Die Griechen und die Gretchenfrage
Miriam Kraus in Rohstoff Daily
vom 2. November 2011, 20:30 Uhr
ENL5454
Angesichts all dessen, wovor man so Angst haben kann, darf man sich schon fragen, ob der Papandreou verrückt geworden ist. Unterstellen wir einmal das dem nicht so ist, beschäftigen uns aber zunächst damit, welche möglichen Szenarien eigentlich auf die Griechen zukämen.
Variante 1: die Griechen bleiben im Euro und unter der Fuchtel der Euro-Häuptlinge
Dann müssen sie ihr Sparpaket durchziehen und dabei zusehen, wie ihre Wirtschaft weiter abschmiert. Gleichzeitig müssen sie aber auch dringend notwendige Reformen umsetzen, die dazu angedacht sind, (hoffentlich) später einmal einen fruchtbaren Nährboden für Investitionen und damit ihre Wirtschaft zu sähen.
Variante 2: die Griechen erklären den Default und verlassen den Euro
Das dürfte das Land aber erst einmal noch heftiger zurück werfen. Während die griechische Wirtschaft einen noch stärkeren Schlag vor die Kniescheibe bekommt, sind die Griechen dann vorerst vom Kapitalmarkt völlig abgeschnitten, während ihre Banken zusammenbrechen. Sicher, das könnte dazu führen, dass die dringend notwendigen Reformen schneller durchgeführt werden - ABER, dafür gibt es keine Garantie. Ich befürchte, dass dieser Prozess in diesem Fall sogar noch länger dauern und den Griechen evtl. sogar noch mehr als ein verlorenes Jahrzehnt bevor stehen könnte. Und auch die dann enorm schwache Drachme kann nicht zwangsläufig für ein etwaiges positives Ergebnis herhalten. Denn, damit die Exportwirtschaft von einer schwachen Drachme profitieren kann, muss man erst einmal eine funktionierende Exportwirtschaft haben. Doch so lange die strukturellen Reformen nicht durchgeführt worden sind, werden auch die Investoren den Griechen nicht gerade die Türen einrennen.
Somit sind beide Varianten für die Griechen eigentlich nicht gerade vorteilhaft...
Dagegen bestünde eine Variante, die den Griechen gefallen sollte:
Variante 3: die Griechen schulden geordnet um, bekommen weiter ihre Finanzgelder, bleiben im Euro, aber die Troika schraubt ihre Sparansprüche zurück
Wenn Papandreou tatsächlich einen Plan haben sollte, würde ich darauf wetten, dass er vielleicht genau das im Sinn hat. Was dann in etwa einer Erpressung der anderen EU-Häuptlinge gleich käme.
Und wenn sein Plan aufgehen sollte und die Troika rechtzeitig einknickt, dann lässt er seine Griechen nicht über das Sparpaket sondern über die Frage, ob sie im Euro bleiben wollen, abstimmen. Umfragen zufolge, wollen 75% der Griechen den Euro-Raum nämlich nicht verlassen.
....
Klar, das ist jetzt nur ein Gedankenspiel von mir....aber hey, Griechen-Häuptling, falls du diese Zeilen lesen solltest und noch nicht selbst drauf gekommen bist... kannst ja mal drüber nachdenken. ;-)
So long liebe Leser...soviel von meiner Seite...wie gesagt, das ist nur ein Gedankenspiel...sollten Sie ebenfalls so einige Varianten im Kopf durchspielen, würde ich mich freuen, wenn sie uns (also allen anderen Lesern und mir) diese mitteilen...natürlich wartet schlussendlich auch weiterhin die Gretchenfrage, nach dem unbedingten Für oder Gegen die Zone auf uns alle...vielleicht werden es die Griechen sein, die diese zuerst beantworten...aber sollten die Griechen tatsächlich den Euro-Raum verlassen, dann werden wir nicht mehr viel Zeit haben, um die Frage zu beantworten...denn, wenn wir dann weiter zögern kommt das einem Nein gleich...na ja, am Ende könnten wir vielleicht doch noch mit Österreich, Luxemburg und den Niederlanden und evtl. Finnland eine Münzunion bilden...nur werden wir uns dann erst einmal von den Schockwellen in Finanzsystem und Weltwirtschaft erholen müssen...aber falls das ein Trost ist: ich gehe davon aus, dass die deutsche Wirtschaft mit ihrer hohen Wettbewerbsfähigkeit die Schocks schneller übersteht, was aber nicht zwangsläufig heißen muss, dass das dann besonders schnell ist oder die Übergangsphase auch nur ansatzweise schön wird, aber wir können endlich mehr Wert auf Binnenkonjunktur und fernere Absatzmärkte legen und sollten nicht vergessen, langfristig unser chinesisch aufzupolieren...;-)....bis morgen und liebe Grüße...
Ihre Miriam Kraus
Zum ersten Teil von: Warum die Basisdemokratie Politik und Märkte schockt
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von desperado (02.11. 2011 21:36 Uhr):
All das wird keine große Rolle mehr spielen, da das Britische Empire gerade davei ist einen weiteren, den dritten Weltkrieg anzuzetteln. Wir werden in Zukunft (?) ganz andere Sorgen haben.
Antworten - Kommentar von christina (03.11. 2011 00:25 Uhr):
vergiss das EUR-konglomerat ! ich denke an Argentinien 2001. und an die USD-koppelung, welche sich als Illusion mit Absturz herauskristallisierte... nachdem alles brauchbare privatisiert war ergo das investoreninteresse weg.... Will man das in GRIECHENLAND ? die Inseln verschachern,das Weltkulturerbe dazu, auf dass , "es lebe der EURO" ? Griechenland braucht Zeit, ohne EUR..!!! ps:heute ist Argentinien drittstärkste Nation Lateinamerikas - weil man sie einfach in ruhe gesunden liess. GR wird ein "ohne Eur" überstehn wenn man sie nur lässt - hoffentlich ist die EU-diktatur noch nicht schlagfähig genug,das zu verhindern.
Antworten - Kommentar von Manfred Kirschner (03.11. 2011 07:55 Uhr):
Hallo Miriam Kraus, endlich ein Funken von Demokratie in Griechenland. Es wird Zeit das die Völker der Welt entscheiden wie es weiter geht und nicht nur in Griechenland. Griechenland sollte aus dem Euro austreten und wieder eine eigene Währung einführen. Natürlich versetzt so ein Szenario die Angie und den Sarkozy in Panik, denn französische und deutsche Banken müssen gerettet werden, aber was die alle nicht verstehen wollen oder können ist, dass sie alles nur noch schlimmer machen und das geht so seit Anfang dieser Krise (Sommer 2007). Es wird ein vollkommen neues Finanzsystem geben und das ist gut so, denn das alte System eines rücksichtslosen Kaptalismus ist restlos gescheitert. Die Banken müssen zurück zu ihrem Kerngeschäft, Vergabe von Krediten für Unternehmen und Privatleute und keine Zockerei von Banken rund um diesen Planeten. Es muss ausgeschlossen werden, dass irgendjemand auf Agrarprodukte zocken kann und somit den Hunger von Millionen Menschen noch fördert.
Antworten