Die Florida Ernte
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 17. Januar 2007 20:45 Uhr
ENL5454
Vergessen wir im Moment einmal den kalifornischen Kälteeinbruch und konzentrieren wir uns auf die fundamentalen Daten.
Es ist wahr, dass es schwieriger geworden ist in Florida Orangen anzubauen.
Die USDA gibt an, dass die Ernte in Florida für 06/07 voraussichtlich 140 Millionen Kisten betragen wird. Mit einem geschätzten Saftgehalt von 1,58 Gallonen pro Kiste, bei einem Gehalt von 42 Grad Brix.
Falls diese Einschätzung zutrifft erwartet Florida die niedrigste Ernte seit 15 Jahren.
Dies ist immer noch den durch die Hurricanes verbreiteten Schädlingen zu verdanken die einen grossen Teil der Ernte, sowie auch der Bäume vernichteten.
Die Anbaufläche für Orangen ist in Florida in den letzten zwei Jahren um 17 % gesunken, die Anzahl der Bäume im Verlauf der letzten sechs Jahre um 19 %.
Gegenwärtig befinden sich in den USA 650 Millionen Pfund gefrorener Orangensaft auf Lager. Damit sind die Lagerbestände gegenüber dem Vorjahr um 37 % gesunken.
USA werden importieren müssen
Richtig ist, dass aufgrund der tiefen Lagerbestände, der vermutlich niedrigen Floridaernte( und dies ist sehr wahrscheinlich, denn schliesslich sinkt die Ernte seit drei Jahren unaufhörlich von Jahr zu Jahr ) und nun nach dem kalifornischen Wetterdesaster die USA gezwungen sein werden Orangen zu importieren.
Andererseits hat der weltweit grösste Orangeproduzent Brasilien möglicherweise seine eigenen Probleme mit der Orangenernte. Brasilien hat bereits über 2 Millionen Bäume an die „Citrus Greening“ Krankheit verloren. Diese ist tödlich für die befallenen Bäume. Es bleibt abzuwarten ob sich die Pflanzenkrankheit in Brasilien noch weiter ausbreiten wird.
Fundamentale Daten sprechen für einen Preisanstieg, aber…
Alle diese Argumente führen schliesslich zu dem Schluss, dass auch die Orange Juice Future Preise weiter ansteigen müssen.
Tatsächlich tun sie das bereits seit Jahren, unaufhörlich. Seit 2005 ist der Preis für Orangensaft um 156 % gestiegen. Gegenwärtig notiert Orangensaft im März bei 2,0580 US Dollar pro Pfund ein Tagesanstieg von immerhin 3 %.
Liebe Leser, ich glaube die fundamentalen Daten sprechen für einen langfristigen Anstieg der Orangensaft Preise , auch im Hinblick auf die mögliche kommende stärker werdende Nachfrage aus China.
Und diese Nachfrage aus China ist keineswegs herbeigeredet. Bei meinem zweieinhalbwöchigen Aufenthalt in China konnte ich mit eigenen Augen sehen, wie Milch, Kaffee, Orangensaft und sogar Kakao konsumiert wurde und dies von einer immer grösseren Zahl von jungen Chinesen.
Doch kurzfristig ist ein Trade aufgrund der kalifornischen Ereignisse eine spekulative Angelegenheit und man kann nicht genau sagen was in den Preisen bereits drinnen ist. Schliesslich sind die Spekulanten massiv im Orangensaft Long und die Commercials, also die Produzenten sind Short. Aber auch diese Daten sind nur einer von mehreren Indikatoren zur Bestimmung des Trends.
Ich für meinen Teil lehne mich nun entspannt zurück und beobachte diese Geschichte weiter mit Faszination.
So long…liebe Leser, auf ein Gläschen Orange Juice…….bis Morgen .
Ihr
Andreas Lambrou
P:S:: Brix bezeichnet im Übrigen den Zuckergehalt des Saftes.