Die Hausse nährt (noch?) die Hausse
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 11. Mai 2009, 17:00 Uhr
ENL5454
Liebe Nebenwerte Freunde,
hoffentlich haben Sie ein schönes Wochenende erlebt und die Mütter innerhalb Ihrer Familie hochleben lassen. Ich für meinen Teil war diesbezüglich sehr fleißig, und habe ganze Divisionsrationen leckeren Essens für die bucklige" Verwandtschaft gekocht und aufgefahren. Ach ja, Aktien im allgemeinen und Nebenwerte im speziellen sollen hier das Thema sein, keine Kochrezepte!
Noch immer nährt die Hausse die Hausse
Seit Anfang März hat der DAX mittlerweile satte 32 Prozent gewonnen und zeigt nach wie vor keine ausgeprägten Anzeichen von Schwäche. Da ist es nur konsequent, dass er jetzt sowohl an der 200-Tage-Linie als auch an der magischen 5000-Punkte-Marke anklopft. Die scheinbar unlogische Folge der Rallye: Allmählich juckt es immer mehr Anlegern in den Fingern.
Vor allem die institutionellen Anleger, die nach wie vor auf hohen Cashreserven sitzen, werden förmlich in den Markt gezwungen. Dazu hat die DZ Bank die passende Umfrage unter privaten durchgeführt. 40 Prozent der Privatanleger rechnen demnach im kommenden halben Jahr mit steigenden Aktienkursen. 30 Prozent gehen von einem gleich bleibenden Kursniveau aus, und nur noch ein Viertel aller Befragten erwartet in diesem Zeitraum sinkende Notierungen an den Börsen. Das Sentiment ist also gefährlich bullish und verhält sich umgekehrt zur Stimmung im Winter und vor Beginn der Rallye. Dieser Anstieg der Stimmung der Anleger ist natürlich typisch und nicht überraschend. Ich bin kein Freund von Sentiment-Technik und ziehe deren Aussagen nur hilfsweise bei Investments heran. Vielmehr fühle ich mich da diesbezüglich wie beim Flaschendrehen". Aber eine leicht formulierte und sehr schwer umgesetzte Binsenweisheit wird in diesem Jahr wieder mehr als deutlich. Kaufen Sie, wenn es sich schlecht" anfühlt und verkaufen Sie, wenn alle investieren wollen.
Indizes steigen derzeit auch nach mittelprächtigen Zahlen
Vergangene Woche testeten wichtige Indizes relevante Marken der Charttechnik. Der Dax z. B. robbte sich zweimal an die magische und psychologisch wichtige Marke von 5.000 Punkten. Die Nasdaq 100 übersprang die wichtige 200-Tage-Linie, weshalb viele Anleger hier nun von einem Bullenmarkt ausgehen.
Doch per Saldo wurde jede Kursabkühlung der letzten Woche von den Bullen zu Neuengagements genutzt. Dies erstaunte mich etwas, da einige der von den Anlegern gefeierten Nachrichten nicht berauschend waren. Auch wenn der US-Arbeitsmarktbericht versöhnlich ausfiel, ist der dortige Arbeitsplatzverlust gigantisch. Menschen, die sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen, oder keinen mehr haben, sind keine guten Konsumenten. Dies hat langfristig größere Relevanz als die Schätzungen der Bankanalysten. Auch der mit Erleichterung aufgenommene Stresstest der Banken lässt Spielraum für Interpretationen. Meiner Meinung nach ist ein Kapitalbedarf von weiteren 75 Mrd. $ nicht von Pappe. Das hierfür verwendete notwendige Kapital wird dem Finanzmarkt nicht mehr für andere etwaige Investitionen zur Verfügung stehen. Auch die deutschen Stahlwerte erhielten heute einen Dämpfer. Die deutsche Rohstahlproduktion hat sich im April 2009 kräftig reduziert. Wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte, hat sich der Abwärtstrend in der Stahlindustrie mit beschleunigtem Tempo fortgesetzt. So schrumpfte die Produktion deutscher Hüttenwerke binnen Jahresfrist um 53 Prozent und im Vormonatsvergleich um 9,0 Prozent!
Trotzdem kann die Rallye natürlich weiter gehen, denn wir sind in einem Stadium, in dem die Hausse die Hausse nährt. Kurzfristig ist allerdings mit Gewinnmitnahmen zu rechnen.