Die Gefahren beim Naked Short Selling
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 19. November 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
Ich denke es ist wohl unumstritten, dass Naked Short Selling (ich spreche hier ausschließlich von ungedeckten Leerverkäufen im Aktienmarkt) deutlich mit höheren Risiken verbunden ist, als das einfache Short Selling (also gedeckte Leerverkäufe).
Dies sind zum einen Risiken, welche den Markt betreffen, aber auch solche die den Naked Short Seller selbst betreffen.
Risiken für den Naked Short Seller
So wild und frei das Naked Short Selling im ersten Moment klingt - so ist der Naked Short Seller doch trotz allem gewissen Risiken unterworfen.
Und zwar gerade dann, wenn er in Lieferverzug gerät. In den meisten Fällen müssten jetzt die entsprechenden Clearing Stellen selbst tätig werden und im letzten Schritt die leeverkauften Aktien im Markt aufkaufen (damit sie an den Käufer geliefert werden können) - zu welchem Preis auch immer. Doch diesen Preis bezahlt der Naked Short Seller. Sein Risiko besteht also gerade dann, wenn er in Lieferverzug gerät, darin, dass er für die zu liefernden Aktien einen höheren Preis bezahlen muss und sein Trade im Verlust endet. Dabei ist das Verlustrisiko theoretisch unlimitiert - da eine Aktie ja theoretisch ins Unendliche steigen könnte. Noch problematischer wird das Ganze, wenn nicht mehr genügend freie Stücke im Markt vorhanden sind und der Preis der Aktie, aufgrund der hohen Nachfrage von Seiten der Short Seller, die nun gezwungen sind sich einzudecken, in astronomische Höhen schnellt (doch dieses Problem kann ebenso gut den normalen Short Seller betreffen - dazu nächste Woche mehr).
Risiken für den Markt
Das höchste Risiko und mit Sicherheit das stärkste Argument gegen die Praxis des Naked Short Selling im Aktienmarkt ist, dass ein aggressives Naked Short Selling theoretisch dazu führen kann, dass mehr als 100% der ausgegebenen Anteile leerverkauft werden. Dadurch würde der Markt im Umkehrschluss von einer Masse nicht existenter Anteile überflutet werden, die den Kurs der Aktie massiv in den Keller drücken.
Doch dies ist reine Marktmanipulation und - so weit ich weiß - sowieso fast überall ein illegales Vorgehen.
Ich sage es einmal so: so lange derartige Marktmanipulation durch entsprechende Regularien verboten sind und der Naked Short Seller sein erhöhtes Risiko selbst zu tragen hat, sehe ich das Naked Short Selling auch im Aktienmarkt - zumindest in dieser Form - entsprechend als Sonderform des Short Selling an.
So long liebe Leser....verstehen Sie mich nicht falsch, dies soll keinesfalls ein Plädoyer für ein uneingeschränktes Naked Short Selling im Aktienmarkt sein...ganz im Gegenteil....dennoch gehe ich davon aus, dass - entsprechende Regeln voraus gesetzt - auch das Naked Short Selling eine wichtige Zusatzfunktion im Markt erfüllen kann....wohlgemerkt spreche ich hier allein vom Aktienmarkt...in anderen Finanzmärkten sieht die Sache sowieso wieder ganz anders aus....doch dazu nächste Woche mehr, sofern Sie ebenso große Leidenschaft für dieses Thema empfinden wie ich...;-)....bis morgen, zum Wochenrückblick....
Ihre Miriam Kraus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Roland Mall (20.11. 2009 02:15 Uhr):
Hallo Frau Kraus, da kann man so schöne Begründungen dafür finden wie man will: in meinen Augen ist es eine Lumperei, denn sonst würde es in Krisenzeiten nicht verboten, weil man damit eine noch größere Beeinflussung verhindern will.
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