Die Gretchenfrage
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 15. Februar 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
Griechenland helfen - ja oder nein?! Fragt man die Bundesbürger so sprechen sie sich (einer Emnid-Umfrage zufolge) mit überwältigender Mehrheit (logischerweise) dagegen aus. Interessanterweise sind sogar 53% der Deutschen für einen Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone.
Meine persönliche Meinung: auch ich habe ein Problem damit, deutsche Steuergelder zu verwenden um die Griechen am Streiken zu halten. Obwohl das technisch sogar möglich wäre, trotz Artikel 125 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (der einen solchen Bailout eigentlich verbietet). Im Vertrag von Lissabon heißt es nämlich, dass eine Regierung einer anderen durchaus finanziell beistehen kann, wenn Umstände eintreten, die sich völlig der Kontrolle der hilfsbedürftigen Regierung entziehen. Sicher, eigentlich zielt das auf Hilfe bei Naturkatastrophen oder Ähnlichem ab...aber na, ja!
Zudem ergibt sich da noch ein ganz anderes Problem: Griechenland ist nämlich nicht der einzige Staat (und vor allem nicht der einzige im Euro-Raum) mit Finanzproblemen. Auch Italien, Spanien, Portugal, Irland, Belgien haben so ihre Schulden und Probleme zu tragen. Wenn man einem hilft, müsste man dann nicht auch allen andere helfen?!
Ehrlich gesagt: Nein! Meiner Meinung nach müsste man keinem finanziell aushelfen, denn schließlich bestehen in keinem dieser Länder die Probleme erst seit heute oder gestern. Der einzige Unterschied ist, dass der Markt im Moment über der Eurozone kreist wie ein Raubvogel! Und offensichtlich genug Angst einjagt um die Euro-Hasen zu erschrecken.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte die Situation in Griechenland nicht beschönigen. Die Griechen haben jetzt einen harten Weg vor sich - aber genau den müssen sie auch gehen! Sparen, sparen und nochmals sparen, liebe Griechen und gebt jetzt bitte endlich eure Streikerei auf!
Griechenland jetzt aber aus dem Euro auszuschließen würde wiederum ein gefährliches Signal setzen. Luxemburgs Juncker verweist hier auf einen Image-Verlust! Wenn es nur das wäre.....was er nämlich nicht sagen will: Viele würde hierin den Beginn vom Ende des Euro sehen.
Überhaupt der Euro - der aktuelle Leidtragende der ganzen Misere! Unter 1,36 ist EUR/USD schon wieder gefallen. Der Vertrauensverlust ist groß - und so fließen die Gelder aus dem Euroraum raus und (mangels Alternativen) in den US-Dollar hinein.
Zum Abschluss...
...bleibt mir nicht vielmehr zu sagen, als dass ich mit Spannung auf die Ergebnisse des heutigen Euro-Finanzminister-Treffens warte. Ich bin sehr gespannt, wie man mit dem heiklen Spagat umgehen wird. Auf der einen Seite denkt man hier an den Euro und will natürlich den kreisenden Markt beruhigen, auf der anderen Seite sollte man sich nicht dem Markt wie ein hilfloses Opfertier zu Füßen werfen.
Damit verabschiede ich mich für heute mit diesem kleinen Exkurs und wünsche Ihnen noch einen frohen Narren-Tag....bis morgen
Ihre Miriam Kraus
Zum ersten Teil von: Euro-Zone – Quo vadis?ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Papp Ernoene Ungarn (16.02. 2010 01:20 Uhr):
Sehr geehrte Frau Miriam Kraus! Ich denke, dass man klare Verhältnisse schaffen muss. Und dass es nur dann geschehen kann, falls die Schuldner, die bewusst die EU, und die gemeinsame Währung mit Unterschlagungen, Praktiken gefährdet haben, aus der EU und Euro-Raum ausgetoßen werden. Damit würde die EU der ganzen Welt Stärke zeigen gegenüber den Schuldnern, den Hinterziehern. Was wiederum aber das Ansehen des Euros in der ganzen Welt stärken würde. In dem Deutschland Griechenland Hilfe leistet, damit zeigt Deutschland ja, dass es mit Griechenland in einem Schiff sitzt. Und das wirft kein gutes Bild auf Deutschland, und auf das Euro. Nicht zu reden davon, dass Deutschland einerseits ihren Bürgern immer größere Steuern aufbürdet. Und sollte Deutschland Griechenland Hilfe leisten, müssten es ja noch höhere Steuerlasten für die Bürger geben. Und das wäre meiner Ansicht nach immoralisch. Absolut. Denn Griechenland hat bewusst diesen Betrug unternommen. Warum muss dann Deutschland Betrüger auch noch unterstützen zur Lasten der deutschen Bürgern. Ich bin dadurch in keiner Weise betroffen, denn ich bin eine Ungarin, und in Ungarn gibt es noch keinen Euro. Ich fühle mich aber durch solch einen verlogenen System bedroht, der Betrüger auf Kosten von ehrlichen Bürgern unterstützt. Und auf der anderen Seite unter einer Verfolgungswahn illegale CD-Dateien kauft, um seine Bürger noch mehr Angst einzujagen. Das ganze finde ich absolut unmoralisch. Und es wirft weder auf den Euro, noch auf die Eu-Raum positiv. Positiv würde es jedoch sein, falls alle Eu Staaten, die solche Hinterziehuungen gemacht haben, aus der Eurozone, und aus der EU ausgeschlossen wären. Das würde nämlich klare Verhältnisse schaffen, und dann würden ausländische Investoren wieder Euros kaufen anstatt US Dollars. Denn er weiß, dass das Euro frei von solchen Hinterziehern ist. Ich habe deshalb in Mehrzahl geschrieben, denn ich habe gestern und heute schon etliche amerikanische Nachrichten gelesen, wo davon die Rede war, dass Goldman Sachs Methode nicht nur von Griechenland angewendet wurde, sondern von anderen EURO-Staaten auch. Ich hoffe, dass am Ende der Moral siegen wird, und siegen muss. Und dann werden vielleicht auch die deutsche Bürger auch nicht daran denken, ihr Gespartes Geld vor dem Staat zu verstecken. Mit freundlichen Grüßen
Antworten - Kommentar von Andre Kannengiesser (16.02. 2010 10:34 Uhr):
Sehr geehrte Frau Kraus, vielleicht hat Griechenland ja eine CD, die an Deutschland verkauft werden kann ;-)). Kleiner Scherz am Rande... Ich denke jedem sollte klar sein, dass wir keinen Staat so einfach aus der Währungsunion hinauswerfen können. Mal abgesehen von den bürokratischen und juristischen Hindernissen, würde dies auch die restlichen Länder der Währungsunion immense Summen und Ressourcen kosten. Viel wichtiger wäre es ein Zeichen zu setzen und die Verantwortlichen schonungslos an zu klagen. Jeder der bei solchen Betrügereien mitmacht, soll sich der Gefahren bewusst sein. Dazu gehört nicht nur die Verfolgung der verantwortlichen Politiker und Banker, sondern auch die Einstellung von Zahlungen an die "Goldmänner", da dies ein illegales Geschäft war. Nur wenn man die Drahtzieher am Geldbeutel trifft und Haftstrafen drohen, wird man solche Praktiken in Zukunft eindämmen können. Das wäre auch eine Warnung an alle anderen Staaten, die solche "kreativen" Finanzierungsinstrumente nutzen. Die Hauptverantwortlichen sitzen meiner Meinung nach bei den Banken, die solche Geschäfte mitmachen oder sogar erfinden. Und was in Banken zur Gewinnmaximierung alles gemacht wird, wurde in letzter Zeit ja ausreichend beleuchtet. Herzliche Grüße,
Antworten - Kommentar von michael hufner (16.02. 2010 12:55 Uhr):
Miriam Kraus hat Recht und es ist wie immer wohltuend ihre Kommentare zu lesen. Nur die Schlussfolgerung sehe ich ein wenig anders. Der Euro ist bei 1,36 immer noch voellig ueberbewertet und erst bei 1:1 sehe ich eine gerechte Bewertung zum USD. Das wuerde auch unserer Exportwirtschaft wieder mehr helfen, es waere sogar zu hoffen der Euro wird noch schwaecher, sagen wir 80 cent. Dem Markt passt das nicht, aber auch nur weil er den USD geshortet hat . Dazu passen auch die fundamental nicht gerechtfertigten hohen Oelpreise oder die der Edelmetalle. Ach ja, eine Hilfe fuer Griechenland und in der Folge fuer Spanien,Portugal etc. kann niemand ernsthaft wollen, dann schon ,lieber den Euro kollabieren lassen.
Antworten - Kommentar von Lamberts (18.02. 2010 00:59 Uhr):
Hallo Miriam, warum soll das dem Euro überhaupt schaden wenn Euros aus einem Staat geraubt werden, hat je ein großer Bankraub der Währung geschadet ?? Sckließlich legen die Milliardenräuber ihre Beute ja irgegendwo an; wenn auch nicht bei der notleidenden Bevölkerung. Zudem werden Milliardenräuber überall ehrenvoll empfangen, können sich viele tausend Richter, Staatsanwelte und schöne Frauen kaufen usw. Fragen Sie mal einen kleinen Polizisten ob er wagen würde, einen Milliardenmafiosi um ein Trinkgeld anzugehen . . . Wir werden sicher bald sehen wie alle amtierenden EU-Politiker vor den griechischen Millardenräubern auf dem Bauch ...... - Die sitzen da in Brüssel nicht rum - die suchen das Loch zum kriechen !!!!!!!!!!! Ob das irgend ein Journalist so auch der öffentlichkeit vermitteln wird, wenigstens im Internett ? oder ist das zu gefährlich ? müssen Sie den Leuten was anderes plausiebel machen (für wieviel 100000tstel Beuteanteil ) ? liebe Grüße Lamberts
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