Die große Romanze zwischen den Vereinigten Staaten und China
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 26. November 2009, 07:30 Uhr
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Die Zeitungen brummten mit Geschichten über Obamas Reise nach China. Die Financial Times berichtet, was er hätte sagen sollen." Der Financial Times zufolge hätte der amerikanische Präsident den Chinesen sagen sollen, dass er die Vereinigten Staaten nicht in eine Krise treiben würde, nur um den Wert der chinesischen Dollarbestände zu retten.
Wir haben euch schließlich nicht gebeten, all diese Dollar zu nehmen, hätte Obama sagen können. Es ist nicht unsere Schuld, wenn der Dollar einbricht und ihr Geld verliert.
Vielleicht hätte er auch die unsterblichen Worte eines einstigen amerikanischen Finanzministers, John Connolly zitieren sollen: Es ist vielleicht unser Dollar, aber es ist euer Problem".
Bei USA Today machen sich die Herausgeber hingegen mehr Gedanken über die Menschenrechte. Die Zeitung muss sich fühlen, als wären die guten alten Zeiten mit Woodrow Wilson oder George W. Bush zurück, in denen die Vereinigten Staaten sich edler Gesinnung daran machten, den Auftrag zu erfüllen, Sünde und Fehler der Menschheit auszumerzen. Letzten Endes hat Obama gesagt, alle Menschen hätten universelle Rechte", darunter das Recht der freien Presse. China ging davon aus, dass das genau die Art von Meinung ist, die das eigene Volk nicht unbedingt hören sollte. Also hat man den Beitrag in der eigenen Presse untergehen lassen. Der amerikanische Präsident hätte also ebenso gut Selbstgespräche führen können.
China ist dieser Tage eine ganz große Geschichte
Überall in den weltweiten Medien gibt es Beiträge und Gewäsch über die große Romanze"... das historische Verhältnis"... zwischen diesen beiden Giganten. Manche Berichterstatter sehen darin Romantik... andere erkennen Neid. Manche sehen einen Konkurrenzkampf.
Ich selbst falle auf Romantik immer wieder herein. Gibt man mir eine Zigarette mit Lippenstiftspuren... oder ein Flugticket an einen romantischen Ort..." und ich bin ganz aus dem Häuschen. Aber ich erkenne nicht viel Romantik in dem Verhältnis zwischen China und den Vereinigten Staaten. Hier erkenne ich mehr von dem, was Psychologen erfreut und alle anderen langweilt - Perversion, wechselseitige Abhängigkeiten und Ermächtigungen.
Oberflächlich streiten sich die beiden Giganten um Geld wie jedes andere Paar. Die Vereinigten Staaten beschuldigen China des Geizes... der die Währung unten hält und zu viel spart. China wirft den Vereinigten Staaten vor, das Geld zu verschwenden und die eigene Kaufkraft mit gierigen und unvorsichtigen Ausgaben zu zerstören.
Verletzung des Drehbuchs
Der Währungsaufruf des amerikanischen Präsidenten ist gegen das Drehbuch", heißt es in einer Schlagzeile der Financial Times. Die amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler denken, dass China den Wert des Yuan anheben sollte. Das würde sofort in der Heimat den Wert der amerikanischen Dollarrücklagen senken und die chinesischen Produkte am Weltmarkt weniger wettbewerbsfähig werden lassen.
Mr Obama sollte darüber auf seiner Reise nichts sagen. Es wäre so, als würde man das Trinkproblem des Partners am Hochzeitstag auf den Tisch bringen. Es würde den Anlass stören.
Offenkundig konnte er jedoch nicht anders. Oder vielleicht hat er auch nur gedacht, dass seine Leute in der Heimat gerne hören würden, wie der den Chinesen einmal die Meinung sagt.
Aber woher weiß der amerikanische Präsident, welchen Preis man dem Yuan geben sollte? Ein fallender Dollar ist gut für die Gänsebesitzer in den Vereinigten Staaten. Warum ist es dann nicht gut für die Gänseriche im Reich der Mitte?
Ein starker Yuan würde der Weltwirtschaft helfen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen, sagen die Wirtschaftswissenschaftler, die glauben zu wissen wovon sie sprechen. Um es kurz zu machen: Die Chinesen produzieren zu viel. Die Amerikaner konsumieren zu viel. Ein höherer Yuan könnte das verändern - weil er den Chinesen mehr Kaufkraft gibt (und so den Konsum in der Volksrepublik steigern würde)... und weil es die chinesischen Exporte teurer werden lässt (und so den Konsum auf der anderen Seite des Pazifik senkt). Mit einem stärkeren Yuan wären die angelsächsischen Ökonomien in der Lage, mehr für die Chinesen herzustellen und an sie zu verkaufen... womit die amerikanische Wirtschaft wieder mehr in Richtung Kapitalbildung und Produktion verlagert werden würde.
Die chinesischen Behörden sind nicht völlig verblödet. Sie wissen, dass sie eine Bevölkerung von mehr oder weniger 150 Millionen Menschen haben, die auf der Suche nach Arbeit sind. Sie wissen, dass wenn sie keine Möglichkeit mehr haben, diesen Leuten Arbeit zu geben, diese vermutlich Probleme machen würden. Probleme sind das, was die chinesische Führung nicht will.
Wer steckt hier in Schwierigkeiten?
Sie glauben, sie haben Probleme", hätte Premier Hu Jintao Obama vielleicht erwidern können. Wussten Sie schon, dass es ungefähr 200 Millionen Chinesen gibt, die mit nur einem Dollar am Tag auskommen? Wir wollen den Tatsachen ins Auge blicken. Ihr sitzt da in Washington und unterhaltet euch bequem darüber, wieviel Gesundheitsversorgung und Arbeitslosenhilfe man der amerikanischen Bevölkerung geben will. Wir haben dazu keine Zeit... und auch nicht das Geld, uns so etwas zu überlegen. Es gibt hier zu viele Menschen. Sie verdienen nicht genug, um sich eine solche Bestechung von der Wiege bis zur Bahre leisten zu können, wie ihr sie eurer Bevölkerung gewährt. Wir müssen sie weiter an der Arbeit halten... es gibt keine andere Möglichkeit.
Abgesehen davon sehen wir nicht wirklich ein, warum wir für eure Fehler bezahlen sollten. Es ist nicht unsere Wirtschaft, die in die Luft gegangen ist. Es ist auch nicht unsere Finanzindustrie, die Häuser an Leute verkauft hat, die sie sich nicht leisten konnten. Und es waren auch nicht unsere Verbraucher, die mehr ausgegeben haben, als sie hatten und die sich so stark verschuldet haben.
Die Schuldner müssen bezahlen, und nicht die Kreditgeber. Wir sind die Kreditgeber."
Hinter all diesen oberflächlichen Streitereien, Vorwürfen und Genöle steht jedoch eine kranke Beziehung. Es ist eine Sache von Geben und Nehmen. Aber die Vereinigten Staaten nehmen nur und die Chinesen geben nur. Und jetzt machen auf beiden Seiten die öffentlichen Vertreter die gleichen Fehler. Die Vereinigten Staaten versuchen verzweifelt, die Amerikaner dazu zu drängen, noch mehr zu nehmen... und weiterhin das zu tun, was sie falsch gemacht haben. Sie bieten ihnen Anreize jeder Art um die Verbraucher dazu zu verlocken, noch mehr zu konsumieren. Und die Lösung für den Schuldenüberhang sind noch mehr Schulden.
In China überredet man die Bevölkerung derweil, noch mehr zu geben... noch mehr zu produzieren. Oder zumindest noch mehr Fabriken und noch mehr Ausstattung zu bauen, mit denen man noch mehr Güter hervorbringen kann.
In den Vereinigten Staaten machen die Verbraucherausgaben ungefähr 70% der Wirtschaft aus. In China sollen feste Kapitalbildungen ungefähr 70% des Wachstums 2008 ausgemacht haben und 90% in der ersten Jahreshälfte diesen Jahres.
Ist das die Formel für eine glückliche Ehe? In den vergangenen beiden Jahren ist dieses Verhältnis der wechselseitigen Abhängigkeit zerbrochen. Paul Krugman schrieb in der New York Times, dass sie den größten Zusammenbruch beim Welthandel in der Geschichte erlebt haben.
Doch keine der beiden Seiten hat darauf gelernt. Derjenige der nimmt, bietet nun an, noch mehr zu nehmen. Und derjenige der gibt, bietet nun an, noch mehr zu geben.
Sie brauchen keine Eheberatung, sie brauchen eine Scheidung.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Theo Gasser (26.11. 2009 11:08 Uhr):
Ich mag Ihre Beiträge, ihren kritischen und analytischen Blick auf die aktuelle Situation und Entwicklung. Obschon Sie im Prinzip immer wieder den gleiche Inhalt wiedergeben, geben Sie immer unterschiedliche Akzente. Der obige Beitrag ist exzellent, weil er so explizit das Grundmustser des heutigen Problemes darstellt. Vielen Dank.
Antworten - Kommentar von Hoffmeister (26.11. 2009 17:51 Uhr):
Obama hat sich als erster US-Präsident in Asien verneigt vorm japanischen Kaiser und den Chinesen. Vielleicht war es Höflichkeit, eher wohl Ausdruck der Tatsache, bei den Gläubigern auf gut Wetter zu machen. Andererseits sagt Obama, er verliere die Geduld mit dem Iran, schickt weitere 30 000 Soldaten nach Afghanistan. Der französische Außenminister befürchtet einen israelischen Erstschlag(Atombomben), die US-Militärs haben eine neue Bombe MOP für die Bunker der iranischen Atomanlagen zu knacken.Bei den israelischen Manövern dieses Jahr waren soviele höchstrangige US-Militärs wie noch nie.Von 1929 hat es 10 Jahre gebraucht, um die Finanzprobleme mit Krieg zu lösen. Es geht nicht mehr nur Aktien, Dollar und Gold. Es fehlt nur noch ein Anlass.
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