Die Geschichte von Goldman Sachs
Eric Fry in Traders Daily
vom 19. Juni 2009, 12:00 Uhr
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Goldman Sachs selbst hat - ähnlich wie Gold - den Zeittest bestanden... irgendwie. Goldman gibt es schon seit 1869, als ein deutsch-jüdischer Immigrant namens Marcus Goldman zum ersten Mal das Firmenschild ausgehangen hat. Dreizehn Jahre später, ist sein Schwiegersohn Samuel Sachs in die Firma eingetreten. Aus diesen bescheidenen Anfängen hat sich das moderne finanzielle Wunderwerk entwickelt.
Aber wenn man sich die Annalen der Geschichte von Goldman Sachs genauer ansieht, dann wird man feststellen, dass diese illustre Investmentfirma bei mehr als einer Gelegenheit mit dem Unternehmenstod geflirtet hat.
„Ich habe erst kürzlich Charles Ellis neue Geschichte des Partnerunternehmens durchgelesen: The Partnership: The Making of Goldman Sachs", stellte Chris Mayer kürzlich fest. „Ich habe mich insbesondere für die frühe Geschichte von Goldman Sachs interessiert. Ich dachte, dass ich so verstehen würde, wie Goldman Sachs einmal ein einfacheres Unternehmen gewesen ist. Ich dachte, Goldmans Geschichte würde mir zeigen, wie man besonnen Risiken eingeht, mit einer angemessenen Sicherung dieser Risiken über Kapital. Daraus hätte ich dann geschlossen, dass die aktuelle Führung bei Goldman ganz einfach leichtfertig war und das Unternehmen in Gefahr gebracht hat, das es schon seit den 1880er Jahren gibt."
„Doch das ist ganz und gar nicht, was ich daraus gelernt habe", fuhr Mayer fort, „seit den frühesten Tagen in denen Goldman als kommerzieller Papierspezialist arbeitet, hat man immer mit minimalem Kapital gearbeitet. Während der gesamten Geschichte, war es ein Unternehmen, das große Risiken eingegangen ist und oft schwere Verluste hinnehmen musste. Das Goldman heute überhaupt noch existiert, ist so etwas wie ein finanzielles Wunder."
"Als ich diese Geschichte gelesen habe", sagt Mayer „viel mir ins Auge, wie oft das Unternehmen in den Schlamassel geriet. In den Zwanzigern war die Krise bei den Investment-Trusts am größten, bei denen eine kleine Menge Kapital ein ganzes Spinnennetz von Investitionen in andere Unternehmen trug. Raten Sie mal, wer darunter am meisten zu leiden hatte."
"Goldman war dabei ganz groß, aufgrund eines Ablegers, der Goldman Sachs Trading Corporation hieß und der im Grunde genommen für seine Investoren alles verloren hat. Ellis schreibt: ‚Während alle Investmenttrusts gelitten haben, wurde Goldman Sachs Trading Corporation zu einem der größten, schnellsten und vermutlich vollständigsten Investitionskatastrophen im 20. Jahrhundert - vermutlich deshalb, weil das Unternehmen in so großem Stile und so hoch fremdfinanziert war."
„Auch der Verlust für Goldman selbst war gewaltig", erklärt Mayer. „Es hat im Grunde genommen die Gewinne aus 30 Jahren ausgelöscht und die ‚Früchte der Arbeit von Generationen‘ vernichtet. Im Schnellvorlauf in die Siebziger und zur größten Pleite im Lande zu dieser Zeit. Man stellt fest, dass Goldman bis zum Bauchnabel darin steckt. Penn Central war zum Zeitpunkt des Konkurses im Jahr 1970 das drittgrößte Unternehmen im Lande. Auch hier schreibt Ellis: ‚Der Verlust, der damit für Goldman Sachs drohte, war nicht nur größer als alle vorhergehenden Verluste, er war auch größer als Goldman Sachs selbst."
„Genauso ist es heute: Das Unternehmen findet sich inmitten einer Krise wieder", schließt Mayer, „und all diese Anekdoten schreien danach, dass man diese komplexen und stark fremdfinanzierten Unternehmen meiden sollten, in denen das Potential für große, womöglich katastrophale Verluste, nie sehr weit entfernt ist."
Aber wer sagt denn, dass sich die Geschichte wiederholen müsse? Goldmans oberstem Mann zu folge, ist die erfolgreiche Investitionsfirma aus der Kreditkrise in bester Form hervorgegangen (die ist doch vorbei, oder?) und sie braucht sicher kein scheußliches TARP-Geld, das die Gehälter schrumpfen lässt.
Hoffentlich ist die Sache wirklich genau so gut, wie Goldman behauptet. Aber das bedeutet nicht, dass die Aktien mehr sind als eine Call-Option auf eine fremdfinanzierte Spekulation. Mit anderen Worten heißt das, dass das Schlimmste hinter uns liegen könnte... oder auch nicht. Nicht einmal Warren Buffett ist sich da sicher.