Die Grenze ist erreicht
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 31. Januar 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Die Humbug-Serie geht weiter – beim "Blubberfest" in Davos hat ein neuer Tag begonnen.
Die Zeitungen berichten pflichtbewusst das Neueste: Mehr Hilfe für Afrika! Stoppt den Klimawechsel! Eine neue Lösung für Palästina!
Aber kann man diesen Idealisten wirklich Vorwürfe machen? Sicher, viel von dem, was sie vorschlagen, ist hoffnungslos unrealistisch. Aber versuchen sie nicht zumindest, unseren Planeten zu verbessern?
Ja und nein.
Ein paar Milliarden für dieses Projekt, ... ein paar mehr für jenes. Aber nicht ein Cent aus den Taschen von denen, die diese Dinge fordern und in Davos Kaviar und Champagner genießen – normalerweise auf anderer Leute Kosten. Mit ein paar bemerkenswerten Ausnahmen – darunter Bill Gates – hat niemand der Leute in Davos den Planeten jemals besser gemacht.
Sie fordern ein Ende des Hungers auf der Welt – aber niemand von ihnen hat eine einzige Steckrübe gepflanzt. Sie wollen die Afrikaner aus der Armut holen – aber wer von ihnen hat jemals ein Unternehmen auf dem Schwarzen Kontinent gegründet oder dort eine Brücke gebaut? Sie sagen, dass sie Frieden wollen, aber fast jeder schlägt vor, sich in die Angelegenheiten von anderen einzumischen – was fast sicher ab einem bestimmten Punkt zu einem Ausbruch von Gewalt führen wird.
Nein, liebe(r) Leser(in), diese Leute tun nichts Gutes. Sie tun etwas Gutes – für sich selbst.
Aber beim Investor's Daily geht es um Geld; ich muss mich daran erinnern. Und diese Welt des Geldes scheint still zu stehen.
Der Euro ist bei mehr oder weniger 1,30 Dollar festgefroren.
Der Dow Jones steht mehr oder weniger bei 10.400.
Der Goldpreis steckt bei rund 425 Dollar fest.
Eine wirklich wichtige Nachrichtig aus Davos war eine Rede: Der chinesische Volkswirt Fan Gang teilte der Welt mit, dass die Tage des Dollars gezählt seien. Der Greenback werde seine "Abwertung" nicht aufhören, sagte er. Deshalb wird China seine Devisenreserven auf andere Weise anlegen.
Amerika braucht verzweifelt die Zusammenarbeit mit China. Das amerikanische Leistungsbilanzdefizit steht bei einem Rekordhoch von 650 Milliarden Dollar. Es ist also größer, als es vor dem Rückgang des Dollars war. Und auch das US-Haushaltsdefizit ist auf Kurs für ein neues Rekordhoch – bei ungefähr 427 Milliarden Dollar in diesem Jahr. Und laut aktuellen Berichten werden 83 % dieses Defizits durch ausländische Zentralbanken finanziert. Diese Banken in Übersee halten bereits US-Staatsanleihen im Volumen von mehr als 1 Billionen Dollar. Alleine in Tokio und Peking werden US-Staatsanleihen im Volumen von 906 Milliarden Dollar gehalten.
Es gibt eine Grenze, so Alan Greenspan vor ein paar Monaten, "für die Bereitschaft der ausländischen Regierungen, das US-Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren." Fan Gang schien zu sagen, dass diese Grenze erreicht sei.