Die „Gegenpartei“ am Futures-Markt
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 18. September 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Ich möchte auf den gestrigen Beitrag („Wer ist eigentlich die Gegenpartei bei Calls und Puts?") zurückkommen.
Bei Optionsscheinen und Zertifikaten ist die Sache klar. Da ist Ihre „Gegenpartei" der Herausgeber der Scheine = Emittent.
Dieser sichert sich ab (oder sollte es), und zwar standardmäßig via Futures.
Und was ist nun mit diesem Futures Markt? Da muss es ja auch eine Gegenposition geben. Wieso gibt es eine Gegenpartei? Gibt es überhaupt immer jemanden, der der gegenteiligen Ansicht ist? (Und ich spreche jetzt hier nicht von einer privaten Beziehung.)
Tja, es ist ja nun eben nicht so, dass die Dinge an den Märkten eindeutig sind. Warum sollte es hier auch anders sein als im übrigen Leben?
Geht ja schon beim ganz normalen Kauf einer Aktie los: Warum kauft jemand, wenn doch „offensichtlich" ist, dass der Titel Schrott ist? Oder warum verkauft jemand, wenn doch klar ist, dass das Unternehmen boomt?
Genau deshalb, weil die Dinge eben nicht so offensichtlich sind. Oder, falls doch: Es gibt eben unterschiedliche Risikofreudigkeiten bei den Anlegern.
Wenn man genau wüsste, dass eine Aktie mit 90% Wahrscheinlichkeit um 10% fällt, aber mit 10% Wahrscheinlichkeit um 200% steigt...
...dann sollte der durchschnittliche Anleger dabei bleiben. Der Erwartungswert ist klar positiv.
Es gibt aber eben auch Anleger, denen gefallen solche Risikoverteilungen nicht. Die haben lieber mit 90% Wahrscheinlichkeit 5% Gewinn und mit 10% Wahrscheinlichkeit 3% Verlust.
Da gibt es kein richtig oder falsch, das hängt von der individuellen Vorliebe ab.
Und das ist nicht nur bei den Aktien, sondern auch bei den Futures so.
*** Beim Futuremarkt kommt hinzu: Gegenpartei ist da an den großen Futuresmärkten immer die Börse. Es gibt also kein Ausfallrisiko. Und es gibt nicht das Problem, erstmal eine passende Gegenpartei zu finden. Das ist sehr praktisch: Denn sonst müssten Sie bangen, dass Ihre Gegenseite pleite geht und sie keine Zahlung erhalten. Dieses Risiko ist ausgeschlossen, feine Sache. Die Börse selbst ist die Gegenseite.
Und es ist keineswegs so, dass die Börsen als „Gegenpartei" immer nur Verluste machen würden. Schauen Sie sich mal die Gewinnentwicklung der Börsenbetreiber an - dann kommt eher die Vermutung auf, dass die anderen Akteure am Terminmarkt die Verluste machen.
Letztens habe ich noch überlegt, den Börsenbetreiber eines großen Rohstoff Future-Marktes zu empfehlen - gerade deswegen, weil er so schöne Gewinne einfährt.
Habe ich dann doch nicht gemacht, weil es eine Aktie ist, und da ist die Luft meiner Ansicht nach dem Anstieg der letzten Monate doch recht dünn geworden (für „Long-Position" bei europäischen und US-Aktien).
Jetzt bin ich doch ein bisschen vom „Hölzchen aufs Stöckchen gekommen" (heißt das so?).
Hoffe, die Frage(n) der Leserin sind beantwortet.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!
Ihr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Christoph Geyer (18.09. 2009 13:43 Uhr):
Hallo Herr Vaupel, ich lese seit langem Ihre Kommentare und bin immer sehr angetan davon. Immer gut geschrieben und immer fundiert. Trotzdem möchte ich an dieser eine Ergänzung zu dem Artikel anbringen. Die Börse ist an den Futuresmärkten nicht die "Gegenpartei". Die Börse stellt nur das Clearing-Haus welches bei Ausfall eines Kontrahenten einspringt. Also nur dann ist die Börse die Gegenpartei. Sonst würden ja keine Kurse durch Angebot und Nachfrage zustande kommen. Ich nehme an, dass meinten Sie auch. Ich denke nur, dass sollte um Missverständnisse zu vermeiden, noch erwähnt werden. Mit freundlichen Grüßen und (ansonsten) weiter so Ihr Christoph Geyer
Antworten - Kommentar von Thomas Gangl (18.09. 2009 15:40 Uhr):
Zumindest bei den Futures auf Indizes, Aktien und Obligationen ist die Gegenpartei häufig ein Marktmacher, der die Kursdifferenz zwischen Future und einer synthetischen Gegenposition einstreicht. Bsp. Verkauf des Futures zu 5500, Kauf der im Index enthaltenen Aktien zu 5400 zuzüglich Finanzierungskosten des Aktienkaufs 95 gibt 5 Gewinn.
Antworten - Kommentar von Thomas Gangl (18.09. 2009 15:47 Uhr):
Zumindest bei den Futures auf Indizes, Aktien und Obligationen ist die Gegenpartei häufig ein Marktmacher, der die Kursdifferenz zwischen Future und einer synthetischen Gegenposition einstreicht. Bsp. Verkauf des Futures zu 5500, Kauf der im Index enthaltenen Aktien zu 5400 zuzüglich Finanzierungskosten des Aktienkaufs 95 gibt 5 Gewinn.
Antworten - Kommentar von Thomas Gangl (18.09. 2009 16:50 Uhr):
Zumindest bei den Futures auf Indizes, Aktien und Obligationen ist die Gegenpartei häufig ein Marktmacher, der die Kursdifferenz zwischen Future und einer synthetischen Gegenposition einstreicht. Bsp. Verkauf des Futures zu 5500, Kauf der im Index enthaltenen Aktien zu 5400 zuzüglich Finanzierungskosten des Aktienkaufs 95 gibt 5 Gewinn.
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