Die Geschichte der Österreichischen Schule
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 14. Juli 2010, 20:00 Uhr
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Nun haben wir uns bis anhin mit einer wirtschaftstheoretischen Daily-Reihe vergnügt, die ich unter dem Oberbegriff Keynes-Reihe zusammengefasst hatte. Nachdem wir mittlerweile auf die Historie zu sprechen gekommen waren und schließlich gestern auf das (vorläufige) Ende des keynesianischen Ära während der Stagflation der 70er Jahre, müssen wir uns nun auch (wie ich finde) mit den anderen wichtigen Wirtschaftstheorien eingehender beschäftigen. Denn nur ein umfassender Blick in die Geschichte lässt auch eine umfassende Analyse der Gegenwart zu.
Aus diesem Grund gibt's heute und in den nächsten Tagen erst einmal ein bisschen Repetitorium in Sachen Österreichische Schule und Monetarismus. Sie fragen sich vielleicht, warum ich Repetitorium schreibe?! Nun, im Laufe der vergangenen Jahre bin ich mehrmals schon auf die Grundlagen, insbesondere der Österreichischen Schule eingegangen.
Nichts desto trotz: Wissen muss man immer wieder()holen!
Beginnen wir heute also mit der Entstehungsgeschichte der Österreichischen Schule und den Lehren ihrer wichtigsten Vertreter, bevor wir auf den Monetarismus, schließlich einen Vergleich der wichtigsten Wirtschaftstheorien und eine Analyse der Gegenwart zu sprechen kommen.
Was ist die Österreichische Schule?
...auch Wiener Schule genannt! Die Wiener Schule bezeichnet im Grunde eine ganze Richtung innerhalb der Wirtschaftswissenschaften.
Ich spreche von einer ganzen Richtung, da unter der Bezeichnung Österreichische Schule eine ganze Fülle zum Teil verschiedener Strömungen, Aussagen und Positionen entstanden ist. Die Österreichische Schule lässt sich deshalb in verschiedene Generationen mit ihren jeweiligen Hauptvertretern aufteilen, angefangen bei Carl Menger (1840 - 1921) der als eigentlicher Begründer der Richtung gilt, bis in die heutige Zeit zu den US-amerikanischen Neo-Austrians mit prominenten Vertretern wie Murray Rothbard.
1. Generation: Carl Menger und die "Grundsätze der Volkswirtschaftslehre"
1871 erschien Mengers Hauptwerk: Die Grundsätze der Volkswirtschaftslehre. Mengers Darstellungen präsentieren sich hierbei im scharfen Gegensatz zur klassischen Nationalökonomie. Er verfolgt konsequent eine subjektivistische Sichtweise und geriet dabei in einen Methodenstreit mit der vorherrschenden Sichtweise, die einen relativistischen Ansatz verfolgte. So entstand auch der Ausdruck Wiener Schule, den die Vertreter der klassischen Schule dem Kreis um Menger - abwertend gemeint - gaben. Schließlich nahmen ihn die Österreicher - stolz auf die Abgrenzung - an und bezeichneten sich fortan selbst als Wiener Schule.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse Mengers ergibt sich aus der Betrachtung der Grenznutzentheorie. Die Klassiker hatten es bis dahin nicht vermocht, den Umstand zu erklären, dass bisweilen Güter, die eigentlich von höherem Nutzen sind (wie Brot oder Kohle) von geringerem Wert sind, als Güter die eigentlich von geringerem Nutzen sind (wie Edelsteine).
Menger löste dieses Problem indem er annahm, dass die Güter erster Ordnung (also die Güter des täglichen Gebrauchs) den subjektiven Wertschätzungen der Konsumenten unterliegen. Dabei geht es auch darum wie stark ein Gut die menschlichen Bedürfnisse befriedigen kann. Wichtig ist dabei, dass Menger davon ausgeht, dass sich die subjektive Wertschätzung eines Guts immer nach der subjektiven Wertschätzung der letzten Einheit bestimmt (Grenznutzen). Sprich: bei fortschreitender Sättigung nimmt die Dringlichkeit einer weiteren Bedürfnis-Befriedigung ab.
Schwerer Tobak, ich weiß! Aber Menger schaffte es, das so genannte klassische Wertparadoxon zu überwinden und fand eine ganze Reihe Anhänger.
2. Generation: Eugen von Böhm-Bawerk: Kapital und Kapitalzins
Eugen von Böhm-Bawerk (1851-1914) war im Grunde ein Schüler Mengers der mit seinem Hauptwerk wesentlich zur Entwicklung einer subjektivistischen Kapital- und Zinstheorie beitrug.
Im Mittelpunkt seiner Überlegungen steht das menschliche Handeln mit freier Wahl der Mittel zur Erreichung eines subjektiven Ziels. Mittel und Ziele sind nicht objektiv zu betrachten, sondern ergeben sich aus dem unternehmerischen Handeln der Menschen.
Zeit ist für ihn ebenso ein Kapitalgut, wie Arbeit oder natürliche Ressourcen. Elementar für die Erzeugung von Kapitalgütern ist das Sparen, also ein unmittelbarer Verzicht. Nur durch die Abwägung der bestmöglichen Ausnutzung von Gegenwart und Zukunft kann eine Akkumulation von Kapitalgütern entstehen.
Der Zins erklärt sich durch das Zusammenspiel von Kapitalgütern und der Werteinschätzung im Laufe der Zeit. So verzichtet der Kapitalist auf einen Teil seines Konsums um Kapital zur Verfügung zu stellen. Die Werteinschätzung im Laufe der Zeit drückt sich dann im Marktpreis aus: als Zins.