Die größten Exportgüter der USA: Der Dollar und Arbeitsplätze
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 02. Juli 2003 18:00 Uhr
ENL5454
"Technologie-Jobs gehen nach Übersee", so eine Schlagzeile aus Atlanta.
Die amerikanischen Politiker sind mit der Aufteilung der Arbeit in der Weltwirtschaft perfekt einverstanden: Der Rest der Welt produziert, und Amerika nimmt. Die anderen Länder produzieren Jobs, Gewinne und Produkte; die USA produzieren Dollar, mit denen sie dafür bezahlen. Die Ausländer exportieren Autos und großformatige Fernseher; die Amerikaner exportieren ihre Währung und Arbeitsplätze. Das ist es, was Amerika zum reichsten Land der Welt macht – so hat es vor kurzem ein halbverrückter amerikanischer Ökonom erklärt –, denn Reichtum wird daran gemessen, wie viel man konsumiert, und nicht daran, wie viel man verdient!
Da haben Sie es, liebe(r) Leser(in): Den Weg zum Reichtum. Einfach die Konsumstraße entlangfahren ... dann in den Insolvenzweg abbiegen ... und dann schließlich noch mal links in die Straße des Ruins.
Lebt über Eure Verhältnisse. Gebt mehr aus, als Ihr Euch leisten könnt. Konsumiert mehr als Ihr produziert. Diejenigen unter uns, die keine Druckerpresse für Dollar haben, werden es schwerer haben. Diese müssten ihre Ausgaben zurückführen und Schulden abbezahlen. Aber das System des Dollarstandards hat es den USA ermöglicht, das nicht zu müssen. Die Generation, die mit dem Dollarstandard aufgewachsen ist, kommt in den USA jetzt ins Rentenalter – diese Generation ist fett und davon überzeugt, dass sie es bis ins Grab auf Kosten der Ausländer schaffen werden.
Diese Generation wird durch dubiose Ökonomen in dieser Ansicht noch bestärkt: Sie glauben, dass die Ausländer gar keine andere Wahl haben, als US-Aktien und Anleihen zu kaufen. Und dass der Fluss von ausländischen Ersparnissen in Dollar-Vermögensanlagen keine Schwäche des US-Systems zeigt, sondern eine Stärke. Die Ausländer bauen Fabriken, schaffen Arbeitsplätze, produzieren wertvolle Güter, machen Gewinne ... was sonst könnten sie tun, als das Geld ihren Kunden zu leihen? Nebenbei weiß doch auch jeder dass die US-Wirtschaft die beste der Welt ist. Ist das Leistungsbilanzdefizit der USA nicht ein Maßstab dafür, wie die Welt die US-Wirtschaft verehrt?
Aber irgendetwas läuft schief. Die zentrale Säule des gesamten Systems – der Dollar – schwankt. Die Ausländer mögen zwar bereit sein, US-Anleihen zu kaufen ... aber niemand garantiert, dass sie das zu jedem Wechselkurs tun werden. Oder zu den niedrigsten Renditen seit fast 50 Jahren.
Wenn die Ausländer herausfinden, was Fed-Gouverneur Bernanke und seine Leute mit dem Dollar vorhaben, dann könnte sich ihre Bewunderung in Verachtung verwandeln. Sie werden dann zwar vielleicht nicht ihre gesamten Dollar-Anleihen sofort verkaufen – aber sie werden fast sicher ein oder zwei Prozentpunkte mehr Rendite haben wollen, nur für alle Fälle. Und diese kleine Aufwärtsbewegung bei den Zinsen könnte katastrophale Folgen für den US-Immobilienmarkt haben ... und die gesamte amerikanische Wirtschaft. Plötzlich wird eine ganze Generation von großen Konsumenten Probleme haben ...