Die guten alten Zeiten
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 14. Juli 2008, 00:00 Uhr
ENL5454
"Lasst uns etwas Musik auflegen...", sagte Brian in einer lauen Nacht des Jahres 1966.
Wir waren noch weit von dem Alter entfernt, in dem man in den Vereinigten Staaten Alkohol trinken durfte, aber es gab viele Besitzer von Saloons, die das nicht besonders zu interessieren schien. Einer hatte eine Bar namens Mickey's"... eine verfallene Spelunke, die auf Pfeilern stand. Darunter schlug das Salzwasser gegen zurückgelassene Autoreifen und die angeschwemmten Bierdosen und gegen das Schilfrohr und die Büsche an der Küste. Wir waren 18 Jahre alt und fast mit der High School fertig und wir fragten uns wage, was wir als nächstes tun sollten. Denn wenn uns nicht schnell etwas einfallen würde, dann würde die U.S. Army sich um uns kümmern.
Nachdem wir eine Minute lang die Funkwellen abgetastet hatten, hatten wir gefunden, was wir suchten.
"When a man loves a woman...can't keep his mind on nuthin' else..."
"Man kann Percy Sledge nicht toppen", sagte mein Freund.
"Nein, Percy ist nicht zu toppen", antwortete ich.
"...he'd turn his back on his best friend, if he put her down," fuhr Percy im Hintergrund fort.
"Was wirst du tun?", fragte Brian.
"Ich gehe aufs College. Ich habe ein Stipendium, falls du dich erinnerst. Was soll ich sonst tun? Sonst werde ich eingezogen... und abgesehen davon habe ich gedacht, dass du auch gehen würdest."
Nein, meine Mutter liegt mir damit ständig in den Ohren. Aber ich will nicht gehen. Ich weiß nicht, was das bringen soll. Mir gefällt es hier. Ich habe mir die University of Virginia angesehen, aber mir gefallen die Muttersöhnchen dort nicht. Und mir hat es auch nicht gefallen, wie es dort gerochen hat. Hier riecht es deutlich besser. Hier bin ich viel lieber. Ich werde einfach weiter Tabak anbauen und hier im Mickey's herumhängen."
Willst du denn nicht ein bisschen Geld verdienen... im Leben weiter kommen."
Percy sang durch das Radio: "...he'd give up all his comforts, sleep out in the rain...if she says that's the way it oughta be..."
"Wovon sprichst du denn nur? Ich verdiene doch schon jetzt mehr Geld mit dem Tabakanbau als diese emporgekommenen Collegeabsolventen, die ihre Bürojobs machen. Und ich bin draußen und tue das, was mir gefällt. Ich kann innehalten und ein Bier trinken, wann immer mir der Sinn danach steht. Niemand sagt mir, was ich zu tun habe. Und abgesehen davon will ich Dottie nicht verlassen..."
"Ja, schon, aber sie werden dich einziehen..."
"Nun, deswegen mache ich mir keine Sorgen. Mein Bruder ist schon dort, in Vietnam. Er sagt, es ist nicht zu schlimm... zumindest da nicht, wo er ist."
Ich habe meinen Freund nie wieder gesehen. Er wurde während einer Kneipenprügelei im Mickey's einige Monate später getötet. Ein anderer Freund hat ihm mit einem Billardqueue auf den Kopf geschlagen. Er ist auf den Boden gefallen, wieder aufgestanden und hat weiter getrunken und ist dann zusammengebrochen. Die Tabakwirtschaft ist kurz darauf auch verschwunden. Und lange sind auch die Tage vorbei, an denen es keine Leute gab, die den Farmern im südlichen Maryland sagten, was sie zu tun haben. Heute muss jeder von ihnen Dutzende Inspektoren und Regulatoren haben, die ihm über die Schulter blicken.
Diese Welt der Sechziger gibt es heute nicht mehr. Aber vergangene Nacht kam ein Teil davon zurück... fast besser noch als je zuvor - Percy selbst.
Derweil werden die Investoren immer blasser, weil der Dow vergangene Woche wieder schwere Rückschläge einstecken musste... der Ölpreis ist auf einen neuen Rekordwert geklettert und auch der Rohstoffindex, der CRB, hat einen neuen Rekord erreicht.
Für die Investoren war es kein gewinnträchtiger Tag... und das folgt den vermutlich schlechtesten sechs Monaten, die seit langem verzeichnet wurden, gleich auf den Fersen. Gemessen am MSCI-Weltindex haben die Investoren schon seit 26 Jahren nicht mehr so schwere Schläge einstecken müssen.
Die Royal Bank of Scotland warnt vor einer Krise. Und die Europäische Zentralbank sagt, dass das Risiko besteht, dass die Preise explodieren", wenn das Maß der Verbraucherpreisinflation in Europa einen neuen Rekordwert verbucht.
Schon jetzt liegt der amerikanische Zinssatz bei nur der Hälfte des Leitzinssatzes der EZB. Schon jetzt scheint sich der Dollar nur noch mit den Fingernägeln halten zu können. Wenn die EZB ihre Zinssätze weiter anhebt, dann wird der Dollar von seiner schmalen Stange gestoßen werden.
Ich habe schon versucht hinter die seltsame Dynamik der aktuellen Politik der Zentralbank zu kommen. Bislang war ich lediglich in der Lage, festzustellen, dass es noch verdrehter ist und noch komplizierter, als ich gedacht hätte.
Um es kurz zu fassen, es ist heute für jeden offensichtlich, dass die Weltwirtschaft in zwei Richtungen gleichzeitig weist. Die Verbraucherpreise steigen - als ob es wieder einen Boom geben würde. Die Preise der Anlagewerte, die Kreditkosten, die Börsengänge und das Vertrauen der Verbraucher gehen alle zurück - als gäbe es eine Krise.
Gestern kam die Nachricht, dass die Zahl der Zahlungsverzüge von Seiten der Verbraucher steigt". Die Anzahl der überfälligen Hypotheken ist seit 1987 nie schneller gestiegen, sagt die Vereinigung der amerikanischen Banker.
Die Verkaufszahlen für Autos sind auf dem geringsten Wert in 10 Jahren. Die Besitzer der großen Geländewagen werden gleich zweimal gekniffen, heißt es in einem Nachrichtenbeitrag. Sie zahlen nicht nur deutlich mehr für Benzin als sie erwartet hätten... jetzt bekommen sie auch noch weniger, wenn sie ihre Panzer gegen eine bescheidenere Transportmöglichkeit eintauschen wollen. Wer will schließlich heute noch einen solchen Geländewagen?
Aber glauben Sie, dass es Ihnen schlecht geht? Dann sollten Sie darüber noch einmal nachdenken. Die Inflation in der Ukraine beträgt 30% im Jahr. In Lettland sind es 18%. Ägypten leidet unter einer Inflation von 16%. Und ja, dann gibt es auch noch Simbabwe. Der durchschnittliche Lohn eines Arbeiters in Simbabwe beträgt 15 Milliarden Dollar im Monat. Die armen Leute sind Milliardäre, jeder einzelen von ihnen. Aber man braucht 19 Milliarden Simbabwe-Dollar, nur um eine Packung mit 10 Keksen kaufen zu können - wenn man eine findet. Und ein Pfund Margarine kostet schon 25 Milliarden.
Die Verbraucher sind überall auf der Welt angeschmiert. Genauso die Anleger. Europas Aktiemärkte sind um das Doppelte gefallen wie die Wall Street. Und viele der ausländischen Märkte sind noch einmal um das Doppelte gefallen. China und Vietnam sind beispielsweise beide um 50% eingebrochen.
Und dann ist da noch das arme Japan. Die zweitgrößte Ökonomie der Welt scheint nicht einmal mehr Luft holen zu können. Der Nikkei durchlebte die größte Verluststrähne in 43 Jahren, heißt es in den Finanznachrichten der vergangenen Woche.
Die Leser werden mich nicht vergessen lassen, dass ich ein wenig mit den japanischen Aktien geliebäugelt hatte. Wo sonst findet man heute einen Markt, dessen Aktien in den vergangenen 18 Jahren überwiegend eingebrochen sind? Wo sonst kann man einen Ort finden, an dem die Verbraucher es vorziehen, ihre Portemonnaies geschlossen zu halten und ihr Geld zu sparen.... Und an dem sie damit rechnen, dass die Preise fallen und nicht steigen.
Um genau zu sein könnte es sogar sein, dass dieser Anfall weltweiter Inflation gut für Japan ist, sagt Christopher Wood. Endlich steigen die Preise. Die Kerninflation ist auf dem höchsten Niveau der letzten zehn Jahre. Wer weiß, vielleicht werden die Japaner wieder anfangen, Geld auszugeben... und vielleicht werden sie sogar Kredite aufnehmen.
Das Money Week Magazin weist auch darauf hin, dass die japanischen Banken sogar zahlungskräftig sind. Anders als ihre westlichen Zeitgenossen, steht ihnen noch Geld zu Verfügung, dass sie verleihen können."
Ich bleibe bei meiner Zuneigung zu den japanischen Aktien... zumindest vorerst.
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