Die Gefahr eines Börsencrashs im Falle einer Ölkrise wächst!
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 24. April 2006 18:00 Uhr
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Man kann solche Einbrüche, die wir bei den Edelmetallen in der letzten Woche erlebt haben, auch als sogenannte Vorboten eines Crashs betrachten! (Mit Crash meine ich einen Kursrückgang von 15-20 % in den Indizes). Solche Verwerfungen, die scheinbar grundlos entstehen, lassen mich immer aufhorchen. Es handelt sich hier aber um ein "kann", nicht um ein "muss". Das möchte ich betonen.
Aber es reicht aus, sich einmal mit den Gefahren zu beschäftigen, die aktuell die Börsenlandschaft heimsuchen können. Nicht um zu schocken, sondern um auf alles vorbereitet zu sein. Ein Prozedere, welches an den Börsen lebenswichtig ist.
Einzelne solcher Kurseinbrüche sind eher normal. Kommt es allerdings immer häufiger in verschiedenen Segmenten dazu, dann könnten das erste kleine Vorbeben eines größeren Bebens sein. Sie müssen sich einfach vorstellen, dass jeder Einbruch eine Reihe von Anlegern (und zwar die, die dort investiert sind/waren) verunsichert. Verunsicherung führt aber zu hektischen, unüberlegten Aktionen ... Jeder weitere Kursrutsch nimmt den Anlegern ihre "Zuversicht" und erhöht ihre Verkaufsbereitschaft, das ist die psychologische Komponente.
Heute ist der Nikkei massiv unter Druck gekommen, mit einem Minus von 2,81 %. Ist auch das ein weiterer Hinweis?
Ein weiter steigender Ölpreis kann die Wirtschaft in die Knie zwingen!
Es gilt also zu fragen, von welcher Seite der Auslöser kommen könnte. Lassen wir einmal die nicht vorhersehbaren Faktoren (Anschläge, Naturkatastrophen, Epidemien etc) außen vor, dann fällt natürlich sofort der Ölpreis ins Auge. Am Freitag konnten Sie miterleben, wie ein scharfer Ölpreis-Anstieg den US-Handel trotz massiver Kaufsignale in die Knie zwang.
Der Ölpreis hat das Potenzial, die Wirtschaft abzuwürgen. Wir erinnern uns an den letzten Anstieg auf 70 Dollar. Damals schrieb ich, dass der Ölpreis testen werde, auf welchem Niveau er der Wirtschaft Schaden zufügt. Bei Ölpreisen um 70 Dollar spürte man, dass die Wirtschaft in Bedrängnis kam. Nun stehen wir bei 75 Dollar und ich mache mir zunehmend Sorgen. Bei den geopolitischen Faktoren (Iran, Nigeria, Venezuela) die zu diesem Ölpreisanstieg führen, ist genug Potential vorhanden, den Ölpreis theoretisch auch noch weiter zu treiben.
Inflation in den USA hängt direkt mit dem Ölpreis zusammen
Damals, als der Ölpreis durch die Hurrikans angestiegen war, hatte alles und jeder vor Inflationssorgen in den USA gewarnt. Die Märkte gerieten gefährlich ins Trudeln. Ich hatte damals darauf hingewiesen, dass diese Inflation doch hauptsächlich nur Energiepreis getrieben sei. Und tatsächlich, als sich der Ölpreis beruhigte, beruhigten sich auch schnell die US-Inflationszahlen (Verbraucherpreise, Produzentenpreise, etc).
Sie werden nun das gleiche wieder umgekehrt erleben. In den nächsten Wochen/Monaten werden sich diese US-Preisindikatoren wieder deutlich verschlechtern. Hier liegt die Gefahr, dass die Anleger, die nun auf ein Ende der Zinserhöhungen in den USA gesetzt haben, enttäuscht wieder aussteigen. Insbesondere wenn die Fed aufgrund höherer Inflationsindikatoren doch noch weitere Zinserhöhungen beschließen, respektive ankündigen sollten.
Steigender Ölpreis und US-Immobilienmarkt, eine brisante Mischung
Ein anderer Umstand wird in diesem Zusammenhang zu einem gefährlichen Cocktail. Überall könnten Sie in den letzten Jahren lesen, dass das Abflauen des US-Immobilienmarkt-Booms den US-Konsum belasten wird. Das US-Wirtschaftswachstum ist zu 70 % vom Binnenkonsum abhängig. Hier malten einige Kommentatoren diverse Horrorszenarien. Sie wissen, ich habe solche Szenarien für übertrieben gehalten. Da ich unter anderem nicht mit einem Crash sondern nur mit einem langsamen Abflauen des US-Immobilienmarkte gerechnet haben. Genau das erleben wir aktuell.
Nun kommt aber ein weiterer Faktor hinzu. Jeder Cent, den Sie an der Zapfsäule mehr bezahlen, jeder Cent, den Sie mehr für Heizöl und Gas bezahlt müssen, jeder Cent der auf Ihre Stromrechnung zugeschlagen wird, steht natürlich nicht mehr Ihrem Konsum zur Verfügung. Das gilt nicht nur in Deutschland, sondern auch für US-Bürger. Dazu gesellen sich die höheren Preise, welche die Unternehmen aufschlagen, um die höheren Energie- und Rohstoffkosten der Produktion umzusetzen. Das geht nur zu einem Teil, so dass die Gewinne der Unternehmen sinken werden.
US-Konsum in der Zwickmühle
Beides zusammen, also die geringeren Einnahmen und Vermögensstände der US-Bevölkerung durch ein Ende der Immobilienblase, wie auch die höheren Kosten für Benzin, Strom und Heizöl, könnten den US-Konsum nachhaltiger belasten. Die Gewinnmargen der Unternehmen sinken, wie oben beschrieben, durch die höheren Energiekosten sowieso schon, wenn dann auch noch ein geringerer Konsum hinzu kommt, kann sich das erheblich auf die Gewinne von US-Unternehmen auswirken.
Börse nimmt Zukunft vorweg. Das heißt, es könnte sein, dass bei weiter steigenden (!) Ölpreisen, irgendwann ein Punkt erreicht ist, an dem das bekannte Fass überläuft. Weil einfach zu viele Faktoren den eigentlich immer noch sehr bullishen Markt belasten.
Wie gesagt, diese Szenarien gelten nur, wenn der Ölpreis noch weiter steigt.
Warum reagiert der Dax auf den Ölpreis weniger deutlich?
Der Dax ist hiervon in erster Linie weniger betroffen, da Deutschland extrem vom Export abhängig ist. Wie wir in den letzten Jahren gesehen haben, ist der Binnenkonsum weitaus weniger wichtig für die Unternehmensgewinne! (Auf diese wird an den Börsen allerdings spekuliert) So konnte und kann der Dax unter anderem auch trotz des steigenden Ölpreises die US-Indizes outperformen, die ihrerseits seit dem Ölpreisansteig eher seitwärts laufen. Hinzu kommt noch, dass Deutschland im Gegensatz zu den USA einen hohen Außenhandelsüberschuss hat, so dass sich auch hier der höhere Ölpreis weniger auswirkt.
Langfristig schadet ein hoher Ölpreis auch dem Export
Doch natürlich würden starke Einbrüche in US-Indizes auch den Dax mitreißen, keine Frage. Langfristig würde sich eine schwächere US-Konjunktur auch auf die Weltwirtschaft schwächend auswirken und damit natürlich auch die Exportnachfrage negativ beeinflussen.
Noch spielt der Dax diese Sorgen nicht!
Aber, im Moment sind das nur Sorgen. Im Moment ist der Dax noch in einem klaren Aufwärtstrend, noch generiert er ein neues Jahreshoch nach dem anderen. Noch ist es zu früh, in Panik zu verfallen. Und man muss immer daran denken, dass ein hoher Ölpreis, sofern er wieder fällt, den Markt auch durchaus antreiben kann. Wie ich schon bei dem letzten Ölpreisanstieg immer wieder betonte: Ein hoher Ölpreis ist ein großes Bullenpotential.
Es hängt also sehr viel von der weiteren Entwicklung des Ölpreises ab. Jeden, der Ihnen etwas anderes erzählen will, sollten Sie fragen, ob er die höheren Kosten für Benzin, Heizöl, Strom, durch höhere Löhne kompensieren kann, um weiterhin zu konsumieren ...