Die Geschichte der Energie
Addison Wiggin in Investors Daily
vom 28. April 2005 18:00 Uhr
ENL5462
Die Geschichte der Energie ist eine Geschichte des Überlebens ...
Zuerst kam das Feuer. Dann zogen die Ochsen den Flug. Die Sonne verwandelte die Saat in Getreide. Wasser- und Windenergie trieben Mühlen an. Das gemahlene Korn ernährte noch mehr Ochsen und Pferde. Die Pferde zogen noch mehr Pflüge.
Die Geschichte der Energie ist auch eine Geschichte der Zivilisation ...
Zuerst gab es nur Holz, getrockneten Mist und Stroh, um Wärme in unsere Hütten zu bringen. Dann gab es Kohle und Hochöfen. Kohle erzeugte Dampf – es gab Fabriken, die mit Dampfmaschinen betrieben wurden, Züge und Boote. Der Dampf drehte die Turbinen, die uns wiederum mit Energie versorgten.
Die Geschichte der Energie ist eine Geschichte von Reichtum und Macht ...
Die Energie aus den Kohlen verwandelte auch Eisen in Stahl. Der Stahl ermöglichte die Wolkenkratzer. Die Energie schaltete die Lichter an und kühlte mit Klimaanlagen. Überstunden wurden dadurch möglich. Stromleitungen ließen Vororte entstehen. Die Elektrizität kühlte die Lieferwagen, Supermärkte und Warenhäuser. Sie hielt das Eis in unseren Gefriertruhen kalt.
Ohne die Energie wäre es in England nie zur industriellen Revolution gekommen. Amerika wäre nicht der Brotkorb der Welt geworden. Es hätte keine Technologierevolution gegeben. Kein Internet, kein Fernsehen.
Die texanischen Ölbarone, die industriellen Magnaten und die arabischen Scheichs haben alle, auf dem Rücken der Energiereserven der Welt, Vermögen erwirtschaftet. Ebenso die Autohersteller und die Waffenlieferanten, die Telefongesellschaften und die Computerhersteller, Bill Gates und Microsoft. Selbst Warren Buffett, der immer noch mit Zettel und Stift rechnet, machte Geld, indem er in Firmen investierte, die von verfügbarer Energie abhängig sind, um überleben zu können.
Einige Experten behaupten sogar, dass eine Beschränkung des persönlichen Energieverbrauchs auf 1.000 Kilowatt im Jahr, die Lebenserwartung um die Hälfte – auf 36,5 Jahre – senken würde.
Bedenkt man, dass zur Weltbevölkerung jeden Tag noch 250.000 Menschen hinzukommen ... oder eine Million innerhalb von vier Tagen ... dann ist selbst die minimale Energiemenge, die gebraucht wird, um eine derart explodierende Bevölkerung zu versorgen, schon eine ganze Menge Saft. Keine Energiekrise ist so kritisch für die Gesellschaft wie eine, bei der die Lichter ausgehen.
Mehr als 95 % der Nachfrage nach Öl wird in den nächsten drei Jahrzehnten aus dem Energiemarkt kommen. Und China und Indien werden für 70 % der Nachfrage verantwortlich sein.
Das sind fantastische Nachrichten für die Vereinigten Staaten. Und für China, Australien und Kanada, wo die größten Kohlevorkommen liegen. In den bekannten Vorkommen gibt es genug Kohle, um die nächsten 300 Jahre auszukommen.
Und alle diese Orte liegen meilenweit entfernt vom unruhigen Mittleren Osten.
Allein in Nordamerika wurden 254 Milliarden Tonnen Kohlereserven nachgewiesen – mehr als 25 % des Gesamtvorkommens auf der Welt. (Vergleichen sie das mit Saudi Arabien, das 24 % der Ölreserven besitzt.)
Allerdings gibt es mit Kohle einige Probleme.
Ein Problem ist, dass sie sich nicht sauber verbrennen lässt. Als England sich in der Mitte der industriellen Revolution befand, befeuerte Kohle die Dampfmaschinen. Der Himmel war schwarz vor Ruß. Eine Schicht von Smog überdeckte die Städte.
In China befeuert Kohle die Kraftwerke. Man erhält 70 % der Energie aus Kohlekraftwerken. Da China eine Menge Kohle besitzt, macht das Sinn.
Aber Kohle zu haben oder nicht, ist auch nicht das Problem. Sie zu verbrennen ist das Problem.
Die chinesischen Himmel sind schon schwarz vom Kohlenrauch. Sieben der zehn Städte mit der höchsten Umweltverschmutzung liegen in China. Saurer Regen ist ein ernstes Problem.
Es ist nicht nur ein Problem für die Ökos. China braucht einen beständigen Strom von ausländischen Investitionen. Mit dem Umweltproblem riskiert China, einen Teil dieses Geldes zu verlieren.
So machen sowohl amerikanische als auch chinesische Firmen große Fortschritte bei der Entwicklung von sauberen Methoden, die Kohle zu verbrennen. Es ist immer noch Kohle, aber sie wurde aufbereitet, so dass sie sauber verbrennt. Mit so viel Kohle in der Erde ist jeder Fortschritt in Richtung einer sauberen Verbrennung den Anlegern im Energiesektor Milliarden wert.
Eine der Möglichkeiten, die eine Menge Aufmerksamkeit erfährt, heißt 'Coal-Liquefaction' (Kohleverflüssigung) Die Kohle wird zu winzigen Partikeln aufgebrochen und mit Wasserstoff und bestimmten Flüssigkeiten vermischt und daraus entsteht flüssige Kohle, die wesentlich sauberer verbrennt als normale Kohle.
Fast jede Anlage, die Kohle verbrennen kann, kann auch Öl verbrennen. Aber der flüssigen Kohle kommt auch aus anderen Gründen viel Aufmerksamkeit zu ...
Es ist schwierig, trockene Kohle zu transportieren. Man kann sie auf Lastern transportieren, in Zügen oder auf Schiffen, sogar auf einem Förderband. Unter keinen Umständen kann man sie jedoch durch Pipelines bewegen.
Der größte Anteil der chinesischen Kohle befindet sich im Norden. Aber die meisten großen Fabriken befinden sich den Wirtschaftszentren im Süden. Und da gibt es keine Kohle. Und auf dem chinesischen Schienennetz lässt sich nur die Hälfte der benötigten Kohle transportieren.
Und deshalb muss China, obwohl es im Norden reichlich Kohle gibt, einen Teil der Kohle aus dem Ausland importieren. Aber sobald die Kohle billig verflüssigt werden kann und durch Pipelines transportiert, wird sich das ändern.
Momentan liegt der Preis, den es kostet, ein Barrel Kohlen oder Kohlenöl zu bekommen, zwischen 22 und 28 Dollar. Das ist wesentlich mehr, als es die Saudis kostet, Öl zu fördern. Wenn jedoch das normale Öl für 50 Dollar verkauft wird, wird die flüssige Kohle wie ein Schnäppchen wirken.
Die Chinesen planen bis 2013 10 % des Ölbedarfs mit flüssiger Kohle zu decken. Das wird auch große Vorteile haben, wenn es darum geht, Kraftwerke in Regionen zu betreiben, in die Laster und Züge nicht leicht und zuverlässig gelangen können.
Auch außerhalb von China ist die flüssige Kohle attraktiv. In den letzten 12 Monaten haben die Energieversorger in den Vereinigten Staaten Pläne bekannt gegeben, neue Kohlenkraftwerke im Wert von über 100 Milliarden Dollar zu bauen. Der amerikanische Kohlenabbau ist mit 1.2 Milliarden Dollar kurz davor, einen Rekord zu erreichen ... und Peabody Energy Corp. – der größte Kohlenhersteller Amerikas – will bis 2010 seine Produktion verdoppeln.
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