Die größten Fehler des letzten Jahrhunderts
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Paris in Investors Daily
vom 13. Mai 2004 18:00 Uhr
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*** Nun, eigentlich bin ich momentan gar nicht in Paris. Denn ich bin auf dem Weg nach Las Vegas, wo ich ein paar Reden halten werde ... und die Gelegenheit nutzen will, um ein paar alte Freunde zu treffen. Wenn Sie gerade zufällig ebenfalls dort sein sollten – vielleicht treffen wir uns ja dort?
*** Wenn man die amerikanischen Zeitungen liest, entdeckt man immer noch eine weit verbreitete Unterstützung für die Außenpolitik von Präsident Bush. Die vorherrschende Meinung im gestrigen Herald Tribune war unerschütterlicher Optimismus: "Es ist wahr, nicht alles läuft so wie es laufen sollte", waren sich die Kommentatoren einig, "aber trotzdem sind wir überzeugt davon, dass sie das Richtige machen".
Richtig? Falsch? Ich habe keine Ahnung, wie das enden wird. Aber es fällt schon auf, wie widerwillig die Masse ihre innere Überzeugung über den Haufen wirft – selbst wenn sie noch so grotesk ist.
Beispielsweise ist die Vorstellung absurd, dass durchschnittliche Investoren dadurch reich werden, dass sie die Aktien oder Häuser von anderen durchschnittlichen Investoren kaufen. Betrachtet man diese Investoren als eine Gruppe, dann verdient diese Gruppe keinen einzigen Cent dadurch, dass sie sich gegenseitig ihre Aktien und Häuser verkauft.
Immer noch geben die Menschen ihren Glauben an Aktien nicht auf. Am Montag fiel der Dow Jones unter 10 000 Punkte. Die Aktien haben keinen höheren Wert als vor sechs Jahren. Und jetzt scheint es mit den Aktienkursen abwärts zu gehen. Aber die Investoren bleiben dran, sie glauben immer noch an die Aktien ...
Und sie glauben ebenfalls an ihre Regierung.
Als ich am Bahnhof an einem Zeitschriftenkiosk halt machte, fiel mir ein deutsches Hochglanzmagazin ins Auge. "Die größten Fehler des letzten Jahrhunderts", so lautete der Titel des Covers, wenn ich mich richtig erinnere. Die Fotos sagten alles. Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, Konzentrationslager usw. Für Katastrophen haben die Deutschen eine besondere Begabung.
Aber wir sind in einem neuen Jahrhundert. Katastrophen scheinen ausgewandert zu sein. Heutzutage scheinen sie einen amerikanischen Pass zu haben.
Niemand weiß, was passieren wird. Aber auch George W. Bush scheint den größten Fehler der amerikanischen Geschichte gemacht zu haben. Tausende sind im "Abenteuer Irak" umgekommen – ohne triftigen Grund. Die Kriegskosten steigen, sie wurden heute Morgen auf 300 Milliarden US$ geschätzt. Der Integrität des amerikanischen Militärs hat die ganze Aktion nur geschadet. Die moralische Begründung für diese "Zivilisations-Mission" ist hinfällig.
Aber je mehr Schaden ein Präsident anrichtet, umso mehr lieben ihn seine Wähler. Bush hat den Status noch nicht erreicht, Amerikas größte Katastrophe ausgelöst zu haben – mit Lincolns Bürgerkrieg und Wilsons Eintritt in den Ersten Weltkrieg kann er noch nicht mithalten – aber wenn er weiter so macht, wird auch er noch ein Gedenkporträt am Mount Rushmore erhalten