Die Geschichte von den zwei Städten
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 10. November 2010, 07:30 Uhr
ENL5454
Die besten Zeiten. Die schlechtesten Zeiten.
Derzeit sind für Ökonomen mit Sinn für Humor sicher die besten Zeiten. Absurditäten, direkt vor uns - und man kann darüber lachen. Die finanziellen Ereignisse - vorhersehbare Konsequenzen von dummen Verhalten und dem Zerstören der eigenen Währung - sind lustig genug. Die offiziellen Reaktionen natürlich auch. Die Zentralbanken und Finanzminister tun derzeit stolz Dinge, für die sie früher bestraft worden sind.
Nun, aus Sicht des heutigen monetären Systems sehen wir wohl eher die schlechtesten Zeiten. Nobelpreisträger Robert Mundell sagt, dass wir nicht in 3.000 Jahren so eine monetäre Instabilität" gesehen haben. Was? Und was war mit den Zeiten, in denen die Reichsmark fast an einem Tag fast ihren ganzen Wert verlor? Was war, als die Franzosen ihre alten Francs durch neue ersetzten, Verhältnis 100:1? Was ist mit der ungarischen Hyperinflation des Jahres 1947? Währungskrisen geschehen öfter, als dies Mundell, der Vater des Euro", denkt.
In England hat die Regierung von David Cameron die größten Sparmaßnahmen seit dem Zweiten Weltkrieg verkündet. Er will die britischen Staatsausgaben um 81 Milliarden britische Pfund innerhalb der nächsten fünf Jahre senken. Fast eine halbe Million staatliche Angestellte sollen gehen. Bis jetzt hat die britische Öffentlichkeit das mit der Reaktion aufgenommen, welche ein Esel zeigen würde, wenn er über die Erbsünde informiert würde. Carry on!" sagen sie sich, als wäre es der Blitz", oder als ob es um etwas Nobles gehen würde.
In Frankreich führt die Regierung eine Rentenreform durch, deren Highlight" darin bestimmt, dass das Renteneintrittsalter für Beamte von 60 auf 62 Jahre erhöht werden soll. Das sieht mir nach einer sehr schüchternen Reform aus. Angelsachsen wie ich fragen mich, was die Frösche so aufregt. Aber die gehen auf die Straße. Hunderte Autos wurden angezündet. Sogar Schulkinder gingen auf die Barrikaden.
Zumindest gingen die meisten Protestler wegen eines guten Grundes auf die Straße - um Geld zu bekommen. Die Studenten hingegen dachten, sie würden aus Prinzip dagegen protestieren müssen.
Oberflächlich gesehen haben die beiden Nationen unterschiedliche Ansätze zur Problemlösung. Die Engländer tragen die Last. Die Franzosen revoltieren. Die Engländer passen sich der Realität an. Die Franzosen halten an der Phantasie fest. In London ist die Zeit des Lichts. In Paris senkt sich noch am Vormittag die Dunkelheit über das Land.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von raetiablu (13.11. 2010 00:36 Uhr):
sehr vereinfachend geschrieben... auch in England haben vor einigen Jahren die Autos gebrannt und sind Junge Demonstranten aufeinander und auf die Polizei losgegangen. Schon vergessen? In Frankreich waren die Pensionsreformen nur ein weiterer Anlass zu neuerlichen Demonstrationen der "Chancenlosen in der Gesellschaft" (Ausländer, Uni Absolventen auf dem Abstellgleis ohne Aussicht auf eine Anstellung, etc. Das System droht zu kippen, das wissen viele und das spüren noch viel mehr! Auch die Engländer werden noch radikale Auswüchse sehen, nehme ich an.
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