Die Gewinner und Verlierer der neuen US-Gesundheitsreform
Marc Lichtenfeld (US-Korrespondent) in Investoren Wissen
vom 24. Dezember 2009, 16:00 Uhr
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laut einer Thomson Reuters Umfrage sind 59,9% der Amerikaner für eine staatliche Krankenversicherung gegenüber 40%, welche dagegen sind.
Bei einer Wahl wäre dies ein klarer Sieg.
Doch trotz des Umstandes, dass die „Main Street" [die Breite Masse der Bürger, Anm. d. Ü] tatsächlich für die Krankenversicherung ist, entfernte der Senat diese aus seiner Version des Gesundheitsreformgesetz.
„Business as usual" [etwa: es läuft so wie immer, Anm. d. Ü.] in Washington.
Aber trotz des aktuellen Wirbels im Kongress und den Experten, welche genug heiße Luft produzieren, um das globale Klima zu beeinflussen, wird die Gesundheitsreform wahrscheinlich kommen.
Unabhängig davon wird letztendlich eine staatliche Krankenversicherung eingeführt werden. Jedoch wird die Wall Street wahrscheinlich negativ auf jede Systemänderung reagieren und Gesundheitsunternehmen sowie Investoren sind besorgt, dass die Reform vielen Firmen im Sektor wehtun wird.
Nun, ich denke sie sollten keine Angst haben. In vielen Fällen werden die höheren Verkaufsvolumen die Einschnitte der Anbieter im Gesundheitswesen ausgleichen. Im Grunde genommen bedeuten doch mehr Versicherte auch, dass diese mehr Pillen nehmen, in Krankenhäusern bleiben, Eingriffe haben, etc.
Schauen wir uns an, wie sich verschiedene Gruppen der Gesundheitsindustrie im Jahr 2010 entwickeln könnten...
Die Gewinner der Gesundheitsreform
- Big Pharma: Auf Schmusekurs mit dem Weißen Haus
Die pharmazeutischen Forschungs- und Herstellerunternehmen, der Branchenverband zu dem Medikamentenriesen wie Pfizer (NYSE: PFE) und Merck (NYSE: MRK) gehören, verschwendete bei einer Vereinbarung bezüglich der Gesundheitsreform mit dem Weißen Haus kaum Zeit.
Als Entschädigung dafür, dass die großen Pharmafirmen ihre Medikamentenpreise in den nächsten 10 Jahren um 80 Mrd. senken müssen, versicherte die Regierung, der pharmazeutischen Industrie keine Preiskontrollen aufzuzwingen und günstigere ausländische Medikamente weiterhin nicht zu importieren.
Jedoch versuchen einige Senatoren aus der Vereinbarung auszusteigen um auf diesem Wege Medikamente zu geringeren Kosten zu importieren. Das könnte zu Konflikten zwischen Gesetzgeber und den Pharmafirmen führen, aber ich denke, dass das Originalabkommen (oder ähnliches) dasjenige sein wird, welchem beide Seiten zustimmen werden.
Was also Big Pharma aufgrund der Preissenkungen verlieren wird, sollte durch die zusätzlichen Patienten, welche nun verschreibungspflichtige Medikamente kaufen können, ausgeglichen werden. Die Verantwortlichen der Pharmaunternehmen und ihre Lobbyisten sind nicht auf den Kopf gefallen. Es scheint so, als hätten sie ein zuckersüßes Abkommen geschlossen und damit eine Situation abgewendet, die sonst teils recht unschön hätte werden können.
Wenn diese Reform verabschiedet wird, werden Arzneimittelhersteller immer noch Gewinne einfahren. Das einzige Wachstumshindernis wird Innovation sein, aber nicht Onkel Sam.
- Biotech: Die Zukunft von Biotech sieht vielversprechend aus
Ein Sektor, welcher sich einigermaßen konstant durch die Reformtortur halten sollte, ist Biotech.
Ich glaube, Präsident Obama ist intelligent genug um zu wissen, dass es normalerweise beinahe $1Mrd. kostet und acht bis zehn Jahre dauert, ein erfolgreiches Biotechmedikament zu entwickeln. Ich glaube nicht, dass er die Fördergelder, welche Biotech Investoren brauchen, um solche Unternehmen zu gründen, einstellen wird.
Biotech könnte zu einem der wichtigsten Zugpferde beim Arbeitplatzwachstum in den Vereinigten Staaten werden. Zusätzlich zur Forschung und Entwicklung werden viele Biotech Medikamente immer noch in den Vereinigten Staaten produziert, um eine strenge Qualitätskontrolle zu gewährleisten und die Aufsichtsbehörden zu besänftigen.
Obwohl einige bekannte Biotech Medikamente wie Genentechs Krebsmedikament Avastin unter Druck geraten könnten, glaube ich, dass die meisten Biotech Unternehmen die Gesundheitsreform gut überstehen werden. Und Small-Cap Biotechfirmen, welche noch nicht einmal ein Medikament auf dem Markt haben, sollten von der Reform gar nicht betroffen sein.
- Technologie: Das medizinische „digitale Zeitalter" sollte Gutes für diese 3 Unternehmen verheißen
Ein anderer Bereich, in welchem die Regierung Fördergelder verteilt, ist die medizinische Aufzeichnung.
Der Gesundheitssektor braucht unbedingt einen Schub in ein moderneres, digitales Zeitalter, welches medizinisch-elektronische Aufzeichnungen beinhaltet. Und dieser Trend wird sich entweder mit Washingtons „paar Kröten" oder ohne weiter fortsetzen.
Medizinisch-elektronische Aufzeichnungen sollen die Fehler der Krankenhäuser und Ärzte reduzieren, indem sie sicherstellen, dass die Informationen des Patienten lesbar und in einer zentralen Adresse abrufbar sind.
Es gibt einige Unternehmen, welche bereit sind, von diesem Trend zu profitieren: Althenahealth (Nasdaq: ATHN) ist eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen. Andere in diesem Bereich sind McKesson (NYSE: MCK) und Cerner (Nasdaq: CERN).
(Am Dienstag folgt Teil 2 des Artikels)