Die Frage der Kriegskosten
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 03. April 2003 18:00 Uhr
ENL5454
*** Warum ist der Dollar noch nicht eingebrochen? Dass er einbrechen wird, scheint mir mehr als wahrscheinlich zu sein. Senkt die US-Regierung nicht die Steuern, während sie gleichzeitig einen Krieg gegen den Terror führt ... und einen Krieg gegen den Irak ... und einen Krieg gegen die Rezession – alles gleichzeitig?
Oh, wie ich Amerika vermisse! Sie erinnern sich doch an dieses großartige Land, oder? Das war das Land, in dem die gewählten Repräsentanten des Volks zusammenkommen sollten, um über wichtige Dinge wie Kriegserklärungen zu beraten. Das steht in der amerikanischen Verfassung ... ich scherze nicht. Die Repräsentanten sollten Pro und Contra mit ernstem Ton diskutieren ... und dann darüber abstimmen. Und wenn sie für einen Krieg stimmen sollten, dann hätten sie auch die Verantwortung für die Finanzierung dieses Krieges, was normalerweise zu steigenden Steuern führen sollte.
Aber das ist die Vergangenheit bzw. die Theorie. Der heutige US-Kongress ist mit dem römischen Senat zur Zeit des beginnenden Abstiegs des römischen Imperiums vergleichbar – feige und irrelevant. Die heutigen Kongressabgeordneten verstecken sich lieber in der Toilette, als über den Krieg zu diskutieren. Und wie soll der Krieg finanziert werden? Keiner kümmert sich darum, das zu fragen.
Ich weiß nicht, wie hoch die Kriegskosten letztlich sein werden. Aber ich habe eine ungefähre Idee davon, wie die Rechnung bezahlt werden wird. Derselbe Kongress, der jetzt nicht den Mut aufbringt, das Geld für den noch jungen Krieg zusammenzubringen, ... wird nach Kriegsende noch viel weniger Mut für Steuererhöhungen und/oder Ausgabenkürzungen haben. Stattdessen wird die Macht einspringen, die die Fähigkeit hat, aus dem Nichts Dollar zu machen – die US-Zentralbank. Die Fed, die immer dazu bereit ist, die Geldmenge zu erhöhen – egal, ob es angemessen ist oder nicht – wird wie ein guter Soldat durch den Krieg kommen. Die Fed wird ihre Pflicht tun und Dollar produzieren, als ob es sich um Nachschub für den Krieg handeln würde. Und früher oder später wird die Welt mehr Dollar haben, als sie gebrauchen kann.
*** Arme Fannie Mae. Dieser amerikanische Hypothekenbank-Riese hatte eine so große Chance – und hat so wenig daraus gemacht. Die Hypotheken sind ja fleißig erhöht worden – im letzten Jahr lag die Summe der Refinanzierungen m 9.300 % (!) über dem Wert von 1990. Und dennoch hat es Fannie Mae geschafft, für ihre Aktionäre Geld zu verlieren. Das Nettovermögen der Gesellschaft ist im letzten Jahr um 2 % zurückgegangen (Quelle: TheStreet.com).