Die –flation ist unvermeidlich
Bill Bonner in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 05. Mai 2008 08:30 Uhr
ENL5454
Die –flation ist unvermeidlich, weil es finanzielle Fehlentscheidungen im Wert von Milliarden… nein, vermutlich sogar Billionen… von Dollar gibt, die korrigiert werden müssen, in einer Welt voll von Finanzvertretern, die versuchen, das zu vermeiden.
“Sehr viele Leute haben sehr viele Fehler gemacht”, sagt der einstige Finanzminister und Vorsitzende von Goldman, der heute Chef des Vorstands von Citigroup ist, Robert Rubin. Rubin hat selbst einen Fehler gemacht, schreibt der International Herald Tribune, weil es ihm nicht gelungen ist, die Risikobereitschaft von Citigroup in den vergangenen fünf Jahren im Zaum zu halten.
Aber nur weil die Leute viele Fehler machen, hält das die Behörden noch nicht davon ab, noch mehr zu machen. Sie haben den Banken in Großbritannien… und den Wall Street Brokern in Amerika Finanzspritzen gegeben. Die Zentralbank hat die Zinssätze bereits sieben Mal gesenkt.
Die Folge ist, dass Geld und Kredite das System überschwemmen… aber viele Investoren dennoch untergehen. Meine Ansicht ist nicht weit verbreitet. Die meisten Analysten gehen davon aus, dass die Behörden entweder Erfolg haben oder scheitern.
Wenn sie scheitern, dann wird alles fallen. Wenn sie Erfolg haben, wird alles steigen. Das weiß natürlich niemand. Ich habe eine solche Finanzsituation noch nie zuvor erlebt… also ist es nur Raterei. Ich kann es lediglich auf die Grundlagen herunterbrechen, um zu erkennen, ob es Sinn ergibt.
„Geht die wirtschaftliche Rolle der Finanzen zurück?“, fragt eine Schlagzeile des Wall Street Journals. Ja, lautet meine Antwort. Die Wall Street hat Geld erwirtschaftet, indem sie die Wirtschaft „finanzialisiert“ hat. Geschäftleute haben beispielsweise nicht mehr darüber nachgedacht, wie sie bessere Produkte zu besseren Preisen anbieten können, stattdessen waren sie viel stärker an Fusionen, Übernahmen, Aktienoptionen, Anlagenbewegungen, Börsengängen und Rückkäufen interessiert.
Einige dieser Aktivitäten haben zu Wertsteigerungen geführt, aber nicht viele. Für die Wall Street waren das die ruhmreichen Tage. Milliarden von Gebühren konnten erhoben werden… und solange die Preise weiter stiegen, haben sich nur wenige Leute beklagt.
Aber als die Preise anfingen zu fallen, sahen sich die Kreditgeber nach den Sicherheiten um und stellten fest, dass diese nicht mehr so viel wert sind, wie sie dachten. Ein bestens bewerteter Kredit wurde herabgestuft… die Banken taumelten und mussten um Kapital betteln… und die Regierung ist eingeschritten, um die Reichen zu schützen und, so sagt sie, eine Krise zu verhindern.
Die Wall Street hat auch dazu beigetragen, dass aus Hausbesitzern Spekulanten wurden. Anstatt Häuser zu kaufen, um dann darin zu leben, haben die Leute sie gekauft – und das oft ohne Geld auf den Tisch zu legen – in dem Glauben, dass sie im Preis steigen würden.
Was ist eine Hypothek, bei der kein Geld auf den Tisch gelegt werden muss, anderes, als eine Option, das Haus später zu kaufen?
Und jetzt fallen die Hauspreise, und die Optionen werden wertlos. Hausspekulanten stecken die Schlüssel in den Briefkasten, spülen Zement durch die Toiletten und machen sich dann davon.
“Das strahlende neue Finanzystem”, sagte Paul Volcker noch vor einigen Wochen, „hat den Test des Marktes nicht bestanden.“ Volcker hat Recht. Die Wall Street hat den Gipfel hinter sich gelassen.
Der Kreditzyklus hat ebenfalls den Gipfel überschritten. Und gegenüber meinen Kollegen sagte Volcker in einem Interview im vergangenen Dezember: „Momentan befinden wir uns in sehr schwierigen Umständen in der Finanzwelt mit gewaltigen Übertreibungen und Kreditvergaben und ganz besonders mit den berüchtigten, minderwertigen Hypotheken.“
„Ein großer Teil dieser Übertreibungen kommt jetzt nach Hause, um die Verantwortung zu übernehmen und übt viel Druck auf die Wirtschaftseinrichtungen aus, und die Frage ist, wie viel Druck es auf die Wirtschaft insgesamt ausüben wird. Wir hatten in den vergangenen 20 Jahren eine ganz gute Zeit der Wirtschaftaktivität und viel Erfolg in der Finanzwelt, aber jetzt haben wir einen Punkt erreicht, an dem das Übermaß und die Fehlanpassungen und Spannungen korrigiert werden müssen. Und das wird ein wenig schmerzhaft werden.“
Stattdessen scheint die aktuelle Führung der Zentralbank entschlossen, diese Schmerzen um jeden Preis zu verhindern. Diese Woche hat die Zentralbank die Zinssätze erneut um einen Viertelprozentpunkt gesenkt. Das kluge Geld denkt über einen weiteren Einschnitt um 25 Basispunkte nach.
Das kluge Geld fragt sich auch nicht mehr, was die Zentralbank tun wird… sondern, was sie sagen wird. Wenn sie signalisiert, dass es das Ende der Zinssenkungen ist – worauf werden sich die Investoren dann noch freuen können.
Doch ich versuche hier in Rom immer noch, mir nur die Grundlagen anzusehen. Und die grundlegende Bedingung ist diese: Der Boom in der Finanzindustrie und alles, was davon abhängig ist, ist vorbei.
Jetzt ist es Zeit für die schmerzlichen, aber notwendigen Anpassungen. Die einzige Frage ist jetzt noch, wie diese Anpassungen hergestellt werden sollen – durch Inflation oder Deflation, oder – wie ich vermute – durch beides.