Die Gewinner und Verlierer der neuen US-Gesundheitsreform (Teil 2)
Marc Lichtenfeld (US-Korrespondent) in Investoren Wissen
vom 29. Dezember 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
(Fortsetzung des Artikels vom letzten Donnerstag)
Die Verlierer der Gesundheitsreform
- Krankenhäuser und Hospize: Ausgabenkürzungen um die Umsatzziele zu erreichen
Ein Bereich, in welchem es der Regierung gelingen könnte, Ausgaben einzusparen, ist die Rückerstattung für Krankenhäuser, Hospize und Pflegeheime. Der aktuelle Gesetzesentwurf sieht eine Kürzung von $150 Mrd. bei den Rückvergütungen an diese Institutionen vor.
Obwohl die Krankenhäuser am stärksten betroffen sein könnten, werden sie im Gegenzug aufgrund weniger mittelloser Patienten (z.Z. verursachen diese hohe Notfallaufnahmekosten welche durch die Kliniken abgeschrieben werden müssen) auch von der Reform profitieren. Und mit einer größeren Anzahl an versicherten Personen werden die Krankenhäuser in Zukunft mehr solcher Kosten erstattet bekommen.
Es ist noch zu früh um sagen zu können, wie sich die Reform auf die Krankenhäuser auswirken wird. Ich denke, dass dies negativ, aber nicht verheerend sein wird. Auf der anderen Seite könnten Hospize und Pflegeheime mehr unter der Reform leiden, weil es ihnen schwer fallen dürfte, die wegbrechenden Umsätze auszugleichen.
- Versicherungen: Kampf des Wandels
Ich war noch niemals ein Fan von Krankenversicherungen. Es macht für mich keinen Sinn, in ein Unternehmen zu investieren, welches Gewinnmotiv darin liegt, den Zugang ihrer Kunden zu ihren Leistungen zu verweigern und dadurch die Kunden zu verärgern.
Dieser Sektor ist jetzt sogar noch weniger reizvoll und die Versicherer bangen, dass die Reform in Kraft tritt. So hat UnitedHealth Group (NYSE: UNH) seine Mitarbeiter dazu gedrängt, ihren Senatoren zu schreiben, um gegen die Reform zu wettern.
Tatsächlich hat UnitedHealth Group über $3,5 Millionen im September für Lobbyarbeit ausgegeben und die gesamte Versicherungsindustrie investierte über $120 Millionen, um Washington per Lobbyismus zu beeinflussen. Selbstverständlich sind sie gegen die Reform und geben somit riesige Geldsummen aus, um diese zu bekämpfen.
Diejenigen, welche sich an Medicare Advantage [vom US-Staat finanzierte Gesundheitsfürsorge für Menschen mit niedrigem Einkommen, Anm. d.Ü.] beteiligen, könnten sogar noch schlimmer betroffen sein. Gerade auch weil eine Überholung des Gesundheitswesen wahrscheinlich zu sinkenden Medicare Ausgaben, besonders bei Medicare Advantage, welches Beihilfen wie geringere Zuzahlungen und Mitgliedschaften in Fitnesstudios für über 11 Millionen Senioren bereitstellt, führen wird.
Die Gewinne von Unternehmen wie Humana (NYSE: HUM) und UnitedHealth Group, welche Medicare Advantage Pläne anbieten, könnten signifikant fallen. Laut Goldman Sachs erlangt Humana etwa 2/3 seiner Gewinne durch Medicare Advantage während UnitedHealth ungefähr 1/3 seiner Profite aus diesen Programmen erwirtschaftet.
Außerdem könnten die privaten Versicherer durch ein öffentliches System unter Konkurrenzdruck geraten oder gezwungen sein, Patienten, welche hohe Kosten verursachen und bei denen verschiedene Probleme und Symptome bereits bekannt sind, aufzunehmen. Das ist ein Sektor, von dem ich glaube, dass es es ihm nach Verabschiedung des Reformgesetzes nicht gut gehen wird.
Profitieren Sie von den Fehlern der Gesundheitsreform
Eine Sache scheint klar: Wenn die Gesundheitsreform verabschiedet wird, werden viele Adressen im Gesundheitssektor als Verlierer hervorgehen. Die darauf folgenden Angsttaktiken werden wahrscheinlich zu einem Ausverkauf bei Gesundheitsaktien führen, da die meisten Investoren einfach denken, dass die Reform geringere Umsätze bedeutet.
Aber wie Sie gelesen haben, wird es anderen Firmen gut gehen. Viele werden sogar mehr Kunden gewinnen als sie jemals hatten. Es gibt da draußen im Moment viele Missverständnisse, aber Sie können dies zu Ihrem Vorteil nutzen, indem Sie Qualitätsaktien aus dem Gesundheits- und Biotechbereich kaufen, welche weiterhin wachsen werden - ganz egal welche Gesetzesvorlage Washington letztendlich ausspuckt.
Die wichtigste Woche für die Gesundheitsbranche
Das nächste Jahr wird ein sehr interessantes für Gesundheitsunternehmen werden - und trotz des politischen Chaos erwarte ich viele Gewinner.
Jedes Jahr verschwendet die Industrie kaum Zeit und ebnet mit der großen JP Morgan Gesundheitskonferenz in San Francisco im Januar den Weg für die folgenden 12 Monate.
Das ist die bei weitem wichtigste Investorenkonferenz des Jahres und ich werde (wie jedes Jahr) daran teilnehmen. Im Laufe der Zeit wurde die Konferenz immer exklusiver, so dass selbst ein Portfolio Manager, welcher geschäftlich mit JP Morgan zu tun hat, keine garantierte Eintrittsberechtigung hat.
Über 300 Unternehmen werden Präsentationen halten, während mehrere hundert andere, welche nicht eingeladen wurden, in der Stadt absteigen, um die Investoren innerorts zu treffen.
Für mich bedeutet dies ein gerammelt voller Terminplan, da ich mich mit Führungskräften von Unternehmen, Industrie-Insidern und Hedgefonds-Managern treffe. Ich arbeite jetzt schon an mehreren guten Ideen für 2010, aber ich erwarte, dass nach der Konferenz noch viele hinzukommen werden.
Ich werde Sie bezüglich der Konferenz auf dem Laufenden halten und werde (wie immer) die Gesundheitsaktien mit dem größten Gewinnpotential im Jahr 2010 enthüllen.
Ich hoffe Ihre Longs gehen hoch und Ihre Shorts fallen,
Marc Lichtenfeld