Die fünf größten Irrtümer der Anlegern – Im Gespräch mit John Stossel, Chefreporter bei ABC News
Dr. Mark Skousen in Investoren Wissen
vom 12. September 2006 16:00 Uhr
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Vergangene Woche führte ich ein Interview mit John Stossel, dem Chefsprecher des Nachrichtensenders ABC. John ist bekannt dafür, dass er mit Mythen, Lügen und dummen Irrtümern aufräumt.
John ist ein langjähriger Freund von mir. Er kommt aus der selben Stadt wie ich und wir haben viele gemeinsame Interessen.
Ich fragte ihn in unserem Gespräch nach den fünf größten Irrtümern und Mythen, die es unter Anleger gibt...
Was ist dran an der Diskussion um eine Energiekrise?
Mythos 1: Es gibt eine gefährliche Energiekrise. Die Ölvorräte neigen sich dem Ende zu und die Gaspreise explodieren.
Skousen: Wie beurteilen Sie diese Aussage?
Stossel: Das sind drei Mythen, nicht nur einer! Es ist nur eine Frage der Preise. Es gibt keine Energiekrise...
Zu Preisen von 70 $ je Barrel gibt es genug Öl im Ölschiefer in Kanada. Das würde reichen, Amerika für 100 Jahre zu versorgen. Der Gedanke, dass ausländisches Öl schlecht ist, ist verrückt. Denn wenn uns beispielsweise der Irak kein Öl verkaufen will,
dann verkaufen sie es an jemand anderen, der es dann an uns verkauft. Wir sitzen auf riesigen Kohlevorräten. Ich gehe davon aus, dass wir in 50 Jahren unglaubliche Engeriealternativen haben werden, von denen jetzt noch niemand träumt. Gaspreise auf Rekordniveau? Was für ein Schwachsinn!
Wenn Sie die Inflation berücksichtigen, ist Gas billig. Gas kostet beispielsweise weniger als Mineralwasser oder Speiseeis.
Skousen: Mit diesem Mythos hängt auch folgende Aussage eng zusammen: Die Regierung ist gezwungen alternative Energien wie Ethanol, Windenergie, die Brennstoffzelle oder Ölschiefer zu subventionieren.
Stossel: Ich frage mich: Wenn diese Energien etwas taugen, warum müssen wir sie dann subventionieren? Der Markt sollte das regeln!
Skousen: Muss die Regierung nicht die Forschung bei diesen alternativen Energien vorantreiben?
Stossel: Das würde voraussetzen, dass die Regierung und die Eliten an der Universität mehr wüssten, als die ganzen cleveren Unternehmer, die schon lange versuchen, neue Wege bei der Energieversorgung zu gehen. In den 70er Jahren verplemperte die Regierung von Jimmy Carter Milliarden mit solchen Projekten. Die japanische Regierung sagte Honda einmal, das Unternehmen solle das Motorradgeschäft einstellen. Regierungen sind ganz schwach, wenn es um die Vorhersage der Zukunft geht.
Skousen: Was sagen Sie voraus? Wird der Ölpreis fallen?
Stossel: Wie es genau weiter geht, kann ich nicht sagen. Nur so viel: Experten sagten früher, 1940 würde uns das Öl ausgehen. Später hieß es, es sei 1970 so weit. Die Fachleute lagen mit solchen Aussagen immer wieder daneben.
Staatliche Regulierung vernichtet Milliarden
Mythos 2: Die Regulierung der Regierung ist notwendig um die Verbraucher zu schützen. Ohne Regierung würden schlechte Unternehmer die Bevölkerung abzocken.
Stossel: Im Geschäftsleben können die Unternehmer keine Gewalt anwenden. Um erfolgreich zu sein, müssen sie den Verbrauchern gute Produkte bieten
Es gibt immer wieder Betrug. Aber dieses Geschäft wird nie richtig groß. Natürlich gibt es einige Firmen wie Enron. Aber in unserer riesigen Volkswirtschaft sind das nur ein paar Ausnahmen. Wenn man den Wettbewerb zulässt, dann verschwinden solche Unternehmen. Die guten Firmen bleiben dagegen.
Skousen: Hätten die Betrügereien bei Enron alleine durch die Medien aufgedeckt werden können oder war die Börsenaufsicht SEC notwendig?
Stossel: Es war nicht die SEC, die den Skandal aufdeckte, sondern Analysten.
Skousen: Wie steht es um folgenden Mythos: Anlegerschutzgesetze sind gut für den US-Aktienmarkt.
Stossel: Das kann möglicherweise stimmen. Aber wenn sich Firmen von der Börse zurückziehen um die Regeln zu umgehen, was soll dabei gut für die Börse sein? Wenn mehr Geld für Kontrolleure ausgegeben wird als für Ingenieure und Wissenschaftler, ist das weder gut für die Börse noch für sonst jemanden. Mit Ausnahme der Kontrolleure und Juristen natürlich.
Mythos 3: Markenprodukte sind besser, als Nachahmer-Produkte und No-names.
Stossel: Das stimmt oft. Bei Nahrungsmitteln ist es aber oft so, dass Verbraucher bei Tests die No-names besser finden.
Skousen: Bio-Nahrungsmittel werden in den Staaten immer öfter gekauft. Sind sie besser als andere Lebensmittel?
Stossel: Unseren Studien zu Folge sind sie nicht gesünder. Aber als Befürworter der freien Markwirtschaft freue ich mich, dass Unternehmen dieser Branche schönes Geld verdienen.
Brechen die Börsen in Folge der Klimaerwärmung zusammen?
Mythos 4: Die Klimaerwärmung ist Folge der Umweltverschmutzung aufgrund des starken weltweiten Wirtschaftswachstums. Deshalb steht uns eine Umweltkatastrophe bevor, die am Aktienmarkt zum Zusammenbruch führen wird.
Stossel: Das ist möglich, aber ich glaube es nicht. Die Medien haben uns immer wieder mit so vielen möglichen Katastrophen bombardiert, etwa Vogelgrippe, Krebsepidemien durch Pestizide oder das Jahr-2000-Problem, dass ich auch diese Aussage für übertrieben halte. Es stimmt, dass sich die Erde erwärmt. Und wahrscheinlich sind die Menschen schuld daran. Aber wird es so schlimm kommen, wie manche vorhersagen? Ich glaube nicht. Umweltaktivisten zeichnen natürlich das düsterste Szenario. Aber wir wissen es nicht. Die Wissenschaft bei der Vorhersage des Klimas steckt noch in den Kinderschuhen.
Mythos 5: Man kann den Markt nicht schlagen. Deshalb ist es das beste, einen Indexfonds zu kaufen und seine Finger von Einzelaktien und Anlagetipps von Börsenbriefen zu lassen.
Stossel: Mein Schwager Michael Steinhardt schlägt mit seinem Unternehmen den Markt seit 20 Jahren. Er bringt es dabei auf eine durchschnittliche jährliche Rendite von 27 Prozent.
Das kann man aber nicht von allen Marktteilnehmern sagen. Nach Angaben von Morningstar schaffen es nämlich 90 Prozent der aktiv gemanagten Fonds nicht den Markt zu schlagen.
Skousen: Allerdings kann man als Investor besser abschneiden, wenn man bessere Informationen hat. Sie stehen aber dem Börsenwissen der Medien und der Öffentlichkeit kritisch gegenüber. Sind Sie immer so pessimistisch?
Stossel: Wenn ich mir ansehe, dass die Regierung immer mächtiger wird und immer mehr plant, dann fällt es mir schwer, ein Optimist zu sein.
Skousen: Sie sind inzwischen über 35 Jahre im Fernsehgeschäft. Was ist die wichtigste Erfahrung, die sie gemacht haben?
Stossel: Glück kommt von guten Beziehungen und von Zielen, die man für wichtig erachtet. Und dass ein Leben in Freiheit besser ist als unter staatlicher Gängelei.
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