Die große Prüfung für Bernanke
Bill Bonner in Investors Daily
vom 14. März 2006 18:00 Uhr
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Alan Greenspan war erst wenige Tage im Amt, als er die erste große Prüfung zu bestehen hatte. Der Einbruch 1987 kam ganz überraschend für die Aktienmärkte der Welt. Er kam auch genauso überraschend für Alan Greenspan. Der Mann hatte vorher ein Unternehmen für wirtschaftliche Vorhersagen geführt – notorisch schlecht geführt. Wenn sich das Erstellen wirtschaftlicher Prognosen mit dem Autofahren vergleichen ließe, dann würden sie lieber nicht bei Greenspan ins Auto gestiegen sein. Er fuhr wie ein Blinder – durch sämtliche finanziellen Schlaglöcher, Aktieneinbrüche, Pleiten und kopfüber in eine Rezession.
Jetzt steht Ben Bernanke vor der gleichen Aufgabe. Er sitzt im gleichen Amt auf dem Fahrersitz, im selben Land wie sein Vorgänger. Und doch ist er in eine ganz andere Welt geraten.
Am Montag, den 19. Oktober 1987 fiel der Dow um 22.6 %. Ein vergleichbarer Einbruch würde heute ungefähr 2.000 Punkte ausmachen, aber damals begann der Einbruch auf einem wesentlich geringeren Niveau. Der Dow lag an diesem Unglückstag bei kaum 2.500 Punkten. Da nahm dieser "Crash" die Creme-Füllung aus dem Markt und er ließ den Reichtum der Aktionäre an einem einzigen Tag um ungefähr eine halbe Billion Dollar zusammenschrumpfen.
Eine ganze Reihe von Faktoren führte zu diesem großen Einbruch, wie die Analysten schnell erkannten – einer davon tat sich in besonders schillernder Weise hervor.
In den frühen achtziger Jahren wollten sich die Anleger, immer noch angegriffen durch den Bärenmarkt zwischen 1966 und 1982, vor zukünftigen Verlusten schützen und sie wandten sich den "Program Trading" Methoden zu, die bei einem Rückgang automatisch verkauften, um das Kapital zu bewahren. Würde der Markt auch weiterhin fallen, verlegte man sich sofort auf Put-Optionen, um sich von den Verlusten zu erholen. Das wurde als "Portfolio Versicherung" bezeichnet und auf dem Papier klang es ganz wunderbar. Aber je weiter sich dieser Schutz verbreitete, desto mehr verbreiteten sich auch die Risiken. Ein Anleger kann sich letzten Endes nur dann schützen, wenn er jemanden findet, der die andere Seite des Trades übernimmt. Wer verkauft noch Put-Optionen zu einem vernünftigen Preis, wenn der gesamte Markt plötzlich fällt? Und wer wird die Aktien in einem fallenden Markt kaufen?
Der amerikanische Markt stellte natürlich keine isolierte Katastrophe dar. Überall auf der Welt brachen die Märkte zusammen – selbst dort, wo es keine "Program Trading" Methode und keine "Portfolio-Versicherungen" gab. Australien brach um 41 % ein, Hong Kong um 45 %.
Bis heute weiß niemand, warum die Aktien an diesem Tag eingebrochen sind ... und warum sie so scharf eingebrochen sind. Wenn man sie heute danach fragt, dann berichten die Anleger oft, dass sie "verkauften, weil alle verkauft haben". Die Leute waren durch den Crash vollständig verwirrt. Die Zeitungen berichteten von mindestens einem Kunden, der in das Büro seines Aktienbrokers kam und anfing, auf ihn zu schießen. Einige Broker wurden in dieser Zeit ermordet. Die Märkte schlossen früh und die überlebenden Broker schlossen die Türen.
Alan Greenspan hat schnell reagiert und einige Basispunkte von der Fed Funds Rate weggenommen. Rückblickend sieht es so aus, als sei das nicht nötig gewesen. Als der Crash vorbei war und der Staub sich gelegt hatte, gewannen die Anleger ihre Nerven schnell wieder. Innerhalb von fünf Wochen, waren die Aktienpreise in einem neuen Bullenmarkt. Dieser Bullenmarkt ließ die Preise wieder auf über die 2.500 Marke steigen und führte dazu, dass sie zwölf Jahre später in Richtung der 12.000er Marke drängten.
Noch wichtiger ist, dass Greenspan Rückenwind hatte. Er wusste es jedoch nicht. Er hat damals nicht verstanden, dass das Barometer stieg, dass die Inflation sich besänftigte und dass sich die Zinssätze auf einem sonnigen, langfristigen Abwärtskurs befanden. Er hat stattdessen sein Schlechtwetterzeug angezogen, sein Kinn in den Wind gestreckt und begonnen in die falsche Richtung zu segeln.
Als er den obersten Posten bei der Fed übernahm, fing er damit an, die Zinssätze anzuziehen, ein Prozess, der nur kurz während des Crashs 1987 unterbrochen wurde. Der Meister hob die Zinsen von 6 % am Anfang auf fast 10 % 1989 an. Die höheren Kosten für die Kredite führten womöglich zur Rezession von 1990. Der ältere Bush glaubte, dass Greenspan ihn die Wahl gekostet hatte. Hilary Clinton scheint auch davon auszugehen. Nachdem die Wahl an ihren Mann ging, entschloss sie sich bei der Amteinsetzung den Platz neben Greenspan einzunehmen. Und in der Mitte der Beiden regierte Bill Clinton die Nation in den nächsten acht Jahren.
Fast am gleichen Tag, an dem er seinen Posten besetzte, brach der Aktienmarkt in Tokio zusammen. Später erhielt der Trend der gesenkten Kreditkosten einen weiteren Auftrieb aus dem Ausland. In den Neunzigern versuchten die Japaner so verzweifelt, den Zauber zurückzubekommen, dass ihnen kein Mittel heilig war und sie unter anderem auch anfingen, Geld ohne jegliche Zinsen zu verleihen. Das führte zum "Carry Trade", bei dem die Spekulanten zu sehr geringen Zinssätzen von den Japanern Geld liehen und das Geld dort hinbrachten, wo es ihnen die höchsten Gewinne verschaffen würde. In den Neunzigern wurde dieses Geld oft am amerikanischen Markt angelegt. Seit 2000 sind die aufstrebenden Märkte und Immobilien die bevorzugten Anlagemöglichkeiten. Noch vor kurzem konnten die Spekulanten Geld in Japan leihen und es in amerikanische Schatzanleihen stecken. Es wirkte wie ein Kinderspiel.
Als Alan Greenspan zur Fed kam, lag der Dow bei unter 2.000 Punkten und eine gewöhnliche Hypothek über dreißig Jahre bei über 11 %. Als ich Mitte letzter Woche danach guckte, lag der Dow bei fast 11.000 und die Hypotheken hatten gerade mit 6,24 % ein Dreijahreshoch erreicht, nachdem sie zuvor auf einen Tiefstwert von knapp 6 % eingebrochen waren. Wann genau der Trend in Richtung geringerer Zinssätze endete, weiß ich nicht – vielleicht 2003 oder 2004. Einige Leute meinen, er hätte noch immer nicht geendet, aber selbst wenn die Zinssätze noch weiter fallen ist es unwahrscheinlich, dass sie es aus den gleichen erfreulichen Gründen tun oder mit den gleichen vorteilhaften Ergebnissen, die Alan Greenspan im Amt begrüßten.
Der Wind hat sich gedreht. Die Anleger, die 1987 besorgt und sprunghaft waren, sind heute zufrieden und zuversichtlich. Diejenigen, die in Panik ausbrachen, als der Dow die 2.500er Marke erreichte bleiben heute selbst bei 11.000 Punkten ruhig. Der Markt der Kreditderivate existierte 1987 noch kaum. Heute hat er einen Wert von 12 Billionen Dollar. Und die Hausbesitzer, die sich damals fragten, wie sie ihre Hypotheken von 50.000 Dollar abbezahlen sollten, leihen sich heute, zwanzig Jahre später, 200.000 Dollar ohne die Absicht zu haben, diese jemals wieder zurückzuzahlen.
Bernankes Prüfung steht bevor. Auch er wird seine Möglichkeiten kriegen, die Sache zu verpfuschen. Wird der Aktienmarkt einbrechen? Ich weiß es nicht. Aber wenn es passiert, dann hat er wesentlich mehr Höhe zu fallen, als 1987. Wird der Markt der Derivate schmelzen? Wer weiß das schon? Aber falls es so ist, wird es sehr schwer werden, zu zahlen. Wird der Dollar einbrechen ... oder der Anleihenmarkt in die Knie gehen? Frage Sie nicht mich. Ich stelle einfach nur fest, dass die Gefahren und die Risiken, denen Alan Greenspan 1987 gegenüberstand, heute für Bernanke um ein Vielfaches größer sind. An seinem ersten Tag im Amt hatte er ungefähr 15 Millionen Dollar mehr Schulden, um die er sich Sorgen machen konnte, eine Sparrate, die man seit 1933 nicht mehr gesehen hatte, Hypothekensätze aus der Zeit Kennedys und 200 Basispunkte weniger, die er kürzen konnte.
Ihm scheint das nicht aufzufallen.
Und dazu kommt, dass die Wolken dichter werden und die Hurrikane alles durch die Gegend wirbeln. Die Bank of Japan hebt die Zinssätze an. Die Hauspreise stabilisieren sich oder sinken. Ben Bernanke wird vermutlich einen Regenschirm brauchen.