachleuten prophezeite Ende der größten Volkswirtschaft der Welt hat sich stets vertagt und die US-Ökonomie stellte ihre Widerstandsfähigkeit immer wieder neu unter Beweis. In manchen Gegenden Deutschlands würde man sagen, diese US-Ökonomie ist ein zähes Luder. Mancher Betrachter wird also dazu neigen, diese Erfolgsgeschichte unendlich in die Zukunft fortschreiben zu wollen. So auch ich, wenn es da nicht dieses beklemmende Schwindelgefühl gäbe, wenn man sich einmal die Zahl 14,3 Billionen US-Dollar aufschreibt. Und die Zinsbelastung daraus! Bei dieser Vorstellung stockt mir der Atem und mir fällt schlagartig ein, wie ich in einer Niedrigzinsphase (Leitzins 1 %) bei meiner Bank einen Dispokredit mit 8 Prozent verzinsen musste.
Also Timothy Geithner, der Finanzchef von Corporate Amerika, wendet sich jetzt an die Öffentlichkeit und weist darauf hin, dass die USA so richtig pleite ist und im Weißen Haus die Lichter ausgehen, wenn nicht in den nächsten 2 bis 3 Wochen die staatliche Schuldengrenze angepasst oder gelockert wird, und das assoziiere ich mit: Iden des März, Demontage eines Herrschers.
Jetzt aber schauen wir uns doch mal die Charts an, um festzustellen, ob auch andere Marktteilnehmer Respekt vor dieser Insolvenzdrohung haben.
In den USA fallen die Kurse für Staatsanleihen seit Oktober letzten Jahres, das ist Fakt und lässt sich auch am Trendwechsel des ETFs auf US-Staatsanleihen mit 20 Jahren Laufzeit gut ablesen.
Jetzt dachten aber viele Analysten, dass es sich hier um eine Verschiebung zwischen den Assetklassen und die Wette auf mögliche Kursgewinne handele - raus aus den Rentenpapieren und rein in die Aktien mit Dividende. Im unteren Chartbereich sehen Sie, wie sich die Kurven des Rentenmarktes TLT (schwarz) und des S&P500 (rot) im November schneiden und den Eindruck erwecken, dass es hier zu einer Verlagerung zugunsten von Aktien kommt. Aber stimmt das wirklich, oder gibt es vielleicht Anzeichen von Kapitalflucht?
iShares ETF auf US-Staatsanleihen mit 20 Jahren Laufzeit (TLT) seit März 2010
*www.sks-eberndorf.at/latein
Zum zweiten Teil von: Barak Obama allein zu Hause
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von CRISS (18.02. 2011 00:54 Uhr):
Hallo Herr Nowacki, ich beziehe diesen Infodienst jetzt schon ein paar Jahre und man lernt immer noch dazu. Ihr Stil ist anders, aber gefällt mir auch sehr gut. Normalwerweise poste ich im godmode-trader blog unter diesem nickname, aber Ihrer Aufforderung zur Diskussion mag ich gern nachkommen. Die spannende Frage ist, ob es den grossen Knall gibt oder nicht. Ich denk, dass die Frage nicht darin besteht ob, sondern nur wann? Das Schuldenthema ist inzwischen unbeherrschbar, weil das Schuldenwachstum aus der linearen Funktion über die quadratische hinweg jetzt schon bei einer exponentialfunktion angekommen ist. Also lautet die Frage: ist es jetzt erst um 3 Uhr oder 5 Minuten vor 12? Ich würde gern an um 3 glauben, also in meiner Zeitrechnung ein Zusammenbruch des Finanzsystems (erst kommt die Bankenkrise, haben wir hinter uns, danach Staatsbankrotte) so 2013/2014 nach der Verschuldungskurve. Meine Intuition sagt mir es könnte um 11 sein. Noch ist die depression nicht durch und die hypeinflation nicht da, aber die Anzeichen mehren sich. Ich bin als trader auf Rohstoffe spezialsisiert und stelle zumindest fest, dass alle krisenrelevanten Rohstoffe massiv haussieren, die ersten Zinzerhöhungen im EM-Raum stattfinden, gleiches gilt für deutlich gestiegene Inflationraten in EMs und keine meiner charttechnischen Prognosen auf echte Korrekturen bei Edelmetallen ist seit 1,5 Jahren eingetroffen. Einer kauft immer, entweder die Asiaten wegen der Infla, oder die Amis, bei Dollar-fall-angst oder die €-päer. Und meine Meinung zur US.Pleite: Wenn bernanke und geithner in den Medien mehrfach betonen, dass USA eigentlich pleite ist, kann das politisches Spiel sein. Ich hab gelernt. dass Dritte aus unterschiedlichen Gründen heraus so etwas oft kolportieren. Ein an der Macht stehender Politiker kommuniziert solche Dinge immer erst hinterher. Es ist also schon durch und soll jetzt nur noch in Häppchen dem Volk verkauft werden, damit es sich daran gewöhnt und der Schock nicht so gross ist. Ich denk, dass Anleihen bald sehr kräftig fallen werden. Ob die Märkte mit fallen und die Edelmetalle? schwierig. Flucht in Sachwerte ist genauso möglich wie Liquiditätsschaffende Verkäufe wie bei der Bankenkrise. Was denken Sie wäre eher die Folge?
Antworten- Antwort von juergen nowacki (18.02. 2011 13:05 Uhr):
Sie sprechen mir aus der Seele und ich bedanke mich für Ihre Meinungsäußerung die in sich ausgewogen und distanziert ist. Also ich fühle mich persönlich angesprochen, weil es kein Patentrezept gibt wie auf die nächste Stufe der Krise sinnvoll regaiert werden kann. Bislang habe ich das Thema verdrängt, weil es ja noch sooo lange dauern kann bis zum Knall, aber die Einschläge kommen näher und das Boot in dem wir alle sitzen läuft voll Wasser. Roland Leuschel würde jetzt sagen Aktien und Renten verkaufen, den Weinkeller mit erklassigen Bordeaux's auffüllen und einen großen Hund kaufen der darauf aufpasst
- Antwort von CRISS (19.02. 2011 09:15 Uhr):
gut, dass ich mit meiner Unsicherheit, was die Folgen und den Zeithorizont angeht, nicht allein bin :) Silber hat anscheinend schneller der Durchbruch geschafft, als gedacht. hatte viel über die shortposis von JP Morgan gelesen und den Zwang sie aufzulösen. Da sie es nicht einmal tun können (systemkritisch), hat man Ihnen wohl Zeit gegeben es stückweise zu tun. Nun ja, wie es scheint, tun sie es.
- Antwort von juergen nowacki (18.02. 2011 13:05 Uhr):
